Laut Studie: Superreiche verstecken 25 Prozent ihres Vermögens in Steueroasen

Laut Studie: Superreiche verstecken 25 Prozent ihres Vermögens in Steueroasen
Laut Oxfam unterhalten 90 Prozent der 200 weltgrößten Konzerne Filialen in Steueroasen. Durch die dunklen Geschäfte verlören arme Länder mindestens 100 Milliarden Dollar pro Jahr.
Eine im Mai veröffentlichte Studie mit dem Titel „Tax Evasion und Inequality“ belegt, dass die globale Vermögensungleichheit in den offiziellen Statistiken eher unterschätzt wird. Denn ein wichtiger Posten wird darin nicht abgebildet: Die erfolgreiche Steuerhinterziehung der Superreichen.

Schon 2013 schrieb Gabriel Zucman ein erfolgreiches Buch über Steueroasen. Im Mai dieses Jahres hat der französische Wirtschaftswissenschaftler, der zur Zeit an der Berkeley-Universität in Kalifornien lehrt, mit zwei skandinavischen Kollegen, die Studie "Tax Evasion and Inequality" (Steuerhinterziehung und Ungleichheit) herausgegeben. Die Studie deckt auf, wie die Superreichen, die obersten 0,01 Prozent, etwa rund 25 Prozent ihres Vermögens wegmogeln. Natürlich vor allem dank Offshore-Steueroasen, mit deren Hilfe es möglich ist, dort wo ihr Einkommen tatsächlich generiert wurde und wo sie leben, den Fiskus zu umgehen.

Anfang des Jahres hatte Oxfam bereits berichtet, dass acht Milliardäre genauso viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Die Milliardäre Bill Gates, Amancio Ortega, Warren Buffet, Carlos Slim Helu, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg, Larry Ellison und Michael Bloomberg kommen zusammen auf rund 426,2 Milliarden US-Dollar. Die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung auf 409, 1 Milliarden US-Dollar.

Die Ergebnisse der Studie von Zucman legen jedoch nahe, dass die Konzentration des Reichtums vermutlich noch größer ist. Denn offenbar steigt die Tendenz zur Steuerhinterziehung mit dem Vermögen:

Die vielen Datensätze, die in diesem Artikel herangezogen wurden, ergeben alle das gleiche Bild: Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass jemand Vermögen versteckt, steigt zusammen mit der Höhe des betreffenden Vermögens extrem an. Infolgedessen erweist sich das Offshore-Vermögen als äußerst konzentriert. Nach unseren Schätzungen gehört 50 Prozent davon [des Offshore-Vermögens] den obersten 0,01 Prozent.

So die Studie. Die Experten kommen zu dem Schluß,

dass die obersten 0,01 Prozent zirka 25 Prozent ihres tatsächlichen Vermögens verstecken.

 Gegenüber der Los Angeles Times sagte Zucman:

Es gibt eine große Industrie, die den Superreichen überall auf der Welt Dienstleistungen im Bereich der Vermögensberatung anbietet. ... Wenn man eine bestimmte Schwelle von über 50 Millionen Dollar überschritten hat, bekommt man solche Dienstleistungen angeboten.

Die drei Autoren der Studie, Anette Alstadsaeter, Niels Johannesen und Gabriel Zucman, nutzten für ihren Bericht mehrere Quellen. Die vermutlich aussagekräftigsten Daten dürften von der HSCB Private Bank (Suisse) stammen. Der Schweizer Tochter der britischen HSBC und sechstgrößten Privatbank der Welt. Die Daten der HSBC wurden schon 2015 der Öffentlichkeit zugespielt. Dadurch wurde unter anderem bekannt, dass die Bank Milliarden von Dollar an steuerpflichtigem Geld von Firmen wie Google und Amazon, aber auch die Vermögen einiger extrem reicher Klienten geschickt versteckt hatte.

