Eurasische Wirtschaftsunion: Binnenhandel floriert und macht Handelseinbußen mit Drittstaaten wett

Eurasische Wirtschaftsunion: Binnenhandel floriert und macht Handelseinbußen mit Drittstaaten wett
Über eine positive Entwicklung des Binnenhandels können sich die Wirtschaftsminister der EAWU-Länder freuen. Die zunehmende Dynamik schlägt sich auch auf die Wachstumszahlen in den Mitgliedsstaaten selbst durch.
Im Jahr 2016 hat der wechselseitige Handel in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) stark zugenommen. Dabei verwendeten die Mitgliedstaaten der Organisation für etwa 76 Prozent des Handelsvolumens den russischen Rubel.

Die Experten der Eurasischen Entwicklungsbank haben Anfang der Woche einen Bericht mit dem Titel "Die Dynamik der eurasischen Integration 2017" vorgelegt. In dem Dokument werden Errungenschaften der eurasischen Integration angeführt. Am stärksten springt dabei die deutliche Zunahme des wechselseitigen Binnenhandels zwischen den Mitgliedstaaten der EAWU ins Auge.

So stiegen beispielsweise die Exporte Armeniens nach Russland den angeführten Zahlen zufolge um 90 Prozent und nach Weißrussland um 47 Prozent an. Eine derartige Bilanz zeigt, dass die EAWU-Staaten den Wegfall des Handels mit Drittstaaten auf diese Weise kompensieren können.

Die Autoren des Berichts sprechen davon, dass auch in jedem einzelnen Quartal des Jahres 2016 eine dauerhafte positive Dynamik im Binnenhandel stattgefunden hat. Außerdem soll sich dieser Trend auch in diesem Jahr fortsetzen.

Maschinenbau und Lebensmittelindustrie profitieren

Insgesamt ist den Berechnungen der Eurasischen Wirtschaftskommission zufolge der gesamte Binnenhandel im Vergleich zum Jahr davor um 38 Prozent gestiegen. Die größten Anstiege verzeichneten dabei der Handel mit Maschinen, Fahrzeugen und Transportmitteln (plus 58,2 Prozent) sowie jener mit Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen (plus 41 Prozent).

Der Wachstum des Handels innerhalb der EAWU ist zudem einer der Hauptgründe für den Anstieg des wirtschaftlichen Wachstums in den jeweiligen Mitgliedstaaten. Besonders anschaulich zeigt dies die Entwicklung der jüngeren Mitglieder des Integrationsprojekts. Armenien trat der Vereinigung im Januar 2015 bei. Dmitrij Korschunow, der Leiter des Zentrums zur Erforschung der Integration bei der Eurasischen Entwicklungsbank und Mitautor des Berichts, sagte dazu in einem RT-Interview:

Die hauptsächlichen Exportprodukte Armeniens in die EAWU-Länder sind Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der Anstieg des Exports nach Russland beträgt ungefähr 90 Prozent und nach Weißrussland ungefähr 47 Prozent. Der Anteil der Exporte in die EAWU an den armenischen Gesamtexporten ist von 13 auf 22 Prozent angestiegen.

Innerhalb der EAWU selbst entfallen auf Russland und Weißrussland zusammen fast 90 Prozent aller Binnenexporte, heißt es im Bericht. Zu diesen knapp 90 Prozent am gemeinsamen EAWU-Binnenmarkt steuert Russland 62 Prozent bei und Weißrussland 26,5 Prozent.

Für Weißrussland hat der Markt der EAWU Priorität und spielt eine Schlüsselrolle. Der Anteil des Landes am gesamten BIP der Union liegt zwar nur bei vier Prozent, doch Weißrusslands Exporte machen ein Viertel des Handelsvolumens innerhalb der EAWU aus", unterstreicht Korschunow.

Das Wachstum, das im Januar 2017 im Vergleich zum Januar 2016 zu verzeichnen war, könne ein Zeichen dafür sein, dass der wirtschaftliche Aufschwung in den Mitgliedstaaten der EAWU wieder zunimmt. Insbesondere nimmt die Wachstumsdynamik durch den Beitritt neuer Staaten noch stärker an Fahrt auf.

So ist durch den Beitritt Armeniens beispielweise der Anteil des Binnenhandels aller beteiligten Staaten an deren gesamtem Handelsvolumen von 33,3 auf 38,2 Prozent angestiegen", sagte Marina Glasatowa, eine Dozentin am Lehrstuhl für Handelspolitik der Nationalen Forschungsuniversität der Hohen Schule für Wirtschaft in Moskau.

Die Eurasische Wirtschaftsunion wurde 2014 geschaffen und basiert auf der Zollunion der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft. Zu Beginn hatte die Organisation nur drei Mitglieder: Russland, Kasachstan und Weißrussland. Im Jahr 2015 traten Kirgisien und Armenien bei.

Konnten auf einen gemeinsamen Nenner kommen: Wladimir Putin und Aleksandr Lukaschenko bei ihren Gesprächen in St. Petersburg.

Handelsdifferenzen zwischen Russland und Weißrussland

Russland und Weißrussland haben ihre Differenzen in der Frage um Erdgas- und Erdöllieferungen am 14. April offiziell aus der Welt geschafft. Nach zehntägigem Verhandeln unterzeichneten beide Seiten Dokumente, die den Streit beilegen und einen verbindlichen Fahrplan für die Lösung des Problems in Kraft setzen sollen.

Die Differenzen zwischen den beiden Ländern bezogen sich auf die Lieferung von Erdgas und Erdöl aus Russland nach Weißrussland. Beide Staaten gingen von einem jeweils anderen Lieferpreis aus, was am Ende aus der Sicht Russlands zu einer Verschuldung Weißrusslands geführt hätte, die Moskau aber nicht akzeptieren wollte.

Die nunmehrigen Verträge sehen vor allem eine Preissenkung bei Erdgas und Erdöl für Weißrussland vor. Außerdem heißt es in den Dokumenten, dass beide Staaten die Schaffung eines gemeinsamen eurasischen Energiemarktes auf der Basis der EAWU in Angriff nehmen. Dieser soll bis 2025 stehen.

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