Gipfel zur Neuen Seidenstraße: China treibt eurasische Integration voran

Gipfel zur Neuen Seidenstraße: China treibt eurasische Integration voran
Vor vier Jahren gab Chinas Staatschef Xi Jinping die Pläne zum Bau der so genannten Neuen Seidenstraße bekannt. Am Sonntag findet dazu ein wichtiger internationaler Gipfel in Peking statt.
Er gilt als das größte diplomatische Ereignis des Jahres in China: Am Sonntag beginnt in Peking der zweitägige Gipfel zur Neuen Seidenstraße. Zu dem Treffen reisen 28 Staats- und Regierungschefs an. Vertreter aus insgesamt 110 Ländern werden erwartet.

Für Deutschland wird Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries teilnehmen. Der große Teilnehmerkreis unterstreicht die hohe Bedeutung, die dem Gipfel zukommt. Die von Staatspräsident Xi Jinping im Jahr 2013 angekündigte Neue Seidenstraße gilt als das wichtigste wirtschaftliche Projekt Chinas. Es soll zu einer Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation zwischen Asien, Europa und Afrika führen.   

Das weltgrößte chinesische Container-Schiff

Wo einst Seide, Gewürze, Tee, Porzellan, Gold und Silber entlang der antiken Seidenstraße gehandelt wurden, sollen künftig Hochgeschwindigkeitszüge und Frachtwaggons rollen. Öl und Gas sollen durch neue Pipelines fließen, Straßen und Häfen entstehen und Unternehmen sich in neuen Wirtschaftszonen ansiedeln.

An die neue Handelsroute sollen mehr als 60 Länder angeschlossen werden, die insgesamt knapp zwei Drittel der Weltbevölkerung stellen. Nicht umsonst bezeichnet Chinas Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform das Vorhaben als "ehrgeizige ökonomische Vision".

Zu deren Finanzierung hat Peking bbis dato ereits einen Fonds in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Die Gesamtkosten dürften sich zu einem dreistelligen Milliardenbetrag summieren.

Die offiziell als "One Belt, One Road" (OBOR; "Ein Gürtel, eine Straße") bezeichnete Initiative besteht aus zwei unterschiedlichen Großprojekten. Auf dem Landweg soll der sogenannte Silk Road Economic Belt (SREB) China über Zentralasien und Russland mit Westeuropa verbinden.

China treibt die eurasische Integration auf dem Land- und Seeweg voran.

Peking verspricht sich davon nicht nur einen schnelleren Austausch von Gütern, der das regionale und globale Wirtschaftswachstum ankurbeln würde. Auch sollen die wirtschaftlich unterentwickelten Regionen im Westen des Landes davon profitieren. Eines der Vorzeigeprojekte in diesem Rahmen ist der chinesisch-pakistanische Wirtschaftskorridor, der sich von Xinjiang im fernen Westen Chinas bis zur pakistanischen Hafenstadt Gwadar am Arabischen Meer unweit der Ölrouten des Persischen Golfs erstreckt.

Neben dem SREB soll die so genannte 21st-Century Maritime Silk Road den asiatisch-pazifischen Raum mit Afrika und Europa auf dem Seeweg verbinden. Zur Verwirklichung der Neuen Seidenstraße sollen in den kommenden Jahren in großem Umfang neue Straßen und Eisenbahnstrecken, Flug- und Tiefseehäfen sowie Pipelines entstehen.

Zu diesem Zweck investiert China auch verstärkt in die europäische Infrastruktur. Prominente Projekte sind etwa die Übernahme des griechischen Hafens von Piräus und der geplante Bau der Eisenbahn zwischen Belgrad und Budapest. Auch die neuen Güterzugverbindungen von China bis zum großen europäischen Binnenhafen Duisburg, den Xi Jinping 2014 besichtigt hatte, sind Teil des Gesamtprojekts der Volksrepublik.

(rt deutsch/dpa)