Deutlicher Anstieg der Opiumproduktion in Afghanistan

Deutlicher Anstieg der Opiumproduktion in Afghanistan
Einträgliche Arbeit: Ein Opiumbauer in Afghanistan kümmert sich um sein Feld.
Afghanistan boomt – zumindest was die Produktion von Opium betrifft. Der ausufernde Drogenhandel gehört heute auch zu den bevorzugten Einnahmequellen der Taliban, die auch 15 Jahre nach dem Krieg am Hindukusch weiter ein Machtfaktor im Land sind.

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Nach Angaben des Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen, UNODC, hat die Herstellung von Opium in Afghanistan im Jahr 2016 um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Die Fläche für den Anbau von Opium hat sich um zehn Prozent erhöht und beträgt mit 201.000 Hektar den dritthöchsten Stand seit 23 Jahren.

Nur in den Jahren 2013 und 2014 waren die Anbauflächen mit 209.000 Hektar sowie 224.000 Hektar größer. Die Zahlen gehen aus dem aktuellen Afghanistan Opium Survey2016 der UNODC und des Ministeriums gegen Betäubungsmittel der Islamischen Republik Afghanistan, MCN, hervor und werden jährlich erhoben. Der Produktionsanstieg ist auf ein Wiedererstarken der Taliban in mehreren Regionen des Landes zurückzuführen.

Die geschätzte Opiumproduktion soll im Jahr 2016 auf 4.800 Tonnen, den siebthöchsten Wert seit 1994, gestiegen sein. Im Vorjahr waren es noch rund 3.300 Tonnen. Der durchschnittliche Ertrag pro Hektor hat sich um 30 Prozent auf 23,8 Kilogramm pro Hektar gesteigert. Der Höchststand wurde mit über 7.000 Tonnen bei einer Anbaufläche von 193.000 Hektar im Jahr 2007 erreicht.

Wie dem Bericht zu entnehmen ist, ist der Opiumanbau im Norden aufgrund der seit 2015 verschlechterten Sicherheitslage um 324 Prozent auf knapp 8.000 Hektar Anbaufläche und um 286 Prozent auf 279 Tonnen hergestelltes Opium gestiegen. In allen anderen Regionen haben Anbaufläche und Produktion ebenfalls zugenommen. Lediglich im Süden ist die Fläche bei 118.000 Hektar um ein Prozent leicht rückläufig gewesen. Im Süden wird mit 54 Prozent der gesamten afghanischen Produktion am meisten Opium hergestellt.

Für UNODC-Direktor Yury Fedotov belegt der Bericht einen besorgniserregenden Rückschlag im Kampf gegen das „hartnäckige Problem illegaler Drogen und ihrer Auswirkung“. Fedotov drängt auf Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um eine zukunftsfähige Entwicklung für Afghanistan zu erreichen.

Konnten im Jahr 2015 noch 3.760 Hektar Anbaufläche vernichtet werden, so waren es dieses Jahr mit 355 Hektar 91 Prozent weniger. In der Provinz Badghis nahm der Anbau von Opium mit 184 Prozent am stärksten zu. Den größten Rückgang gab es in der Region Farah mit 57 Prozent. Nach Angaben der UNODC gab es in opiumreichen Regionen mit schlechten Sicherheitsbedingungen keinen Rückgang von Anbauflächen.

Widerstand gegen die Operationen der Regierung zur Vernichtung der Opiumfelder kommt von Bauern vor Ort. Im Jahr 2016 wurden dabei acht Menschen, sieben Aufständische und ein Soldat, getötet sowie sieben verletzt. Im Vorjahr verloren fünf Menschen ihr Leben, 18 wurden verletzt.

Der Anbau von Opium zählt zu den bevorzugten Tätigkeitsfeldern der Taliban. Im Oktober 2001 fielen die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan ein, um das damalige Taliban-Regime zu stürzen. Trotz ausländischer Militärpräsenz unter US-Führung gewinnen die Taliban im Land wieder an Einfluss und hindern die Regierung in zahlreichen Gegenden an ihren Plänen zur Opiumvernichtung.

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