Wirtschaftsinstitut ifo: Freihandelsabkommen mit Russland profitabel für Europäische Union

Wirtschaftsinstitut ifo: Freihandelsabkommen mit Russland profitabel für Europäische Union
Bereits 2010 erklärte der damalige russische Premierminister Wladimir Putin, dass eine Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok Wohlstand, Frieden und Stabilität bringen würde.
Eine europäische Freihandelszone mit Russland und anderen Mitgliedern der Eurasischen Wirtschaftsunion brächte zahlreiche ökonomische Vorteile für alle Beteiligten. Das geht aus einer Analyse des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung vom Montag hervor.

Die Studie sagt aus, dass ein umfassendes Handelsabkommen zwischen Brüssel und der Eurasischen Wirtschaftsunion zu einem Anstieg des realen Pro-Kopf-Einkommens um 0,2 Prozent in der EU führen könnte. Für Russland könnte sich ein Anstieg von bis zu drei Prozent oder im Schnitt 235 Euro ergeben.

"Diese Einkommensgewinne resultieren aus der Tatsache, dass die Wirtschaftsstrukturen auf allen Seiten zueinander sehr komplementär sind", erklärte Gabriel Felbermayr, der Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, auf einer Konferenz. Im gleichen Atemzug betonte der Wirtschaftsforscher, dass eine Partnerschaft dieser Größenordnung nicht möglich sei, solange der ukrainische Konflikt ungelöst bleibt.

Nach ifo-Hochrechnungen würde eine Freihandelszone die russischen Exporte in die Europäische Union befeuern. Russlands Ausfuhren nach Europa könnten um fast 71 Milliarden Euro ansteigen. Auch würde der russische Export in andere Regionen der Welt von dieser Entwicklung profitieren.

Im Jahr 2016 erreichte der Außenabsatz der Russischen Föderation einen Wert von 471,2 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang von 11,2 Prozent im Vergleich zu 2015 entspricht. Auf die Wirtschaftsmärkte der Europäischen Union entfallen 42,8 Prozent der russischen Ausfuhren.

Die Idee einer vereinigten Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon nach Wladiwostok geht auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin 2010 zurück, der damals noch als Premierminister agierte. Er legte seine Vision damals in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung dar.

In Zukunft könnten wir sogar eine Freihandelszone oder weiter fortgeschrittene Formen der ökonomischen Integration ins Auge fassen. Das Ergebnis wäre ein einheitlicher Kontinentalmarkt mit einem Billionen Euro schweren Wirtschaftspotenzial", schrieb Putin.

Außerdem schlug er eine engere Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa in den Bereichen Energie, Industrie und Hochtechnologie vor.

Für Deutschland prognostiziert die jüngste ifo-Studie, dass ein Freihandelsabkommen mit Russland zu einem Exportwachstum von 31 Milliarden Euro beitragen wird. Andere Länder der Europäischen Union profitierten ähnlich stark von einer solchen Vereinbarung.

Eine jüngste Umfrage ergab, dass eine überwältigende Mehrheit der deutschen Unternehmen dieses Jahr auf die Aufhebung von Sanktionen gegen die Russische Föderation vonseiten Brüssels hofft. Im Zuge der Umfrage der Deutsch-Russischen Handelskammer (AHK) befragten deren Mitarbeiter insgesamt 190 deutsche Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 30,7 Milliarden US-Dollar in Russland, die 122.000 Menschen Arbeitsplätze bieten.

Nur 29 Prozent der befragten Unternehmer erwarten, das Sanktionen dieses Jahr erleichtert werden, wohingegen sich das 91 Prozent wünschen", sagte AHK-Vorsitzender Matthias Schepp im Gespräch mit Reportern.

Bei einer Pressekonferenz in Berlin sagte Schepp, die deutsche Wirtschaft wünscht sich, dass "die EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland bei Fortschritten in der Umsetzung der Minsker Abkommen allmählich aufgehoben" werden.

Trotz Sanktionen und Verschlechterungen in den Beziehungen zwischen Russland und der EU will Daimler auf dem russischen Markt Flagge zeigen.

Vergangene Woche sagte der deutsche Botschafter zu Moskau, Rüdiger von Fritsch, dass das Interesse deutscher Unternehmen, in Russland zu investieren, trotz Sanktionen hoch bleibt.

Die Bereitschaft, in Russland zu investieren, bleibt nach wie vor hoch. Im Jahr 2016 hat das Investitionsniveau Zahlen erreicht, die seit langem nicht mehr beobachtet wurden. Die Investitionen am Ende des Vorjahres waren viel größer als noch Jahre zuvor", sagte Fritsch der russischen Zeitung Moskowski Komsomolets.

Seit 2014 haben sich die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union unter dem Eindruck der Ukraine-Krise verschlechtert. In Reaktion auf die russische Wiedervereinigung mit der Krim-Halbinsel erließen die USA und EU zahlreiche Sanktionen gegen Russland. Moskau warnt, dass westliche Sanktionen kontraproduktiv sind und die globale Stabilität untergraben.

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