"Made in Russia" ist im Kommen – Krise macht Russlands Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig

"Made in Russia" ist im Kommen – Krise macht Russlands Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig
Abgesehen von neuen Möglichkeiten, Arbeitsplätze zu schaffen, könnte die Russische Föderation auch zum neuen regionalen Produktionszentrum aufsteigen.
Die Währungskrise und der Rückgang der Reallöhne machen Russland immer attraktiver für ausländische Produzenten, die nach günstigen Arbeitskräften Ausschau halten.

Im Gespräch mit RT Deutsch antwortete der Chefredakteur des Finanznachrichtenportals Ostexperte, Thorsten Gutmann, auf die Frage, wie realistisch "Made in Russia" als internationaler Markenbegriff in nächster Zukunft ist:

Die russische Zentralbank und die Weltbank prognostizieren für 2017 ein Wachstum der russischen Wirtschaft. Doch die wirtschaftliche Entwicklung Russlands kann nur im Zusammenhang mit der weltpolitischen Lage gesehen werden. Ein neuer Weg der USA, das Ende der EU-Sanktionspolitik und ein Öffnen der Grenzen mit Visafreiheit –  sei es auch nur einseitig – würde "Made in Russia" trotz Rezession schnell zur Wirklichkeit werden lassen.

Der Rubel verlor in den vergangenen zwei Jahren im Zuge des globalen Zusammenbruchs der Rohölpreise rund 40 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar. Im vergangenen Jahr rutschte das russische Durchschnittsgehalt in Dollaranteilen unter den ausgezahlten Durchschnittslohn in Brasilien, China und Staaten des ehemaligen Ostblocks wie Tschechien. Das geht aus einer Studie der Moskauer Hochschule für Wirtschaft hervor.

Diese Umstände machen Russland jedoch inzwischen auch zu einem wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Staat. Unternehmen mit Fokus auf industrieintensive Produkte dürften ein wachsendes Interesse am günstigen und gut ausgebildeten Arbeitsmarkt der Föderation entwickeln.

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung hat beispielsweise damit begonnen, in Russland hergestellte Waschmaschinen in über 20 europäische Länder zu exportieren. Die Tochergesellschaft Wrigley des US-Konzerns Mars ist in Sankt Petersburg mit der Produktion von Juicy-Fruit-Kaugummis eingestiegen.

Nicht nur im Handel rücken Russland und China enger zusammen. Auch im Bankwesen wurden Verträge zwischen chinesischen und Russischen Banken abgeschlossen, von denen beide Seiten profitieren sollen.

In den vergangenen zehn Monaten ist die Industrieproduktion um 0,3 Prozent gestiegen. Aus dieser Entwicklung lasse sich eine Trendwende der rückläufigen Produktion in den Fabriken erschließen. Das Moskauer Wirtschaftsministerium rechnet wiederum mit einem jährlichen Wachstum des Industriesektors von 0,4 Prozent. 2015 brach die Produktion um 3,4 Prozent ein.

Das ist eine starke Ansage, dass wir wieder etwas wirklich Konkurrenzfähiges in Russland herstellen können. Russische Lieferanten sind heute vor allem wegen ihrer Währungslage konkurrenzfähig. Ich glaube aber nicht, dass Russlands Konkurrenzfähigkeit nur vorübergehend ist", zitierte das Finanznachrichtenportal Bloomberg Magnus Benon, den Leiter der Einkaufsabteilung von IKEA in Russland.

Die gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklungen könnten Russland erlauben, akute Probleme zu überwinden. Der mit Blick auf die Ölexporte überhöhte Rubel und Lohnerhöhungen überstiegen lange die Produktivitätsgewinne. Heute könne der russische Markt jedoch konkurrieren. Russland hat das Potenzial, binnen kurzer Zeit zum Produktionsdrehkreuz in Eurasien zu werden.

Das Ziel unserer Hersteller in Russland ist es, Allianzen mit ausländischen Unternehmen zu schmieden, Teil der regionalen und globalen Wertschöpfungsketten zu werden, um nicht nur das Wettbewerbspotenzial, sondern auch ihr Exportpotenzial zu erhöhen", sagte Jaroslaw Lossovolik, Chefökonom bei der Eurasischen Entwicklungsbank.

Er geht soweit, dass es nicht unrealistisch sei, dass Russland zur Werkbank einer gesamten Region werden könnte.