Wirtschaftskrise als Ansporn: Russische Sparer setzen sich bewusster mit Finanzprodukten auseinander

Wirtschaftskrise als Ansporn: Russische Sparer setzen sich bewusster mit Finanzprodukten auseinander
Starinvestor Jim Rogers rechnet mit einem Aufwärtstrend für den Rubel. Bild: © Sputnik/ Maksim Bogodvid
Nicht nur die Politik hat in der Russischen Föderation auf die Herausforderungen durch die Wirtschaftskrise reagiert. Auch die Sparer setzen sich bewusster mit Finanzthemen auseinander. Unterdessen hat ein US-Starinvestor Russlands Marktpotenzial gewürdigt.

Die Wirtschaftskrise, die in der Russischen Föderation seit der Ukrainekrise und dem deutlichen Preisverfall an den Ölmärkten seit dem Jahr 2014 Platz gegriffen hat, stieß nicht nur eine Reihe von Wirtschaftsreformen an. Auch die Bürger selbst informieren sich intensiver über Finanzprodukte und Optionen zur Geldanlage.

Russische Banken stimmen in der Einschätzung überein, dass ihre Kunden mit ihren Ersparnissen wesentlich vorsichtiger umgehen, schreibt die Zeitung Iswestija. Dies mache sich auch in der Anzahl und Dauer der Anrufe bei den Kundenhotlines der großen Banken bemerkbar. Beides bewege sich deutlich nach oben.

Alleine bei der VTB24 gingen im Vorjahr 22 Millionen Anrufe von Kunden ein, was einem Plus von 20 Prozent entspricht. Bei der Rosselchosbank seien es mit 2,6 Millionen um 80 Prozent mehr gewesen, bei der Binbank habe der Anstieg sogar 150 Prozent betragen. Dort musste der Kundenservice 6,5 Millionen Mal zum Hörer greifen.

Der Premierminister der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, ruft die russische Wirtschaft dazu auf, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen.

Gegenüber dem Portal Russia Beyond The Headlines erklärte die Leiterin der Abteilung für Kreditprodukte bei der Citibank, Anna Zwetkowa, dass vor allem Sparprodukte und Konten hoch im Kurs stünden.

Auch Faktoren wie der technologische Fortschritt und das Onlinebanking trägt Experten zufolge zum wachsenden Interesse an Geldanlage und Bankdienstleistungen bei. Allerdings sei das Stadt-Land-Gefälle nach wie vor hoch.

In kleineren Städten sind die Einkommen der Kunden und die Verfügbarkeit von verschiedenen Dienstleistungen relativ niedrig", meint Julia Makarenko, Leiterin für Marktforschung bei der OTP Bank.

Die Menschen in den Großstädten hätten nicht nur auf Grund höherer Einkommen mehr Spar- und Anlageoptionen zur Verfügung. Sie verfügten auch über eine bessere Online-Infrastruktur, die es erleichtere, Wissen über Finanzprodukte zu erwerben.

Aktienmarkt noch deutlich unterbewertet

In Städten unter 100.000 Einwohner sei das Durchschnittseinkommen um knapp ein Drittel geringer als in den Metropolen. Dort ersetzt vielfach die persönliche Beratung am Bankschalter die Konversation über die Kundenhotline. Mikrokredite sind dort eher gefragt als Sparanlagen.

Unterdessen bleibt der russische Aktienmarkt nach Einschätzung von Experten in drastischer Weise unterbewertet, auch wenn der steigende Ölpreis zum Ende des Vorjahres ebenso auf den russischen Märkten noch einmal zu einer veritablen Jahresendrally führte.

Gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung erklärte Starinvestor Jim Rogers Ende des Vormonats, dass der russische Markt über ein nachhaltiges Potenzial verfüge.

Rogers sieht den Pessimismus mit Blick auf das Land schwinden, rechnet mit höheren Renditen von Staatsanleihen und einem stärkeren Rubel.

Bereits Anfang des Jahres hatte Rogers in einem Interview mit dem Magazin Das Investment erklärt, der russische Markt sei unterschätzt und vor allem Agrarrohstoffe böten eine Perspektive. Er riet daher Anlegern:

Kaufen Sie eine Farm in Russland.

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