Richtungswechsel beim Fracking - Nun geht es doch aufwärts

Richtungswechsel beim Fracking - Nun geht es doch aufwärts
Der Chef der Internationalen Energie Agentur, Fatih Birol, auf einem Treffen in Rom; Dezember 2015.
Der überraschende Verfall der Rohöl-Preise ließ die Energie-Auguren ein Aus für die Fracking-Industrie in Nordamerika erwarten. Angesichts des leichten Preisanstiegs beim Öl könnte diese, so die Internationale Energieagentur, nun eine Renaissance erleben.

Die Förderung von Schieferöl in den USA wird demnächst wieder anziehen. Sobald der Preis für das Barrel Rohöl die 60-Dollar-Grenze erreicht haben wird, können auch die dortigen Förderunternehmen mit der als "Fracking" bekannten Technologie der Gasbohrung wieder mehr Öl und Erdgas aus dem Boden holen. Diese Einschätzung äußerte gestern der Chef der Internationalen Energieagentur in Paris, Fatih Birol.

Ein Transporte für Flüssiggas in Malta. In dem Ort Marsaxlokk kam es zu Protesten, weil der hochgradig feuerempfindliche LNG-Transporter dort dauerhaft liegen soll.

Die Organisation vertritt die Interessen der großen Verbraucherländer in der OECD. Mit ihrem aktuellen Energieausblick richtete die Energieagentur auch eine Warnung an die in der Organisation der Erdölfördernden Länder (OPEC) vertretenen Staaten. Sollte die OPEC ihre aktuelle Preisgrenze überschreiten, so Fatih Birol, könnten die Fracking-Unternehmen innerhalb kürzester Zeit ihre Förderung hochfahren.

Dies würde innerhalb von Monaten dazu führen, dass der Weltmarktpreis erneut gedrückt wird. Dieses Szenario einer "gläsernen Decke" für den Ölpreis wird von amerikanische Strategen bereits seit 2008 diskutiert, als die inländische Produktion in überraschend deutlichem Umfang wieder angezogen hatte.

Die OPEC-Mitglieder treffen sich Ende des Monats traditionell in Wien. Dabei wollen sie erneut ein Output-Limit diskutieren, um das sich auch Russland und andere große Förderstaaten bemühen.

Wenn diese Entscheidung die Preise auf bis zu ​​60 Dollar hochdrücken sollte, werden wir sehen können, wie die Förderung von Schieferöl in den USA deutlich zunimmt", sagte Fatih Birol Reuters am Mittwoch.

Laut Einschätzung der IEA wäre dieses Niveau für viele amerikanische Fracking-Firmen ausreichend, um die Produktion anzufahren. Bis das Angebot den Markt erreicht hat, könnte es allerdings bis zu neun Monate dauern. Dieser Effekt werde dazu führen, dass der Ölpreis in Zukunft stärker pendelt.

Wir treten in eine Zeit der größeren Ölpreisvolatilität ein, und die Unternehmen, Organisationen und Länder sollten sich entsprechend vorbereiten", machte Birol deutlich.

Tatsächlich hat sich die Ölförderung in den USA bereits in den letzten Monaten bei einem Weltmarktpreis um die 40 Dollar stabilisiert. In den "Lower 48 States" wird fast ausschließlich mittels Frackings gefördert. Nach Angaben der Amerikanischen Energieagentur (EIA) fiel die dortige Förderung seit Juli 2015 um eine Million Fässer am Tag. Seitdem fördern die Unternehmen in den USA - ohne Alaska und die Tiefseebohrungen - stabil gut acht Millionen Barrel.

Tote Sonnenblumen vor einem Fracking-Feld in Dickinson, North Dakota im Januar 2016.

Mit ihrem aktuellen Bericht verfolgt die Internationalen Energieagentur weiter die Interessen der großen Verbraucherländer: Dass nämlich die Preise niedrig bleiben, gleichwohl sich alle einig sind, dass Erdöl und Erdgas begrenzte Güter sind. Einerseits räumte Fatih Birol auch ein, dass zurzeit zu viel Öl gefördert wird. Andererseits unkte die IEA am Mittwoch, dass die Investitionen in die fossilen Energien zu gering seien.

Birol warnt nun, es würde zu wenig Geld in die Erschließung neuer Felder fließen, um die Verbrennungsmotoren und die multinationalen Energiekonzerne am Laufen zu halten. Dies würde, so sein Panik-Szenario, in Zukunft zu einer Ölknappheit führen. Die fossile Ära ist demnach noch längst nicht zu Ende. 

Von den weltweiten Investitionen in Energie bis 2040 gehen laut der Prognose 60 Prozent in die fossilen Energien und nur 20 Prozent in die Erneuerbaren. Im Zeitraum von 2000 bis 2015 waren noch 70 Prozent der Energie-Investitionen fossiler Natur. Dass die IEA trotzdem weiter für Investitionen in Öl und Gas wirbt, ist seit langem bekannt.

Bei der Präsentation schob deren Chef allerdings die Veranwortung weit von sich. "Es sind die Regierungen, die entscheiden, wo es hingeht", betonte Birol.