Boeing macht Megadeal mit Iran - Airbus bleibt nach US-Druck außen vor

Boeing macht Megadeal mit Iran - Airbus bleibt nach US-Druck außen vor
US-Flugzeughersteller Boeing und Irans nationale Luftfahrtgesellschaft einigten sich auf den Verkauf von 80 Flugzeugen im Wert von 16,6 Milliarden US-Dollar. Ursprünglich wollte der Iran Maschinen von Airbus erwerben. US-amerikanische Lizenzgeber stellten sich quer.

von Olga Banach

Ein lang ersehntes Ziel der iranischen Regierung, nämlich die veraltete Flugzeugflotte des Landes zu modernisieren, ist nun einen Schritt näher gerückt. Der amerikanische Konzern Boeing und die iranische nationale Luftfahrtgesellschaft einigten sich auf die Bestellung von 80 Maschinen des US-amerikanischen Herstellers. Stimmt der US-Senat zu, werden der neuen iranischen Boeing-Flotte künftig 50 Flugzeuge des Typs 737 MAX8, 15 aus der Reihe 777-300 ERs und 15 Maschinen der Serie 777-9 angehören. Die Flugzeuge sollen innerhalb der kommenden zehn Jahre ausgeliefert werden, die erste Maschine bereits 2018.

Für Boeing bedeutete die Vereinbarung einen historischen Geschäftsabschluss und die Erschließung eines neuen Marktes. Zuletzt verkaufte Boeing 1977 an den Iran. Kritiker Teherans im US-Senat weisen auf die Gefahr hin, dass der Iran auch Passagierflugzeuge zum Waffentransport in Konfliktregionen wie Syrien nutzen könnte. Der neu gewählte amerikanische Präsident Donald Trump wird sich zwischen seinen politischen Interessen, die Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft treten zu lassen, und den wirtschaftlichen Interessen seines Landes entscheiden müssen.

Ursprünglich wollten die Iraner den Großteil der Passagiermaschinen vom europäischen Hersteller Airbus bestellen. Doch die amerikanischen Lizenzgeber ließen dies nicht zu. Theoretisch greifen die Sanktionen nur bei amerikanischen Firmen.

Eine weitere Amtszeit würde den Iran auf dem Weg der Reformen halten - Hassan Rouhani bei einer Rede vor den Vereinten Nationen.

Doch in der Praxis fürchten die deutschen Firmen und Geschäftsleute den langen Arm der Amerikaner. Ein anschaulicher Fall dafür ist der des deutschen Geschäftsmannes Ulrich Wippermann. Er war im Vorstand der Kölner Dienstleistungsfirma "Deutsche Forfait AG", die anderen Firmen bei der Kaufabwicklung ihrer Exporte ins Ausland, unter anderem auch in den Iran, half.

Obwohl es hinsichtlich der erbrachten Dienstleistungen keinerlei rechtlichen Anlässe für Beanstandungen gab, schaffte es Wippermann als vermeintlicher "Terrorunterstützer" auf die amerikanische Terrorliste. Folglich verlor er seinen Job und seine Existenzgrundlage. Die einfachsten Geschäftstätigkeiten wurden ihm von dort an verwehrt. Er durfte kein Apple-Gerät erwerben und Lieferungen wurden ihm nicht zugestellt.

Ähnliches musste der Commerzbank-Angestellte Lars Christiansen erfahren, der für den Zahlungsverkehr von Reedereien zuständig war. Die iranische Schifffahrtsgesellschaft der Islamischen Republik (IRISL) zählte zu seinen Kunden. Christiansen wurde zu einem Verhör in die USA geladen und war sich keiner Schuld bewusst, da er nur auf Anweisungen seines Arbeitsgebers gehandelt hatte. Die Commerzbank geriet unter Druck der Amerikaner und entledigte sich schließlich ihres Angestellten. Christiansen zog vor das Arbeitsgericht und erhielt Recht: Seine Existenz verlor er aufgrund des Druckes von Dritten. Bis heute ist er arbeitslos.

Ob der amtierende Präsident Hassan Rohani unterdessen seinen Reformkurs im Iran aufrechterhalten kann, wird sich bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen 2017 zeigen. Das Ende der Sanktionen war 2015 mit der Unterzeichnung eines Nuklearabkommens, Rohanis Prestigeprojekt, in Sichtweite gekommen, welches den Iran vom Bau einer Atombombe abhalten soll.

Der zukünftige amerikanische Präsident Donald Trump beim Treffen mit Paul Ryan  und Vize-Präsident Mike Pence am Parlament in Washington, 10. November 2016.

Aus Sicht des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu habe das Ende der Sanktionen hingegen den gegenteiligen Effekt und verhelfe dem Iran zu Nuklearwaffen. Netanjahu hofft nun auf eine enge Zusammenarbeit mit Trump gegen das Ende der Sanktionen. Trump hatte seinerseits im Wahlkampf angekündigt, dass er die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen und die Stadt somit als Hauptstadt Israels anerkennen werde.

Die enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel im Bereich der Verteidigung wurde am Montag mit dem Eintreffen von zwei von insgesamt 50 aus den USA georderten F-35 Stealth-Kampfflugzeugen zelebriert, der auch der noch amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter beiwohnte. Die neuen Maschinen sollen die F-16-Kampfflugzeuge aus den 1970er Jahren ersetzen, mit denen die israelische Luftwaffe bis dato operieren muss.

In Israel stieß es dabei vielerorts auf Kritik, dass die nicht weniger als 400.000 US-Dollar teuren Helme der Kampfpiloten der neuen Maschinen mehr kosten würden als die Häuser der meisten Bewohner des Landes. Die neuen Maschinen sollen Israel helfen, die militärische Vormachtstellung im Nahen Osten zu erhalten. Israel ist nun das einzige Land mit Ausnahme der USA, das im Besitz dieses Kampfflugzeuges neuen Typs ist, das es bis auf eine Geschwindigkeit von Mach 1,6 schafft.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung waren von einem Verkauf von 80 Flugzeugen im Wert von "16,6 Billionen US-Dollar" die Rede. Es handelt sich natürlich um Milliarden US-Dollar.