Trotz Abgas-Skandal: Volkswagen löst Toyota als weltgrößter Autoverkäufer ab

Trotz Abgas-Skandal: Volkswagen löst Toyota als weltgrößter Autoverkäufer ab
Autos der Konkurrenz-Unternehmen Toyota und Volkswagen
Der deutsche Autohersteller Volkswagen hat vergangenes Jahr 10,3 Millionen Autos verkauft. Damit ist VW zum weltweit größten Autoproduzenten aufgestiegen und überholte trotz Abgas-Skandal mit einer Wachstumsrate von 3,8 Prozent seinen Rivalen Toyota aus Japan.

Mit 10,17 Millionen Fahrzeugen erzielte die Toyota-Gruppe, zu der auch der Kleinwagenhersteller Daihatsu und der Nutzfahrzeugeanbieter Hino Motors zählen, ein Plus von 0,2 Prozent zum Vorjahr. Dennoch verloren die Japaner nun erstmals die Krone als größter Autobauer an Volkswagen. Der Erzrivale aus Wolfsburg setzte demnach im gleichen Zeitraum 10,31 Millionen Autos ab, was einem Plus von 3,8 Prozent entspricht. Damit erzielte VW das beste Verkaufsergebnis seiner Geschichte. Der US-amerikanische Branchenprimus General Motors (GM) landet mit knapp zehn Millionen verkaufter Autos auf dem dritten Platz.

VW geriet als Erster aufgrund fehlerhafter Angaben über Emissionswerte ins Visier von Ermittlungsbehörden. Die Kampagnengruppe für Verkehr und Umwelt (T&E) fand nun heraus, dass die Schadstoffbelastung anderer Marken zumeist wesentlich höher ist.

Aus den USA gab es derweil keine guten Nachrichten. Demnach ist der Konzern im Begriff, 600.000 Autos in Übersee zurückzurufen. Grund sind verschiedene Mängel bei Fahrzeugen, die zum überwiegenden Teil bei Fahrzeugen der VW-Tochter Audi auftraten. Dabei seien etwa Airbags, Gurtstraffer und Kühlmittelpumpen bei Modellen der VW-Oberklasse-Marke betroffen. Genauere Angaben zu den betroffenen Modellen und dem Start der entsprechenden Rückrufaktion machte der Konzern bisher nicht.

Auch aufgrund der Dieselaffäre, musste Volkswagen auf dem US-Markt im Jahr 2016 große Verluste bei den Verkaufszahlen hinnehmen, da die Wolfsburger keine Dieselmodelle mehr auf dem US-amerikanischen Markt mehr verkaufen dürfen. Ähnlich schlecht lief es für den deutschen Traditionskonzern aufgrund des Dieselskandals auch auf dem heimischen Markt, wobei die Verkaufszahlen mit einem bescheidenen Zuwachs von 0,2 Prozent in etwa auf dem Stand des Vorjahres liegen.

Am größten waren die VW-Verluste in Brasilien. Dort verzeichnete der deutsche Auto-Konzern einen stattlichen Verkaufsrückgang von 33,9 Prozent.

Doch Abgasaffäre, Absatzrückgang und Rückrufaktionen hin oder her: Wieder einmal erweist sich das Reich der Mitte als Zugpferd auch der deutschen Wirtschaft. Verbuchte VW auf dem US-Markt ein Minus von 2,6 Prozent, gelang dem Konzern in der Volksrepublik China ein Plus von 12 Prozent. Dies entspricht 3,6 Millionen verkaufter Autos. Im Gegensatz etwa zu den USA werden in China keine Dieselmodelle vertrieben, wodurch die Abgasaffäre dort auch keine Auswirkungen hatte.

Außerhalb Deutschlands konnte das Wolfsburger Unternehmen europaweit deutlich zulegen. So zog der Fahrzeugverkauf vor allem in den osteuropäischen Staaten deutlich an, wo sich etwa die Konzernmarke Skoda besonderer Beliebtheit erfreut. In Russland gingen die Verkaufszahlen derweil konjunkturbedingt zurück.

Trotz des neuen Status als Branchenprimus - in Euphorie verfallen möchte der deutsche Autobauer, zumindest nach außen, dennoch nicht.

Grund ist zum einen die noch immer nicht gänzlich ausgestandene Abgasaffäre, zum anderen seien die reinen Verkaufszahlen nicht die alles bestimmenden Daten. Ausschlaggebend ist die Rendite und da sind die Japaner den Deutschen noch um einiges voraus. Was die Verkaufszahlen jedoch deutlich machen, ist, dass es VW gelungen ist, das „operative Geschäft unter schwierigen Bedingungen zu stabilisieren“. Entsprechend zurückhaltend bilanziert ein Konzernsprecher das Jahr 2016:

China ist im Laufe des Jahres 2016 zum größten Handelspartner aufgestiegen, die USA fielen auf Platz 3 zurück. Präsident Donald Trump scheint die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen auch nicht als besondere Priorität zu betrachten.

2016 war ein sehr anspruchsvolles Jahr für uns. Wir haben die Auf- und Abarbeitung der Dieselaffäre vorangetrieben und parallel mit der Konzernstrategie 2025 einen fundamentalen Veränderungsprozess begonnen.

Derweil bemühte sich Toyota, den Verlust von Platz 1 der Autobauer keine allzu große Bedeutung beizumessen, wohl aus ähnlichen Erwägungen wie bei den Wolfsburgern. So erklärte das Unternehmen:

Wir bei Toyota sind nicht darauf fokussiert, nach Volumen zu jagen.

Dass trotz eines Rückgangs der Verkaufszahlen in den Vereinigten Staaten der Spitzenplatz durch VW erobert werden konnte, ist derweil auch Synonym einer generellen Verschiebung der globalen Machtzentren für den Exportweltmeister Deutschland. Jüngst veröffentlichte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) neue Zahlen, denen zufolge China die USA als wichtigster Handelspartner Deutschlands abgelöst hat.

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