Forbes: "Russland wird für ausländisches Kapital immer attraktiver"

Forbes: "Russland wird für ausländisches Kapital immer attraktiver"
Internationale Investmentfonds haben den russischen Markt wieder als lohnendes Beteiligungsziel ausgemacht. Die Sanktionen hätten verhindert, dass Russland von der konzeptlosen Geld- und Zinspolitik westlicher Notenbanken in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die politischen und medialen Eliten des Westens kauen immer noch an der Aufgabe, sich mit einem US-Präsidenten Donald Trump zu arrangieren. Über dieser haben sie sogar zunehmend die permanente Konfrontationshaltung zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin vernachlässigt. Stattdessen hat eine andere Gruppe von Akteuren ihr Interesse für Russland entdeckt, nämlich die der Investoren und Anleger.

Tut uns Leid für euch, Hater, Russland hat die Sanktionen überstanden", schreibt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes. "Es hat einen Ölpreis von 35 US-Dollar überstanden. Und es hat zwei Jahre der Rezession überstanden. Man kann über Wladimir Putin sagen, was man will, aber die Verantwortlichen für Russlands Wirtschaftsmanagement haben ihre Hausaufgaben gemacht. Und deshalb ist Russland für BlackRock ein Kauf-Kandidat."

Gerardo Rodriguez, ein Fondsmanager der bekannten Investmentbank, spricht davon, dass sich Russland abseits von geopolitischen Erwägungen "vom wirtschaftlichen Standpunkt aus erstaunlich" entwickelt hat. Deshalb sei BlackRock dazu übergegangen, russische Beteiligungen stärker zu gewichten.

Der Exchange-Traded Fund RSXJ des Unternehmens Market Vectors, der börsennotierte russische Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps) abbildet, hat in den letzten 12 Monaten um 140 Prozent zugelegt und damit erneut den Benchmark-Index MSCI Emerging Markets geschlagen. Er zeichnet vor allem die Kursentwicklung ausgewählter Unternehmen abseits des Rohstoff- und Finanzsektors ab, also jener Bereiche, auf die sich die westliche Sanktionspolitik bezieht.

Während der Wahlsieg Donald Trumps Hoffnungen auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington weckt, können mögliche Erfolge von Anti-Establishment-Kandidaten bei bevorstehenden Wahlen in Europa zusätzlichen Druck auf ein Ende der Sanktionen entfalten. Unterdessen flossen dem Marktbeobachter EPRF Global aus Cambridge, Massachusetts zufolge alleine in den letzten beiden Wochen Millionen neuer US-Dollar in die russische Wirtschaft.

Was die Fundamentaldaten anbelangt, hat Russland schon vor einigen Monaten die Kurve gekriegt", erklärte Rodriguez weiter. "Und wenn man die Veränderungen in bestimmten Bereichen mit einkalkuliert und Trump gewillt ist, mit Putin klarzukommen, dann wirkt das alles stark zu Gunsten Russlands."

Im Dezember war es vor allem die Industrieproduktion, die positiv überrascht hat, wenn auch die Verbrauchernachfrage schwach blieb. Produzierten die Industrie im November 2016 noch 2,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, waren es im Dezember bereits 3,2 Prozent.

Ekaterina Trofimova, Geschäftsführerin der Ratingagentur Analytical Credit Rating Agency (ACRA) im Januar 2016.

Während insgesamt das BIP im letzten Quartal bei null Prozent stagnierte, befindet sich der primäre Sektor bereits im dritten Monat hintereinander im Aufwind.

Da die Rezession insgesamt noch nicht überwunden sei und die Einkommen weiterhin fallen, bleibt der Konsum noch unter seinem Potenzial zurück. Allerdings rechnet die in Moskau ansässige Investmentfirma Renaissance Capital auch hier mit einer Trendwende. Ein steigender Ölpreis werde auch die russischen Börsen im Laufe des Jahres 2017 wieder nach oben befördern. Russland ist mittlerweile noch vor Saudi-Arabien zum weltgrößten Produzenten von Kohlenwasserstoffen aufgestiegen. Renaissance-Analyst Oleg Kouzmin rechnet im Fall einer störungsfreien Entwicklung mit einem BIP-Wachstum von 1,7 Prozent.

Was die Entwicklung der russischen Märkte noch weiter beflügeln dürfte, ist der hohe Zufluss von ausländischen Kapital, der jenen in andere Schwellenländer wie Indien, Brasilien, Mexiko und sogar China überflügelt. EPRF Global spricht von einem Nettozufluss im Umfang von 472 Millionen US-Dollar allein in russische Fonds seit Jahresbeginn, während es im gesamten letzten Jahr 837 Millionen gewesen seien.

Selbst mit dieser Summe – und damit 1,6 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung - war man weltweit jedoch der Börsenstandort mit dem zweithöchsten Zufluss, gemessen an diesem Verhältnis. Nur nach Kolumbien flossen noch mehr an ausländischen Investitionen, was vor allem dadurch bedingt war, dass dort nach fünf Jahrzehnten ein blutiger Bürgerkrieg mit einem Friedensvertrag beendet wurde.

Russland könnte zudem von der Politik der Fed und anderer Zentralbanken in den weltgrößten Ökonomien profitieren. Die expansive Geldpolitik der US-Notenbank stößt an ihre Grenzen, auch Japan wird sein Experiment der Negativzinsen beenden. Die Wirtschaft in den USA wird voraussichtlich von einer veränderten Fiskalpolitik und einem Rückbau der Regulierungen profitieren. Der Welthandel hingegen könnte unter Trumps protektionistischer Politik ins Stocken geraten.

Arbeiter am Bau des ZapSibNeftekhim, dem größten petrochemischen Industriekomplex in Tobolsk.

Die russische Zentralbank könnte hingegen die Zinsen über das Jahr um bis zu 200 Basispunkte senken, alleine bis März wird mit 50 gerechnet. Die Aussichten, die Inflation weiter in den Griff zu bekommen, stünden gut. Der Rubel bleibt stabil und die Kapitalflucht ist gestoppt. Dank der Sanktionen, die russische Schlüsselunternehmen daran gehindert haben, in Europa und den USA zu niedrigen Zinsen Geld zu leihen, würden Zinserhöhungen dort am russischen Markt wenig an Wirkung entfalten.

Wir treffen uns nach wie vor mit Investoren, insbesondere in den USA, die Russland untergewichtet haben und wir glauben, dass Geld auf globaler Ebene weiterhin fehlen wird", erklärt Daniel Salter, der globale Beteiligungschef bei Renaissance in London. Sachwerte blieben in dieser Lage interessant. "In der unsicheren Welt des Brexit, Trumps, der italienischen, französischen und deutschen Wahlen wird sich Russland gut im Umfeld der Emerging Markets behaupten."

Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich der Ölpreis zumindest auf dem gegebenen Level bewegt.