Nach Trumps Absage: Japan und EU wollen ein eigenes Freihandelsabkommen

Nach Trumps Absage: Japan und EU  wollen ein eigenes Freihandelsabkommen
Tokio und Brüssel befinden sich in abschließenden Gesprächen um ein umfassendes Freihandelsabkommen bis Ende des Jahres. Das teilten japanische Regierungsbeamte mit. Die Enttäuschung über das wahrscheinliche Scheitern von TTP und TTIP bringt die EU und Japan einander näher.

Die ostasiatische Ökonomie ist der zweitgrößte Handelspartner der Europäischen Union nach China. Das Abkommen ist für Brüssel umso wichtiger geworden, nachdem der gewählte Präsident der USA, Donald Trump, darum warb, das geplante Freihandelsabkommen zur Transpazifischen Partnerschaft (TPP) mit über zwölf Volkswirtschaften Ostasiens einzustellen.

Nach dem Atomunfall infolge der Tsunamikatastrophe vom März 2011 in Fukushima entwickeln sich die Folgekosten in einem Ausmaß, das weit über die ursprünglichen Annahmen hinausreicht.

Das Abkommen umfasst die USA, Japan, Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam. Der japanische Premierminister Schinzo Abe bemerkte, dass TPP entscheidend für die Reformierung der japanischen Wirtschaft ist und eine wichtige Säule in Washingtons neuer Asien-Pazifik-Politik darstellt.

„Der Premierminister sagte, dass er noch in diesem Jahr eine Einigung mit der EU erreichen möchte“, sagte ein japanischer Handelsvertreter, der von der Nachrichtenagentur Reuters anonym zitiert wurde.

Tokio verfolgt das Ziel, europäische Zollsenkungen auf japanische Fahrzeuge, Autoteile und elektrische Geräte zu erwirken. Außerdem sollen Handelshindernisse für japanische Unternehmen beseitigt werden, die in der EU aktiv werden wollen.

Der EU-Handelsraum könnte Zölle um bis zu 80 Prozent auf Autoteile aus Japan herunterschrauben, geht aus einem Bericht des japanischen Börsenparketts Nikkei hervor. Tokio könnte hingegen den europäischen Eintrittsprozess zur Bau- und Materialbeschaffung für öffentliche Einrichtungen erleichtern.

Brüssel fordert, dass Japan Zollsätze für landwirtschaftliche Erzeugnisse senkt. Darunter fallen unter anderem Käse- und Milcherzeugnisse, Wein und Schweinefleisch.

Sollten beide Seiten das Abkommen umsetzen, könnte der Handel zwischen Japan und der EU auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar ansteigen. Transaktionen im Dienstleistungssektor könnten auf 40 Milliarden Euro anwachsen.

Die Vereinbarung ist ein Weg für beide Wirtschafträume zu beweisen, dass offene Märkte mit guten Handelsgeschäften noch lukrativ sind, führt die EU-Handelskommissarin Cicilia Malmstrom an.

„Die Kritik von Trump über Freihandelsgeschäfte signalisiert, dass das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) mit der EU eingefroren wird, wenn er sein Amt antritt. Da der Transpazifischen Partnerschaft (TTP) das gleiche Schicksal droht, zeigt die japanische Regierung unter Premierminister Schinzo Abe einen größeren politischen Willen, eine Eingigung mit Europa zu erzielen“, sagte Malmstrom gegenüber dem Economics Wire.

Die Enttäuschung über das wahrscheinliche Scheitern von TTP bringt die EU und Japan einander näher, sagte die EU-Handelskommissarin.

 

 

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