Studie: Coca-Cola und Pepsi sponserten jahrelang fast 100 Gesundheitsorganisationen für Imagewandel

Geld für Gesundheitsorganisationen als moderner Ablasshandel? Ganz ohne Eigennutz lief es offenbar nicht ab, als Pepsi und Coca-Cola in fünf Jahren nicht weniger als 96 Gesundheitsorganisationen finanziell unterstützten.
Geld für Gesundheitsorganisationen als moderner Ablasshandel? Ganz ohne Eigennutz lief es offenbar nicht ab, als Pepsi und Coca-Cola in fünf Jahren nicht weniger als 96 Gesundheitsorganisationen finanziell unterstützten.
Die Getränkeriesen Coca-Cola und Pepsi haben in fünf Jahren nicht weniger als 96 gemeinnützige Gesundheitsverbände unterstützt. Zweck war aber weniger Wohltätigkeit oder Gewissensberuhigung, sondern vielmehr über die Bande gespielte Lobbyarbeit.

Forscher an der Boston University (BU) haben ihre Studie über Sponsoring im Gesundheitsbereich vonseiten der beiden Getränkekonzerne jüngst im American Journal of Preventative Medicine (Amerikanisches Journal für Präventivmedizin) veröffentlicht. Sie ergab, dass die Coca-Cola Company und PepsiCo zwischen 2011 und 2015 insgesamt mindestens 96 Gesundheitsorganisationen gefördert haben.

Die Zahl errechnet sich aus 12 bekannten Organisationen, die Geld von beiden Unternehmen angenommen haben, einer, die nur Geld von PepsiCo akzeptierte und 83 anderen, die sich nur von Coca-Cola finanziell unterstützen ließen.

Kleinere Dosen und (umstrittene) Süßstoffe statt Zucker, damit Konsumenten ihre Kalorienaufnahme besser kontrollieren können.

Die Autoren weisen in der Studie jedoch darauf hin, dass die Zahlen verzerrt sein könnten, da Coca-Cola im Gegensatz zu Pepsi eine Liste von begünstigten Organisationen veröffentlicht.

Auch zwei Diabetesorganisationen, die American Diabetes Association und die Juvenile Diabetes Research Foundation, waren auf der Liste: eine Tatsache, die die Autoren als "überraschend hinsichtlich der bewiesenen Verbindung zwischen Diabetes und Limonadenkonsum" beschrieben. Stellen diese Zahlungen eine Art Ablasshandel dar, mit dem die Getränkekonzerne ihr Gewissen beruhigen wollen?

Wahrscheinlicher erscheint den Verfassern der Studie ein sehr eigennütziger Hintergrund. Der Hauptautor, Daniel Aaron, ein Student an der Medizinischen Fakultät der BU, gab in einer Stellungnahme an, dass die Unternehmen "Beziehungen zu Gesundheitsorganisationen dazu verwenden, um positive Assoziationen mit ihren Marken zu entwickeln".

Laut Aaron verfügen die beiden Limo-Riesen über die Fähigkeit, "unter Berufung auf Gegenseitigkeit und aufgrund von finanziellen Abhängigkeiten der nationalen Gesundheitsorganisationen mögliche legislative Opposition zu neutralisieren".

Diese Taktik kann eine solche Organisationen zu "ahnungslosen Partnern" der Marketing-Strategien der Unternehmen machen und so die öffentliche Gesundheit gefährden. Den Autoren zufolge wirkt das Sponsoring sogar dem Ziel der Politik entgegen, den Konsum von Softdrinks zu reduzieren und behindert gesetzgeberische Bemühungen im Kampf gegen Übergewicht.

Die Studie führt das Beispiel der Kinderrechtsorganisation Save the Children an, die sich lange Zeit für die Besteuerung von Limonaden ausgesprochen hatte. Sie hatte ihre Bemühungen jedoch im Jahr 2010 eingestellt, nachdem die Organisation im Jahr 2009 mehr als fünf Millionen Dollar von Coca-Cola erhalten hat.

Die Autoren stellten fest, dass dieses Ergebnis Ähnlichkeiten zu früheren Studien über das Sponsoring gemeinnütziger Zwecke durch Alkohol- und Tabakunternehmen aufweist.

Frühere Studien über das Sponsoring durch Alkohol- und Tabakunternehmen deuten darauf hin, dass Philanthropie ein Marketingwerkzeug ist, das verwendet werden kann, um Gesundheitsorganisationen zum Schweigen zu bringen, die sonst Lobbyarbeit machen und Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit gegen diese Branchen unterstützen könnten", sagte der Co-Autor der Studie, Dr. Michael Siegel, Professor für öffentliche Gesundheitsforschung an der BU.

Gerard Stolk/CC BY-NC 2.0

Die Studie empfiehlt Gesundheitsorganisationen, Sponsoring von Limonadenfirmen abzulehnen und sich alternativer Finanzierungsquellen zu bedienen - angesichts der harten Konkurrenz auf dem Fundraising-Markt möglicherweise leichter gesagt als getan.

Neben dem Aufbau guter Beziehungen mit den richtigen Organisationen fand die Studie heraus, dass Coca-Cola und Pepsi während des gleichen Zeitraums von fünf Jahren, die vonseiten der Autoren untersucht worden waren, gegen 28 Gesetzes- oder Verordnungsentwürfe zur öffentlichen Gesundheit Lobbyarbeit betrieben hatten, die den Verbrauch von Limonaden senken oder die Ernährung verbessern sollten.

In dem untersuchten Zeitraum wendete Coca-Cola insgesamt mehr als sechs Millionen Dollar pro Jahr für Lobbyarbeit auf, während Pepsi mehr als drei Millionen Dollar pro Jahr ausgab. Unter den vorgeschlagenen Regelungen, gegen die die Unternehmen gekämpft hatten, waren etwa solche, die Steuern für Limonaden oder etwa Einschränkungen bezüglich der Werbung vorsahen.

Diese Maßnahmen beweisen, dass die Unternehmen ein "primäres Interesse an der Gewinnmaximierung auf Kosten der öffentlichen Gesundheit" haben, so Aaron und Siegel. Sponsoring sei in diesem Zusammenhang als eher eine Investition als ein gemeinnütziges Engagement.

Die Studie der BU folgte auf eine Studie, die im Januar aufgetaucht war. In einem 14-seitigen Forschungspapier behaupteten dessen Autoren in einer ersten Studie, dass Light-Getränke beim Abnehmen helfen könnten. Sie wurde vom International Life Sciences Institute (ILSI) Europa finanziert. Zu dessen führenden Förderern gehören sowohl Coca-Cola als auch Pepsi.