Russischer Agrarminister in Berlin zu Sanktionen: Haben uns umorientiert, aber Zusammenarbeit bleibt

Russischer Agrarminister in Berlin zu Sanktionen: Haben uns umorientiert, aber Zusammenarbeit bleibt
Die Agrarminister Alexander Tkatschew (rechts) und Christian Schmidt am 22.01.2017 in Berlin.
Fragen der Ernährung sind global und gehören zu strategischen Sicherheitsfragen. Am 22. Januar 2017 tagte in Berlin der G-20 Gipfel der Agrarminister - trotz Sanktionen kam auch der russische Agrarminister Alexander Tkatschew. RT Deutsch sprach mit ihm über die derzeitigen deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen und die anhaltenden Sanktionen.

Minister Alexander Nikolajewitsch Tkatschew ist in Russland mehr als ein herkömmlicher Minister. Seit Anfand der 1990er Jahre begann er als erfolgreicher Agrar-Unternehmer, später wurde er auch Duma-Abgeordneter. Von 2001 bis 2015 war er Gouverneur des landwirtschaftlich bedeutsamen südlichen Gebietes von Krasnodar, das auch die Region Sotschi umschließt. Die Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Spiele in Sotschi in Februar 2014 lagen ebenfalls in seiner Obhut.

Die EU setzte Alexander Tkatschew auf die Sanktionsliste wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei den Ereignissen auf der Krim im Frühjahr 2014. Es waren die aus historischen Gründen bewaffneten Einheiten der Bauern, präziser der Kosaken aus dem benachbarten Kuban im Krasnodarer Gebiet, die der Krim-Volkswehr dabei halfen, binnen weniger Tage die Kontrolle über die Hauptverkehrswege der Halbinsel zu übernehmen.

Tkatschew setzte sich in seiner Zeit als Gouverneur tatkräftig für die Wiedergeburt der patriotisch-konservativen kosakischen Bewegung ein.

Seit März 2015 ist Tkatschew Agrarminister. Als solcher soll Alexander Nikolajewitsch die Geschicke einer Branche regeln, die zurzeit die höchsten Wachstumsrate aufweist. Die Exporteinnahmen der russischen Landwirtschaft überstiegen im Jahr 2015 die Einnahmen der Rüstungsindustrie. Im Jahr 2016 konnte Russland die USA als weltweit größter Getreideproduzent ablösen.

Trotz Sanktionen und deutlich zurückgegangenen Ausfuhren nach Russland investieren die deutschen Unternehmen nach wie vor in mehrere Zweige der russischen Wirtschaft, auch der Landwirtschaft. Russische Hersteller wollen im Gegenzug auch ihren Export nach Deutschland ausbauen.