Israel: Experten warnen vor drohendem Absturz der Wirtschaft und hoher sozialer Ungleichheit

Israel: Experten warnen vor drohendem Absturz der Wirtschaft und hoher sozialer Ungleichheit
Das Taub-Zentrum für Studien zur Sozialpolitik weist in einem Bericht darauf hin, dass das Land die höchste Armutsquote unter den OECD-Staaten aufweist. Das Institut bezeichnet die Entwicklung als „besorgniserregenden Trend“, der katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung haben wird.

Dem Bericht mit dem Titel "Bild von der Nation 2017" zufolge sind die "gegenwärtigen Ressourcen des Wirtschaftswachstums in Israel nicht nachhaltig". Hinzu kommen eine alternde Bevölkerung und damit verbundene steigende Kosten für den Sozialstaat, die berücksichtigt werden müssen.

Israel, bisher ein Vorreiter an Hochtechnologie und Innovation in der Region, rangiert auf Platz 22 von 34 in der Liste der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt. Hinsichtlich der so genannten Markteinkommensarmut, einem Indikator, der die Gleichmäßigkeit bei der Vermögensverteilung miteinbezieht, liegt das Land allerdings auf Platz 24.

Israels größte Sorge: Geringe verfügbare Einkommen

Unter den so genannten entwickelten Staaten weist Israel den höchsten Prozentsatz der Bevölkerung aus, die unterhalb der Armutsgrenze lebt. Vor allem bereitet vielen Beobachtern die Tatsache Sorge, dass Israel unter den bedeutendsten Industriestaaten derjenige ist, in dem das verfügbare Einkommen nach Abzug von Lebenshaltungskosten und Abgaben am geringsten ist, was die Sparquote drückt. In einer tiefgreifenden Krise hätte die Bevölkerung dadurch weniger Reserven als in anderen OECD-Ländern.

Vergangenes Jahr erlebte die israelische Wirtschaft einen Rückgang der Arbeitslosigkeit und einen großen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts", konzediert das Taub-Zentrum für Studien zur Sozialpolitik, aber "leider scheint es so, dass dieser positive Trend nicht anhält und neue Wachstumsquellen gefunden werden müssen."

Das Institut beschreibt das Wirtschaftswachstum Israels von vier Prozent im vergangenen Jahr als "Ausreißer". Dies sei kein Trend gewesen.

Ein anderer Bericht des Schoresch-Instituts für sozioökonomische Forschung, der Anfang März veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass die israelische Wirtschaft tiefsitzende und langfristige Mängel aufweist. Die wirtschaftlichen Problemstellungen drohen die Schlagkraft der Armee zu schwächen, was eine "existenzielle Bedrohung" für die Zukunft des Landes darstelle.

Saudi-Arabien unter König Salman ibn Abd al-Aziz und Israel unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kommen sich näher - die USA begrüßen den Annäherungskurs.

Bezüglich der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes fällt Israel seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend hinter den G7-Durchschnitt zurück. Die Kluft zwischen den G7 und Israel hat sich verdreifacht. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen ist, dass der jüdische Staat auf Grund der Intensität von Bedrohungen durch Terror und feindselige Nachbarn weniger Spielraum für flankierende Maßnahmen in der Haushaltspolitik hat als etwa Kanada oder Großbritannien. Die Gefahr einer Abwanderung von Leistungsträgern bleibt aber akut. 

Das spiegelt die stetig wachsende Ungleichheit wider zwischen dem, was ein in Israel lebender Arbeitnehmer erreichen kann und dem, was diese Person in den Ländern der G7 erreichen könnte, die an Israel vorbeiziehen", heißt es in dem Bericht.

Netanjahu über Medien und Sozialforscher: "Industrie der Verzweiflung"

Professor Dan Ben-David, Gründer und Vorsitzender des Schoresch-Instituts und Mitverfasser des Berichts, warnte, das Land könnte "einer Katastrophe entgegensteuern", sollte der israelische Premierpräsident Benjamin Netanjahu "die Zukunft weiterhin ignorieren".

Netanjahu sagte kürzlich indessen in mehreren Interviews mit israelischen Medien, die Berichte würden nicht reflektieren, was die Öffentlichkeit fühlt.

Wir haben es hier mit einer Industrie der Verzweiflung zu tun. Wo sie die Arbeitslosigkeit sehen, entdecke ich Vollbeschäftigung. Wo sie eine Wirtschaft in Ruinen sehen, entdecke ich eine blühende Ökonomie. Wo sie Staus sehen, sehe ich Kreuzungen, Züge und Brücken. Wo sie einen Zustand nahe dem Zusammenbruch sehen, sehe ich Israel als eine aufstrebende globale Macht", so die Interpretation des israelische Regierungschefs gegenüber seinen Kritikern.

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