Demonetisierung – Ein Weg in eine bessere Zukunft? Ein Blick nach Indien und Schweden

Demonetisierung – Ein Weg in eine bessere Zukunft? Ein Blick nach Indien und Schweden
Ein Demonstrant hält ein Banner gegen die vom oppositionellen Nationalkongress kritisierte Abschaffung der 500 und 1000 Rupee-Scheine, Mumbai am 28. November 2016.
Dostojewski sagte einst: „Geld ist geprägte Freiheit“. Vergeben wir uns unsere Freiheit auf dem Weg in die Zukunft ohne Bargeld? Indien hat Teile seiner Banknoten für nichtig erklärt. Im Schweden ist man bereits auf dem Weg zu einem bargeldlosen Staat.

von Olga Banach

Aus und vorbei: Der 500 Euro-Schein wird abgeschafft

Unter dem indischen Premierminister Narendra Modi ging ein Ruck durchs Land als er am 8. November die 500- (circa 7,50 US Dollar) und 1000-Rupie-Scheine als ungültig erklärte, machten diese doch 86% des Bargeldumlaufes auf. Die „Times of India“ veröffentlichte eine Übersicht, der bisherigen Vor- und Nachteile in den verschiedenen Wirtschaftssektoren, die diese Maßnahme mit sich brachte. Während in allen Sektoren Verluste zu verzeichnen sind, sind die absoluten Gewinner die indischen Banken. Sie räumten ein Plus von 6 Trillionen Rupis in Bankeinzahlungen ein. Lange Schlangen bildeten sich an den Banken und Einzahlungsautomaten. Modi gab seiner Bevölkerung eine Frist von 50 Tagen, um die entwerteten Bargeldbestände einzuzahlen. 

Für die indische Regierung war es vor allem ein Schritt gegen die herrschende Korruption im Land und ein Anstoß, Millionen von Indern steuerpflichtig zu machen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Luxusgüterindustrie nun hohe Einbußen verzeichnet. Laut des indischen Finanzministers, Arun Jaitley, halfen die Banknoten im Drogenhandel, auf dem Schwarzmarkt, zur Terrorismusfinanzierung und Bestechung. Während sich in China die Bestechung auf die politischen Eliten konzentriert, sind sie in Indien Teil des Alltags. 2014 hatte Modi versprochen, jedem unter der Armutsgrenze lebenden Inder 2 Millionen Rupees von verstecktem indischen Guthaben in Übersee zurückzugeben.

Insgesamt machen die Bestände der ungültigen Scheine 224 Billionen US Dollar aus. Die Regierung plant neue 2000er und 500er Banknoten zu drucken. Kritiker halten die Maßnahme für eine Geißelung des kleinen Mannes. Die Straßenverkäufer können ihre Waren nicht bezahlen und es soll bereits zu Versorgungsengpässen gekommen sein. In den ländlichen Gebieten ist die Situation besonders schwierig, da sich die nächsten Banken kilometerentfernt befinden. 2017 sind Wahlen in Indien und die politischen Kampagnen von Modis Gegnern finanzieren sich über schwarze Gelder. Diese Kampagnen-Ressourcen sind nun auf indischen Banken. 

Schwedens neue Kronen

Auch Schweden hat neue Banknoten und Münzen herausgegeben. Im Oktober 2015 und ein Jahr später im Oktober 2016. Die neuen 20er, 50er, 200er und 1000er Scheine zeigen Porträts von Astrid Lindgren, Evert Taube, Ingmar Bergman und Dag Hammarskjöld, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen. 

Schweden gehörte zu einem der ersten Länder, die 1660 Papiergeld einführten und nun will es Vorreiter in der digitalen Währung werden. Die Menge an Bargeld, dass sich im Umlauf befindet, ist im Vergleich zu 2009 bereits um 40 Prozent rückläufig. In Bussen, Zügen und Restaurants werden Bargeldzahlungen nicht mehr akzeptiert und viele Banken erlauben keine Bargeldabhebungen und Einzahlungen. Gezahlt wird mit EC-Karten oder mit dem Mobiltelefon mittels einer App genannt „Swish“, welches direkt Geld vom Konto überweist. 

Die schwedische Regierung investiert in die Entwicklung der digitalen Währung der Zukunft, genannt e-Krone, die die schwedische Krone ersetzen soll. Noch in 2016 macht Schwedens informeller Sektor 15 Prozent seiner Marktwirtschaft aus, dieser würde mit der digitalen Währung verschwinden, oder die Menschen würden andere Wege finden müssen. In Indien sind es zum Vergleich 40 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren soll die e-Krone in Kraft treten. 

Menschen ohne Bankkonto werden nicht Teil einer Gesellschaft sein können, die ihre Geschäfte mit Hilfe einer digitalen Währung abwickelt. Es ist noch nicht geklärt, auf welchen Transaktionswegen die e-Krone ermöglicht werden soll. Laut der schwedischen Reichsbank soll es Zahlungswege via App und auch über EC-Karten geben. Die Geschäfte der Zukunft gegen Hackerangriffe sicher zu machen, ist nun oberstes Gebot. Auch gibt es noch keine Klarheit darüber, auf welche Weise die Banken die Guthaben ihrer Kunden physisch einlagern. Die Transparenz der Zahlungswege liefert Unmengen an Informationen über das Kaufverhalten, den Aufenthaltsort, etc. des Einzelnen. Eine Debatte zum Datenschutz wird in Schweden nicht geführt. 

Auch in England und Kanada wird untersucht, welche Auswirkungen die Einführung eine digitalen Währung wie zum Beispiel Bitcoin mit sich bringt. 

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