Win-Win-Geschäft: Handel zwischen China und Russland wächst auf 200 Milliarden Dollar

Win-Win-Geschäft: Handel zwischen China und Russland wächst auf 200 Milliarden Dollar
Nicht nur im Handel rücken Russland und China enger zusammen. Auch im Bankwesen wurden Verträge zwischen chinesischen und Russischen Banken abgeschlossen, von denen beide Seiten profitieren sollen.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und China erreicht in diesem Jahr ein Volumen von mehr als 40 Milliarden Dollar. Medwedew traf seinen chinesischen Amtskollegen Li Keqiang in St. Petersburg. RT sprach mit Sergej Gorkow über die Beziehungen zwischen Russland und China.

Moskau und Peking werden zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um das bilaterale Handelsvolumen in den nächsten drei bis sieben Jahren auf 200 Milliarden Dollar zu erhöhen. Dies erklärte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew. Ebenso zieht er eine Regelung zum bevorzugten Handel zwischen beiden Ländern in Erwägung. Diese soll beinhalten, dass Geschäfte vermehrt in den nationalen Währungen beider Staaten abgewickelt werden.

Li Keqiang weilt derzeit zu einem offiziellen Besuch in Russland, um Handels- und Investitionsbeziehungen sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Öl, Gas und Atomkraft zu diskutieren.

Russland und China haben bis dato bereits Kooperationsvereinbarungen in mehreren Bereichen wie Wirtschaft und Investitionen sowie bezüglich der Zusammenarbeit in der Nuklearindustrie getroffen.

Es wird auch ein Joint-Venture-Fonds gegründet, um den Handel, wirtschaftliche Investitionen und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu entwickeln. Das Vorhaben soll bereits im nächsten Jahr die ersten Projektvereinbarungen ermöglichen.

Medwedew zufolge wird auch eine bilaterale Kommission für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem fernöstlichen Teil Russlands und Chinas Nordosten gebildet.

Es wurde beschlossen, eine fünfte Regierungskommission einzurichten, die sich mit der Zusammenarbeit zwischen dem Fernen Osten unseres Landes und dem Nordosten Chinas befassen wird, und die den realen Umfang der Interaktion abbildet", teilte der russische Ministerpräsident mit.

Die Entwicklungen auf dem Energiemarkt und politische Spannungen machen Europa zu einem instabileren Markt für russisches Erdgas. Aus diesem Grund will die Gazprom ihre Geschäftsbeziehungen nach China mit noch höherem Tempo forcieren.

Bei dem Treffen unterzeichneten der russische Gaskonzern Gazprom und die China Development Bank (CDB) auch eine Vereinbarung über mögliche Finanzierungen.

Ebenso trafen der russische Ölriese Rosneft und die chinesische Beijing Gas Group eine Kooperationsvereinbarung zum Verkauf einer 20-prozentigen Beteiligung an Verkhnechonskneftegaz. Das zu 99,94 Prozent von Rosneft kontrollierte Unternehmen erschließt in Ostsibirien ein großes Öl- und Gasfeld.

Es gab auch noch weitere wegweisende Geschäftsabschlusse im Rahmen der Zusammenkunft von St. Petersburg: Zwischen dem führenden russischen Petrochemieunternehmen Sibur, dem chinesischen Silk Road Fund und der chinesischen Entwicklungsbank wurde ein Rahmenabkommen geschlossen. Der Deal beinhaltet den Verkauf von Anteilen an der russischen Gesellschaft.

Die russische Staatsbank VTB schloss ihrerseits auch noch mehrere Geschäfte mit der chinesischen Entwicklungsbank für die Handelsfinanzierung in Yuan mit Blick auf die nächsten drei und fünf Jahre ab.

Win-Win-Geschäft

Das waren noch nicht alle Verträge, die unter Dach und Fach gebracht werden konnten. Auch die Vnesheconombank (VEB) unterzeichnete ein Abkommen mit dem chinesischen Kreditgeber. Das vereinbarte Darlehen über fast eine Milliarde Dollar [sechs Milliarden Yuan] soll in 15 Jahren zurückgezahlt werden. Der Vertrag wurde als "Win-Win"-Geschäft bezeichnet.

RT sprach mit dem VEB-Chef Sergej Gorkow über die Perspektiven, die aus dieser Vertragsbeziehung erwachsen.

Die VEB und Chinas Entwicklungsbank (CDB) weisen eine lange Geschichte der finanziellen Zusammenarbeit auf. Was ist das Besondere an dem Deal und wie kam es, dass er so schnell unterzeichnet wurde? Für Abkommen mit China ist das doch eher untypisch.

