Kerngeschäft Maschinenbau: China entthront deutsche Exporteure auf Russlands Märkten

Kerngeschäft Maschinenbau: China entthront deutsche Exporteure auf Russlands Märkten
Tsingtao statt Kölsch: Während die EU durch ihre Sanktionspolitik den eigenen Unternehmen den Zugang zum russischen Markt versperrt, freuen sich chinesische Exporteure über steigende Marktanteile auf beiden Märkten.
Zum ersten Mal überhaupt übertrafen chinesische Maschinenexporte nach Russland die Ausfuhren aus Deutschland. Das geht aus einer Veröffentlichung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) über das Wirtschaftsjahr 2016 vom 11. April hervor.

Der Verband berichtete, dass China im vergangenen Jahr Maschinen im Wert von 4,9 Milliarden Euro an Russland auslieferte. Im Vergleich dazu erhielten deutsche Firmen aus dem Reich der Mitte Aufträge im Gesamtumfang von lediglich 4,4 Milliarden Euro.

Der neue Trend wurde von Wirtschaftsexperten erwartet, nachdem die EU Wirtschaftssanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise und der Wiedervereinigung mit der Krim eingeführt hatte.

Die zunehmende Orientierung der russischen Kunden nach China belastet viele deutsche Maschinenbauer. Chinesische Lieferanten sind derzeit klar im Vorteil", kommentierte Monika Hollacher, Russland-Expertin des VDMA. "Sie müssen auf keinerlei Sanktionen Rücksicht nehmen und bringen ihre Finanzierung gleich mit."

Über die Herausforderungen, vor denen deutsche Unternehmen in Russland stehen, schreibt der VDMA unter Berufung auf eine in seinem Auftrag durchgeführte Umfrage:

Die Maschinenbauer aus Deutschland kämpfen immer noch mit vielen Hürden. Fast jedes dritte befragte Unternehmen nennt hier die Sanktionen und die daraus entstandenen Folgewirkungen.

Die Arbeiterinnen eines weltweiten Lederware-Produzenten Pittards in der äthiopischen Hauptstadt Addis Ababa, März 2016.

Insgesamt verschiffte China 2016 Maschinen im Wert von 132,2 Milliarden Euro ins Ausland. Das entspricht einem Wachstum von 3,9 Prozent im Vergleich zu 2015.

Der Export in die Europäische Union stieg gleichzeitig um 0,4 Prozent an, informierte der VDMA. Die Zahlen mit Blick auf die Schwellenländer hingegen schwächelten. So schrumpften Chinas Ausfuhren nach Brasilien um 31 Prozent. Exporte nach Saudi-Arabien gingen um 27,4 Prozent zurück.

Peking fokussiert sich auf den russischen Markt. Der jährliche Export nach Russland stieg um 70,3 Prozent, was darauf hinweist, dass vor allem China die Marktlücke nach den Sanktionen des Westens seit 2014 ausfüllt.