OPEC verlängert Produktionskürzungen, aber US-Fracking-Förderung steigt weiter

OPEC verlängert Produktionskürzungen, aber US-Fracking-Förderung steigt weiter
Der OPEC-Generalsekretär Mohammad Barkindo, Russlands Energieminister Alexander Novak und Saudi-Arabiens Energieminister Khalid al-Falih treffen in Moskau zusammen; 31. Mai 2017.
Während sich Russland und die OPEC-Staaten bemühen, den Ölpreis zu stabilisieren, weiten die Ölunternehmen in den USA ihre Förderung weiter aus. Es geht es um ein Milliarden-Geschäft: Die OPEC-Nettoerlöse sollen 2017 um über 100 Milliarden US-Dollar steigen.

Das internationale Ölkartell hat den Geltungszeitraum für die im Dezember des Vorjahres vereinbarten Kürzungen der Ölförderung um neun Monate bis März 2018 verlängert. Am Donnerstag erneuerte die Organisation eine Vereinbarung mit zehn weiteren Rohöl-Produzenten, um die Produktion auch bis März 2018 weiter niedrig zu halten. Angeführt wurden die Verhandlungen von den Top-Exporteuren, Saudi-Arabien und Russland.

Beide Länder fördern mehr Rohöl als jedes andere Land. Infolge der Vereinbarung liegt die Produktion um etwa 1,8 Millionen Barrel pro Tag niedriger als zum Ende des Jahres 2016. Damit drücken die Unterzeichner die globale Ölförderung um etwa zwei Prozent. Das Ziel ist es, einen weiteren Preisverfall für das "schwarze Gold" zu verhindern. 

Blumen für die Fracking-Fans. Pumpe der Devon Energy Production Company bei Guthrie, Oklahoma. Archivbild von September 2015.

Trotzdem fielen auch in dieser Woche die Ölpreise um etwa vier Prozent. Laut Wall Street Journal hatten Investoren auf stärkere Einschnitte gehofft. Außerdem weist alles darauf hin, dass die Fracking-Förderung in den USA, dem dritten großen Förderstaat, weiter ansteigen wird.

Was benötigt wird, ist nicht eine zeitliche Verlängerung, was wir brauchen, sind Einschnitte beim Umfang [der Mengen, die von der OPEC produziert werden], um die steigende US-Fracking-Produktion auszugleichen", erklärte Jamie Webster, Senior Manager bei der Boston Consulting Group.

Allerdings erhält die OPEC inzwischen massive Konkurrenz durch die steigende Fracking-Produktion in den USA. "Die ganze Weltlage hat sich inzwischen durch die amerikanische Schiefer-Förderung geändert", argumentiert etwa Kirk Edwards, Präsident von Latigo Petroleum. Dieser Sektor habe sich als widerstandsfähiger erwiesen als viele andere Energiebereiche, seit der Ölpreis im Jahr 2014 zusammengebrochen ist.

Fracking-Unternehmen können billiger fördern als früher

Die Fracking-Firmen haben enorme technologische Verbesserungen erreicht, die es vielen von ihnen ermöglichen, auch bei weniger als 50 Dollar für das Fass Rohöl rentabel zu arbeiten. Außerdem finden sie in den USA weiterhin leichten Zugang zu Kapital und Unterstützung von Private-Equity-Firmen. Am stärksten trifft die Fracking-Revolution den größten Ölförderer in Afrika, Nigeria.

Inzwischen haben die US-Firmen sämtliche Importe aus Nigeria durch inländische Förderung ersetzt. Emmanuel Ibe Kachikwu, der Ölminister im OPEC-Mitglied Nigeria, bezeichnet die so genannte Schiefer-Förderung in den USA denn auch als das größte Problem:

Wir können sie nicht regulieren, wir können sie nicht einschränken.

Der Chef der Internationalen Energie Agentur, Fatih Birol, auf einem Treffen in Rom; Dezember 2015.

Viele große Banken hatten vorausgesagt, dass eine Ausweitung der Kürzungen der OPEC dazu beitragen würde, dass die Ölpreise bis Ende 2017 auf etwa 60 Dollar pro Barrel steigen. Ein solcher Anstieg der Preise würde die Haushalte der Förderstaaten schützen, aber auch den Fracking-Firmen in den USA eine frische Geldspritze bieten.

Seitdem sich der globale Erdölpreis in Richtung der 50-Dollar-Grenze bewegt, steigt die inländische Förderung in den USA wieder extrem schnell an. Bei der so genannten Schiefer-Förderung handelt sich um kostenintensive Verfahren, die extrem umweltschädlich sein sollen. In diesem Jahr wird die US-Förderung voraussichtlich ein Rekordhoch erreichen. Nach Information der US-Energy Information Administration (EIA) liegt die Gesamtförderung aktuell bei nahezu zehn Millionen Barrel am Tag.

Teufelskreis aus höherem Preisniveau und rentablerem Fracking

Die amerikanische Ölproduktion liegt damit gleichauf mit jener Saudi-Arabiens. Das bedeutet, dass die US-Fracking-Produktion, und damit die großen westlichen Ölkonzerne, am stärksten von dem OPEC-Deal profitieren. Diese Konstellation entfaltet jedoch massiven Druck auf Saudi-Arabien und Russland. Beide Länder brauchen dringend höhere Ölpreise. Diese befeuern aber dann auch die US-Fracking-Industrie, die mittelfristig wieder jede Förderkürzung zunichte machen kann.

Der saudische Energieminister Khalid al-Falih betonte zwar, dass die Bemühungen der Förderstaaten funktionieren und es nur mehr Zeit brauchen würde. Er stellte in Abrede, dass die amerikanischen Produzenten langfristig größere Marktanteile übernehmen. Allerdings ist Saudi-Arabien der wichtigste strategische Partner der USA und immer noch ihr wichtigstes Herkunftsland für zusätzliche Ölimporte.

Der Markt ist meiner Meinung nach auf dem Weg der Erholung. Ich sehe nicht, dass die Schiefer-Förderung das gefährdet, was wir tun", so Khalid al-Falih. "Der Markt ist groß genug, um die erhöhte Produktion von Schiefer zu absorbieren."

Novak für intensivere Abstimmung mit den Golfstaaten

Unterdessen bewertete der russische Energieminister Alexander Novak die bisherige Zusammenarbeit positiv. Er schlug eine "neue Ära" vor und regte an, den "Geist des Abkommens auf andere Bereiche" auszuweiten. Es gehe nicht nur um eine Stabilisierung des Ölmarktes, sondern um vieles mehr, so Novak. Zuletzt hatte die Russische Föderation es dem Golfstaat Katar ermöglicht, ein Stück der staatlichen Ölfirma Rosneft zu übernehmen und Öl-Konzessionen im Irak und in Libyen zugekauft.

Bei den nun verlängerten Drosselungen der Förderung geht es um ein Milliarden-Geschäft. Nach Angaben der Energy Information Administration werden die Nettoerlöse der OPEC-Mitglieder aus Ölexporten im Jahr 2017 um über 100 Milliarden US-Dollar steigen, nur dadurch, dass die Produktionskürzungen verlängert wurde.

ForumVostok
MAKS 2017