Ein Deal über sechs Milliarden Yuan markiert ein neues Kapitel in den Beziehungen mit der CDB. Wir haben nie zuvor über eine so lange Zeit Geld geliehen. Es ist ein 15-Jahres-Darlehen. Und es ist wichtig für die Entwicklung der Bank. Geschäftsbanken verleihen in der Regel kurzzeitige Darlehen zur Umsetzung von recht langfristigen Projekten.

Leider ist kurzzeitiges Geld in dieser Hinsicht schwer zu kapitalisieren. Für uns ist das auf 15 Jahre geliehene Geld deshalb sehr wichtig.

Das Projekt zeigt, dass die Kofinanzierung eine besondere Art der Zusammenarbeit mit der Bank und eine besondere Art der gemeinsamen Beteiligung an Investitionsprojekten schafft. Wir haben der Unterzeichnung des Abkommens erst vor drei Wochen zugestimmt. Das heißt, die Chinesen interessieren sich auch für Partnerschaft und Zusammenarbeit. Ich bin sicher, dass die Vereinbarung die Entwicklung neuer Projekte in der russischen Wirtschaft vorantreiben wird.

Welche Projekte sollen mit dem Darlehen finanziert werden? An welchen Sektoren der russischen Wirtschaft sind die Chinesen interessiert, wenn von Kofinanzierung die Rede ist?

Das Anlageprofil der VEB umfasst derzeit 20 Projekte, für die eine Kofinanzierung infrage kommt. Was wir auswählen, hängt von den Vereinbarungen mit den Chinesen ab. Aber die Projekte können nicht vollständig mit dem Peking-Darlehen finanziert werden. Die Chinesen interessieren sich für Holz, Landwirtschaft, Bergbau und die Nichteisenmetallindustrie.

Sie sind bezüglich der Kooperation der VEB mit der CDB sehr optimistisch. Können Sie sagen, dass dieser Deal nicht nur nicht der letzte mit Chinas Development Bank gewesen sein wird, sondern auch eine Zusammenarbeit mit anderen chinesischen Kreditgebern ansteht?

Jetzt haben wir genügend Projekte, aber wir freuen uns auf neue. Wir sind offen für die Zusammenarbeit mit China und hoffen, dass es nicht das letzte Geschäft war. Wir haben dieses Fenster gerade erst geöffnet. Ich denke, es ist ein guter Anfang.

Insider ausländischer Märkte stellen oft Schwierigkeiten bei der Arbeit mit den Chinesen aufgrund deren geschlossener Wirtschaft oder harter Regulierung fest. Was können Sie dazu sagen?

Es ist wichtig, keine Angst zu haben und zu arbeiten. Dieses Jahr haben wir Vereinbarungen im Wert von 2,5 Milliarden Dollar abgeschlossen. Das ist eine beträchtliche Summe an Investitionen. Die VEB kooperiert seit mehr als zehn Jahren mit der China Development Bank. Die CDB ist ein großer Partner im globalen Kontext mit Vermögenswerten von insgesamt 1,9 Billionen Dollar. Innerhalb dieser Zeit hat der chinesische Kreditgeber der VEB mehr als zehn Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus haben wir im September einen einzigartigen Deal mit zehn chinesischen Handels- und Regionalbanken abgeschlossen, um einen in Rede stehenden Konsortialkredit auf bis zu zehn Milliarden Yuan (1,5 Milliarden Dollar) zu erhöhen. Das hat noch niemand getan.

Der Hauptaspekt für eine erfolgreiche Arbeit mit chinesischen Partnern ist der obligatorische "Win-Win"-Begriff, also dass beide Seiten das Projekt als profitabel sehen können.

Der Yuan ist eine junge Währung im Korb des Weltwährungsfonds und recht stark schwankend. Wie schätzen Sie die Perspektiven seiner Entwicklung im Rahmen der russischen Projekte und in der globalen Wirtschaft im Allgemeinen ein?

Der Yuan mag neu, jung und riskant sein – aber trotzdem entwickelt er sich. Wie jede andere junge Währung hat der Yuan einige einzigartige Eigenschaften. Auf der anderen Seite wächst die chinesische Wirtschaft um mehr als sechs Prozent. Wenn wir sagen, Chinas Wachstum verlangsamt sich, müssen wir erkennen, dass es sich von einer so großen Ausgangsebene verlangsamt, dass es sich dabei mehr um ein Wachstum des Volumens handelt als um eine Verlangsamung insgesamt.

Der Yuan birgt Schwankungsrisiken, aber langfristig betrachtet von der Perspektive der Wirtschaft und der Entwicklung aus denke ich, ist er eine vielversprechende Währung. Er ist viel attraktiver als einige europäische Währungen oder als der kanadische oder australische Dollar, da das Volumen der chinesischen Wirtschaft viel größer ist.

Alle Risiken, die mit chinesischen Währungen verbunden sind, sind akzeptabel, da wir den Swap-Mechanismus einsetzen, der uns die Risiken abschwächen lässt.