Unter den Daten finden sich unter anderem der Name von Ex-Präsident Bill Clinton und weiteren bekannten Persönlichkeiten. Eine weitere wertvolle Quelle der Studie sind die Daten der Panama Papers. Die riesigen Datenmengen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca kamen 2016 an die Öffentlichkeit. Die Dokumente belegen, dass Mossack Fonseca Millionen von Dollar damit verdiente, Politikern und Superreichen dabei zu helfen, ihre Vermögen beiseite zu schaffen und zu verstecken, damit keine Steuern bezahlt werden mussten.

Die dritte Quelle für die Studie, sind Daten der norwegischen, dänischen und schwedischen Steuerbehörden. Diese Daten geben einen Einblick in die Haushalte der Länder, und somit auf Vermögen, die die im Austausch für eine Steueramnestie freiwillig offengelegt wurden. Die Autoren der Studie verglichen die Vermögen, welche 2015 durch die undichten Stellen bei der HSBC und durch die Panama Papers aufgedeckt wurden, mit den Regierungsdaten der skandinavischen Länder. Durch diese Methode konnten sie die durchschnittliche Höhe des Vermögens, das die Superreichen angaben, mit dem vergleichen, was in Wirklichkeit auf geheim gehaltenen Konten lag.

So ergab die Studie unter anderem, dass die norwegischen Superreichen ein 30 Prozent höheres Einkommen haben, wenn man das Offshore-Vermögen hinzurechnet. In anderen Ländern ist der Unterschied vermutlich sogar noch größer. Die drei Autoren schreiben:

Da die Wirtschaften in Lateinamerika und viele in Asien sowie Europa über sehr viel mehr Offshore-Vermögen verfügen als Norwegen, liegen die Ergebnisse für Norwegen wahrscheinlich niedriger als für die meisten Länder der Welt.

 Zucman erklärte gegenüber der Los Angeles Times:

Es gibt gute Gründe, davon auszugehen, dass der sehr steile Anstieg [der Steuerhinterziehung] auch für die USA gilt.

Laut den konservativen Berechnungen der amerikanischen Steuerbehörde, in denen legale Steueroasen nicht berücksichtigt werden, gehen den Finanzbehörden jedes Jahr knapp 406 Milliarden Dollar an Steuern verloren. Zum Vergleich: Die Ausgaben für den deutschen Bundeshaushalt waren 2016 mit 316,9 Milliarden veranschlagt. Eine Prüfung der geleakten Daten der HSBC im berühmten CBS-Nachrichtenprogramm „60 Minutes“ zeigte, dass in etwa 4.000 US-Steuerzahler mit einem Vermögen von über 13 Milliarden Dollar Kunden der Schweizer Tochter der HSBC waren.

Deutsche Bank London, Großbritannien, 18. Mai 2017.

Doch die individuelle Steuerhinterziehung, die in der Studie aufgezeigt wird, ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn bei vielen US-amerikanische Multis gehört Steuerhinterziehung quasi zum Geschäftsmodell. Laut Schätzungen verfügen US-Unternehmen über etwa zwei Billionen Dollar in Offshore-Beteiligungen, um der US-amerikanischen Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) ein Schnippchen zu schlagen. Das sind in etwa 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA.

Unter den Großunternehmen, die sich immer raffiniertere Steuerersparnismodelle ausdenken, gehören so illustre Marken wie zum Beispiel Apple. Das teuerste Unternehmen der Welt mit einem Börsenwert von 625 Milliarden US-Dollar (in 2016) hat rund 240 Milliarden Dollar von insgesamt 256 Milliarden Dollar Barreserven in Steueroasen gebunkert. Sollte das Vermögen jemals wieder in die USA zurück überwiesen werden, wären Steuerzahlungen fällig.

Doch auch die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Neben Apple haben auch weitere Multis ihre Barreserven in Übersee „geparkt.“ Darunter unter anderem Microsoft mit 113 Milliarden Dollar, Cisco Systems mit 62 Milliarden Dollar, Oracle mit 52 Milliarden Dollar und Googles Mutterkonzern, Alphabet, mit 49 Milliarden Dollar.

 

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