Gazprom-Chef sieht weiter wachsende russische Bedeutung auf europäischem Gasmarkt

Gazprom-Chef sieht weiter wachsende russische Bedeutung auf europäischem Gasmarkt
Das Projekt Nord Stream 2 wird Gazproms Position auf dem europäischen Markt trotz wachsender Konkurrenz weiter steigern, so Alexei Miller.
Russland wird voraussichtlich in diesem Jahr noch mehr Gas nach Europa exportieren, kündigt Gazprom-Chef Alexei Miller an. Die neue Pipeline Nord Stream 2 erhöht den Anteil Gazproms am europäischen Markt trotz Konkurrenz aus Katar und den Vereinigten Staaten.

Russland wird voraussichtlich in diesem Jahr noch mehr Gas nach Europa exportieren als im Jahr zuvor. Dabei will die Gazprom ihrem Chef Alexei Miller zufolge sogar das Rekordergebnis aus dem Vorjahr übertreffen. Die neue Pipeline Nord Stream 2 erhöht den Anteil Gazproms am europäischen Markt trotz wachsender Konkurrenz aus Katar und den Vereinigten Staaten.

Heute, im Jahr 2017, schlagen wir unser Rekordergebnis des Jahres 2016 um rund zehn Prozent. So können wir in diesem Jahr einen neuen Rekord aufstellen und Gazproms Anteil am europäischen Markt ist bereit, weiter zu wachsen", sagte Miller in einem Interview mit Reuters.

Im vergangenen Jahr verkaufte Gazprom infolge niedrigerer Preise und kalten Wetters 179 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Europa.

Laut Miller wird der Marktanteil russischen Gases in Europa bis 2035 weiter wachsen, da die Eigenproduktion des Kontinents sinkt. Die EU wird in den nächsten 18 Jahren weitere 100 Milliarden Kubikmeter Gas brauchen, und Gazprom sei bereit, die Menge zu liefern.

Die Abnahme der Gasproduktion in der Nordsee sowie in anderen EU-Ländern wird zu einem sehr wichtigen Faktor [...] angesichts der Tatsache, dass Russlands Marktanteil steigen wird", sagte der russische Geschäftsmann.

Am Montag vereinbarte Gazprom mit seinen Partnern Engie, OMV, Royal Dutch Shell, Uniper und Wintershall, dass diese die Hälfte des Projekts Nord Stream 2 in Höhe von 9,5 Milliarden Euro finanzieren werden. Die neue Pipeline wird die vorhandenen Kapazitäten der ersten Nord-Stream-Pipeline verdoppeln, die das Erdgas unter Umgehung der Ukraine durch die Ostsee nach Deutschland transportiert.

Ein bestehender Vertrag über den Gas-Transit zwischen Russland und der Ukraine läuft im Jahr 2019 aus und wurde bisher nicht verlängert. Laut Miller sollen die Lieferungen durch die Ukraine reduziert, aber nicht vollständig gestoppt werden, nachdem Nord Stream 2 fertig gebaut worden sein wird.

Wir sind bereit für Gespräche [...] für Länder, die an die Ukraine grenzen, können wir aber nur über ein viel kleineres Volumen, ungefähr 15 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, sprechen", sagte Miller.

Die Ukraine ist in der Lage, 120 Milliarden Kubikmeter russischen Gases zu transportieren. Das Transportvolumen sank jedoch jüngst auf 50 bis 80 Milliarden Kubikmeter deutlich, während Gazprom neue Pipelines baut. Die angesprochenen 15 Milliarden Kubikmeter wären ein Bruchteil dessen, was die Ukraine früher transportiert hatte.

Wenn Sie es aus dem Weltraum betrachten, können Sie eine direkte Linie über die Ostsee zwischen den neuen Produktionszentren und Deutschlands Greifswald ziehen. Diese Route ist 2.000 Kilometer kürzer als die, die über die Ukraine verläuft", erklärte er.

Gazproms Anteil am europäischen Gasmarkt ist in den letzten zwei Jahrzehnten um ein Drittel gewachsen. Miller bestreitet jedoch die Behauptung, dass die EU in übermäßiger Weise von russischem Erdgas abhängig sei.

Ich denke nicht, dass es fair ist, von Abhängigkeit zu sprechen. Unsere Abhängigkeit beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn wir in den Bereich der Entwicklung und in den Bau von Pipelines investieren, ist Gazprom auf die zukünftige Nachfrage angewiesen und de facto genauso vom europäischen Markt abhängig wie Europa vom russischen Gas abhängig ist", sagte der Gazprom-Chef.

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