Happy End im Ölpreispoker – So hat Russland die OPEC überlistet

Happy End im Ölpreispoker – So hat Russland die OPEC überlistet
Die Einigung der OPEC-Staaten auf eine Förderbegrenzung Ende November in Wien stabilisiert den Ölpreis. Russland weist ein niedriges Budgetdefizit auf und hat den Haushalt auf Kante genäht. Die Golfmonarchien stehen hingegen vor Problemen.

Die Einigung der OPEC-Mitgliedsstaaten auf eine Begrenzung des Produktionsausstoßes Ende November in Wien wird voraussichtlich zur Beruhigung der Märkte beitragen und dazu führen, dass die Dumpingpreise der vergangenen beiden Jahre vorerst vom Tisch sind. Auch die USA jubeln über die Entwicklung – immerhin eröffnet das höhere Preisniveau beim Öl auch den Frackingunternehmen im eigenen Land wieder die Chance, dauerhaft ins aktive Geschäft zurückzukehren.

Blumen für die Fracking-Fans. Pumpe der Devon Energy Production Company bei Guthrie, Oklahoma. Archivbild von September 2015.

Aber auch die Russische Föderation gehört zu den Profiteuren der Vereinbarung. Davon zeigt sich auch Irina Slav auf dem Portal oilprice.com überzeugt, die sich mit der Strategie Moskaus in den Verhandlungen und mit den Konsequenzen des Ergebnisses befasste. Sie schrieb dort wie folgt:

Russland, ebenso wie der Iran, könnten zu den großen Gewinnern der Vereinbarung gehören, dürfen sich über einen höheren Ausstoß und höhere Preise freuen, die ihnen eine zusätzliche Ausweitung ihres globalen Marktanteils ermöglichen würden.

Natürlich steht das Abkommen unter dem Vorbehalt seiner tatsächlichen Einhaltung. Hier verweist die Analystin einmal mehr auf den früheren saudischen Ölminister Ali al-Naimi und dessen Aussage im Rahmen eines ihm zu Ehren organisierten Medienevents. Mit Blick auf die Art und Weise, wie die OPEC-Staaten mit ihrem einzigen Werkzeug zur Marktbeeinflussung umgehen, erklärte er:

Wir neigen leider dazu, zu schummeln.

Bereits jetzt scheint sich der Ölpreis auf den Weltmärkten infolge der OPEC-Vereinbarung recht stabil auf einem Niveau von mindestens 50 US-Dollar pro Barrel eingependelt zu haben, Brent notierte zuletzt bei 53,74 Dollar, der WTI bei 50,62. Der Vizepräsident von Lukoil, Leonid Fedun, rechnet für 2017 sogar mit einem Anstieg auf 60 Dollar pro Barrel. Andere Marktbeobachter gehen indessen von einer längeren Seitwärtsbewegung beim Ölpreis aus.

Der Chef der VTB-Bank, Andrej Kostin, rechnet auf Grund der Begrenzung der Produktion mit einem steigenden Preisniveau sowie mit einem positiven Effekt für den Rubel, dessen Wert auf Grund der nach wie vor starken Bedeutung des Rohöls innerhalb des russischen Exportmix doch noch stark vom Ölpreis beeinflusst wird.

Die Russische Föderation hat, so Irina Slav, im Zusammenhang mit seiner Zusage, den eigenen Ausstoß um 300.000 Barrel pro Tag (bpd) zu reduzieren, die OPEC "überlistet". Dieser Wert wurde nämlich nicht von der essentiellen Produktion weg gerechnet, sondern vom jüngst produzierten Wert, der bei mehr als 11,2 Millionen bpd lag. Bei diesem handelte es sich jedoch um den bisherigen Höchstwert der postsowjetischen Ära. Dieses hohe Level zu verlassen, hilft der OPEC, die Preise zu stabilisieren, ohne jedoch der Russischen Föderation tatsächliche Probleme zu bereiten. Libyen ist von der Kürzung ebenso wie der Iran sogar ausgenommen. Beiden Ländern ist es sogar erlaubt, ihre Produktion moderat zu erhöhen.

Saudi-Arabien hat sich hingegen dazu verpflichtet, von 10,6 Millionen bpd im November 2016 an gerechnet den Ausstoß um 486.000 zu senken, die Golfmonarchien Katar, Kuwait, VAE und der Irak zusammen sogar um 510.000.

Für Russland ist die Regelung jedoch vorteilhaft, weil das Land Rohöl in einem Ausmaß fördern wird, das es auch erreicht hatte, als die Preise noch niedriger waren – und das den Ölkonzernen im Land damals schon immer noch ermöglicht hatte, Gewinn zu erzielen. Zwar sind die Unternehmen hinsichtlich der Aussicht auf einen stärkeren Rubel nicht erbaut, da dieser auch ihre Kosten steigert – es ist trotzdem nicht sicher, dass der Wert der Währung in einem wirklich drastischen Ausmaß zulegen wird.

Der Haushaltsentwurf der russischen Regierung für 2017 ging von einer Einnahmesituation aus, wie sich diese darstellen würde, wenn der Ölpreis auf 40 US-Dollar verharren würde, erklärt die Ökonomin Natalia Orlowa von der Bankengruppe Alfa. Jeder Dollar über diesem Wert sei mit zusätzlichen zwei Milliarden an Einnahmen für das Budget verbunden.

Das Haushaltsdefizit der Russischen Föderation sollte, wie Premierminister Dmitri Medwedew Anfang des Jahres erklärt hatte, im Jahr 2016 mehr als drei Prozent betragen – unter der Prämisse, dass Öl wieder auf unter 50 US-Dollar fallen und lange genug dort verharren würde. Dazu war es aber nicht gekommen, sodass bereits für dieses Jahr ein Defizit von drei Prozent oder weniger zu verzeichnen sein könnte.

Saudi-Arabien hingegen weist ein Defizit von 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts auf – obwohl das Land ein massives Sparprogramm verabschiedet hat. Auch der Irak weist ein Defizit von einem Fünftel des BIP auf. In Kuwait liegt der Prozentsatz bei 12, bei den VAE bei neun. Diese vier Länder werden hingegen die Hauptlast der OPEC-Vereinbarung tragen.