Saudi-Arabien und US-Fracker weiten die Förderung aus - Ölpreis stürzt kurzfristig ein

Saudi-Arabien und US-Fracker weiten die Förderung aus - Ölpreis stürzt kurzfristig ein
Logos führender amerikanischer und europäischer Öl-Unternehmen
Trotz einer Kürzung der Ölförderung durch die OPEC-Staaten ging der Preis für Rohöl in der vergangenen Woche deutlich zurück. Erstmals zeigen die US-Fracking-Unternehmen und Saudi-Arabien, wie sie zusammen die OPEC-Staaten und Russland in Schach halten können.

Monatelang hat sich der Preis für Öl am Rohstoffmarkt kaum bewegt. In den vergangenen Tagen fiel er plötzlich um beinahe fünf Prozent. Unmittelbar zuvor hatte die Amerikanische Energiebehörde (EIA) bekannt gegeben, dass die US-Lagerbestände bei Rohöl zuletzt wieder stark angestiegen waren, und zwar auf den höchsten Wert seit 1982.

Nach schwierigen und langandauernden Verhandlungen hatten Russland und die OPEC-Staaten ihre Förderung zu Beginn des Jahres gedrosselt, um den Preis nach oben zu treiben. Der Weltmarktpreis zog tatsächlich an und hatte sich über 50 Dollar bewegt.

Fracking Maschinen in Texas, 4. Juni 2015.

Aber lange dauerte die künstliche Knappheit nicht an. Kaum näherte sich der Preis der magischen Grenze, zog die US-Produktion wieder an. Für die tot gesagten Fracker lohnt sich durch den höheren Ölpreis nun in den USA die Förderung von Schieferöl wieder. In den vergangenen Monaten stieg die Zahl der aktiven Bohrlöcher wieder an. Gegenüber Die Welt kommentierte Jan Edelmann von der HSH Nordbank: 

„In ihren aktuellen Projektionen erwartet die US-Energiebehörde, dass die Fördermenge bis Ende 2018 ein Niveau von mehr als zehn Millionen Fass pro Tag erreichen wird.“

Derzeit sind es knapp über neun Millionen Fass. Und noch eine andere Meldung lässt die Mythen am Ölmarkt verblassen: Das wichtige Opec-Land Saudi-Arabien hat seine Fördermenge entgegen der Vereinbarungen zur Produktionskürzung spürbar erhöht. Im Februar weitete das Königreich seine Förderung um mehr als 260.000 Barrel pro Tag aus, wie aus dem aktuellen Monatsbericht der OPEC hervorgeht.

Der CEO des bedeutenden US-amerikanischen Unternehmens Continental Resources, Harold Hemm, ließ in der Vorwoche mit einer interessanten Aussage aufhorchen. Im Rahmen von CERAWeek, der größten Konferenz für Energiefragen, die in der Vorwoche im texanischen Houston getagt hatte, äußerte er über die Ölförderung durch Frackingunternehmen:

Die Förderung in den USA kann wesentlich anwachsen, nur das Wachstum soll langsam erfolgen, sonst machen wir den Markt kaputt.

Damit wies der Milliardär und der Weggefährte Donald Trumps auf die Gefahr hin, die für amerikanische Energieunternehmen von den OPEC-Ländern ausgeht. Diese beäugen mit großer Skepsis das Treiben auf dem amerikanischen Öl- und Gasmarkt. Viele Unternehmen der Frackingbranche gaben bereits bekannt, kurzfristig um 40 bis 70 Prozent mehr in die Förderung investieren zu wollen.  

Wie werden bald Zeugen der zweiten Welle des Wachstum der Vorräte in den USA sein", sagte der Chef des Internationalen Energieagentur (IEA), Fati Birol.

Frisch vereidigt: Rex Tillerson im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump. Am 1. Februar legte der neue Außenminister den Schwur ab, Amerika treu zu dienen. Kein Problem, wenn man davon ausgeht, dass die Interessen von Exxon und den USA identisch sind.

Dieses Wachstum ist zum großen Teil der Fördersperre zu verdanken, die die OPEC-Länder in November provisorisch für ein halbes Jahr verhängt hatten. Das ermöglichte ein Wachstum der Preise der nordamerikanischen Marke WTI auf den Ölmärkten von 43 auf 55 Dollar je Barrel. Erst Preise auf diesem Niveau können Investitionen wieder rentabel machen. Diese wiederum machen die Erschließung neuer Ölvorkommen möglich.

Der ebenso auf der Konferenz anwesende Energieminister Saudi-Arabiens, Halid-al-Falich, wies die Konkurrenz aus Übersee jedoch in die Schranken. Er sagte, die Fracking-Förderer in den USA dürften nicht damit rechnen, dass mit der Preissteigerung für sie "alles leicht und einfach" wird.

Damit deutete er an, dass die Fördersperre am 25. Mai beim nächsten Treffen der OPEC-Länder in Wien wieder aufgehoben werden kann. Das könnte die Preise wieder in den Keller jagen. Ein Vorgeschmack dessen war unmittelbar nach Harold Hemms Äußerung an den Börsen zu spüren, als die Preise wieder leicht sanken. Die Rückkehr zu einem Preisniveau von 40 US-Dollar je Barrel würde dazu führen, dass bereits angekündigte Investitionen wieder abgesagt würden. Dies hätte auch zur Folge, dass die kostspieligen Bohrarbeiten zur Erschließung neuer Vorkommen vermehrt ausbleiben.

Nach Einschätzung des führenden Analytikers des Russischen Fonds für Energiesicherheit (FNEB), Igor Juschkow, kann ein Preisverfall auf 40 Dollar pro Barrel einen Prozess an den Börsen in Gang setzen, der die Preise infolge des Ausverkaufs von Terminkontrakten "aus Enttäuschung" endgültig brechen würde. Dann wären auch Preise von 25 bis 30 Dollar wieder möglich.

Blumen für die Fracking-Fans. Pumpe der Devon Energy Production Company bei Guthrie, Oklahoma. Archivbild von September 2015.

Sollten die Ölpreise in den nächsten zwei bis drei Jahren auf diesem Niveau bleiben, wird die Welt sehen, was ein wahrer Mangel des so genannten Schwarzen Goldes bedeutet.

Jetzt werden die alten Vorkommen langsam erschöpft und man braucht deshalb neue Projekte", so Juschkow.

Der Analyst wies auch darauf hin, dass die Entwicklung der Branche in den USA jetzt mehr denn je von der Preisentwicklung abhängt. Die Steuererleichterungen durch die Regierung Trump werden die Selbstkosten um einige Dollar senken. Da die USA nicht nur fördern, sondern – in stärkerem Maße - Öl auch verarbeiten, gibt es im Land viele Profiteure vom Billigpreis. Denn dann sind die Margen für Raffinerien gut.

Möglicherweise geht es im Moment um die Konfrontation zweier Lager in der amerikanischen Gas- und Ölindustrie", fasst der Experte gegenüber Nachrichtenportal eadaily.com zusammen.

Mit dem neuen Präsidenten treten die ökonomische Interessen der US-amerikanischen Ölindustrie einmal mehr in besonders deutlicher Weise in den Vordergrund. Der Kampf um einen vermeintlich fairen und allen Stakeholdern gerecht werdenden Ölpreis wird weitergehen. Mit einem Nebeneffekt: Der scheinbare Widerspruch zwischen den beiden Lagern in den USA könnte das System der weltweiten Eindämmungen und Balancen weiter stärken.

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