Nord Stream 2-Pipeline: Konsortium stellt sich neu auf

Nord Stream 2-Pipeline:  Konsortium stellt sich neu auf
Polen ist damit gescheitert, sich der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 in den Weg zu stellen. Das bemerkte der Vorsitzende des größten deutschen Erdöl- und Erdgasproduzent Wintershall. Wegen Polen zogen sich westeuropäische Unternehmen aus dem Konsortium zurück.

Inzwischen gehen die deutsche und österreichischen Beteiligten wie Wintershall und OMV jedoch den Weg, das Projekt über Kredite abzusichern. In der Zwischenzeit soll eine Firmenkonstruktion gefunden werden, die rechtlich auch dem deutschen Kartellrecht entspricht. 

Zuerst arbeiten wir und unsere westlichen Partner an der Sicherung der finanziellen Unterstützung für Nord Stream 2. Das Betreiberunternehmen wird das Projekt auf einer Schritt-für-Schritt-Basis umsetzen. Das Unternehmen bestellte die Pipeline-Rohre und ist bereit, die Arbeit aufzunehmen. Alles was die Polen vermochten, ist aus einem europäischen Projekt ein Projekt mit einem einzigen russischen Partner zu machen.

Das berichtet die Nachrichtenagentur Sputnik unter Berufung auf ein Interview des Handelsblattes mit Mario Mehren am Donnerstag.

Über die polnischen Sorgen vor Nord Stream sagte der Wintershall-Chef, dass Warschau unberechtigterweise eine „russische Erpressung“ fürchtet. Nord Stream umgeht über eine Unterwasserverbindung nach Deutschland unter anderem den polnischen Landweg.

Polen und die Ukraine befürchten, dass ihre Transit-Einnahmen sinken könnten. Das sollte uns aber nicht betreffen. Wir haben jetzt die direkteste und wirtschaftlichste Art, Erdgas aus Sibirien an Verbraucher nach Nordwesteuropa zu transportieren. Der Gasverkehr ist keine Investition in das Budget von Drittländer.

Dies betonte Mario Mehren. Polen gilt als größter Gegner des deutsch-russischen Pipelineprojekts Nord Stream 2. Vergangenes Jahr warnte Warschau, dass es die bilaterale Unternehmung blockieren wird. Der vermeintliche Grund ist, dass Europa mit der Umsetzung eines weiteren Energieprojekts mit Russland auf diese Weise noch abhängiger von Moskau würde.

Im Ergebnis führte die Blockade-Haltung Osteuropas und in erster Stelle Polens dazu, dass sich die fünf westeuropäischen Konzerne Engie, OMV, Shell, Uniper und Wintershall nicht an Nord Stream 2 beteiligen. Sie zwangen praktisch Gazprom, das zunächst größere finanzielle Risiken zu übernehmen. Diese Entwicklung gewährt Gazprom faktisch noch mehr Einfluss über das Projekt.

In einem Interview mit Radio Sputnik erläuterte der Energieanalyst Roman Tkachuk von der Investmentgesellschaft Alpari, dass sich die Bundesregierung in Berlin voll hinter Nord Stream 2 stellt. Das Energieprojekt habe gute Chancen, realisiert zu werden.

Die EU-Kommission hat offenbar die wechselseitigen Vorteile realisiert, die es auch vielen EU-Ländern bieten könnte, das geplante Projekt Nord-Stream 2 zeitnah umzusetzen.

Deutschland steht hinter dem Projekt, was bedeutet, dass Nord Stream 2 früher oder später den Betrieb aufnehmen wird. Westeuropa macht die Pipeline unabhängiger von Transit-Routen durch die Ukraine, Polen und anderen Ländern. Deshalb glaube ich, dass osteuropäische Länder versucht sind, das gesamte Unterfangen zu blockieren.

So lautet die Einschätzung von Tkachuk. Der Analyst ist sich sicher, dass Deutschland sein gesamtes politisches Gewicht in der EU nutzen wird, um Nord Stream 2 durchzusetzen. Die Pipeline diene in erster Linie deutschen Interessen.

Nach dem, was einige deutsche Beamte sagen, glaube ich, dass die Ängste einiger Länder höchstwahrscheinlich ignoriert werden,

sagte Roman Tkachuk. Nord Stream 2 soll als Gemeinschaftsunternehmung rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren.