Nach OPEC-Treffen: Ölförderer einigen sich auf symbolische Fördergrenze und sofort steigt Ölpreis

Russland Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Iran,  Hassan Rouhani, auf einem Treffen der Erdgas fördernden Länder im November 2015.
Russland Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Iran, Hassan Rouhani, auf einem Treffen der Erdgas fördernden Länder im November 2015.
Auf einem Treffen der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) in der algerischen Hauptstadt Algier einigten sich die Staaten angeblich auf eine Beschränkung der Ölförderung. Internationale Analysten zeigen sich skeptisch: Die Beschränkung sei zu klein und ihre Umsetzung unsicher.

Die Russische Föderation und Saudi-Arabien scheinen hinsichtlich der Notwendigkeit einer Stabilisierung des Ölpreises auf den internationalen Rohstoffmärkten zu einem Konsens gefunden zu haben.

Nach mehr als zwei Jahren der niedrigen Ölpreise haben sich die 14 Mitglieder der OPEC scheinbar auf eine relevante Begrenzung ihrer Fördermengen geeinigt. Es wäre die erste derartige Entscheidung seit acht Jahren. Allerdings sitzen zwei der größten Erdölexporteure bisher nicht mit am Tisch: Während Russland ein großes volkswirtschaftliches Interesse an höheren Ölpreisen hat, machten die USA als aktuell weltgrößter Ölförderer bisher keinerlei Anstalten, auf einen höheren Preis hinzuarbeiten.

Auch ein anderes Detail lässt Zweifel aufkommen, ob die informelle Entscheidung der OPEC eine nachhaltige Wirkung auf die Energiemärkte hat. Die OPEC-Förderer wollen ihre Produktion angeblich nur auf 32,5 von bisher 33,24 Millionen Barrel am Tag senken. Diese 750.000 Fässer erreichen nicht einmal symbolisch wichtige eine Million Barrel-Grenze, welche nach Meinung von Ölanalysten einen relevanten Effekt erzielen könnte.

Andererseits beträgt die Förderung in den Nicht-OPEC-Staaten zwei Drittel der Tagesproduktion. Insofern sind durchaus Zweifel angebracht. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die OPEC-Staaten auf ihrer nächsten regulären Sitzung am 30. November entscheiden. Dann sollen die genauen Fördermengen der einzelnen Länder bestimmt werden.

Erst danach können die Nicht-OPEC-Förderer wie die USA und Russland aufgefordert werden, ihre Produktion ebenfalls zu herunterzufahren. Während die russische Regierung in den vergangenen Monaten mehrmals ihr Interesse an einer Beschränkung bekundete, ist ein „Eingriff in den Markt“ aufseiten der USA bisher nicht erkennbar.

Richard Nixon und König Faisal im Rasa-Palast am 15. Juli 1974.

Dem entspricht die Strategie von Saudi-Arabien innerhalb der OPEC-Staaten, jeden Schritt zu einer Begrenzung der Förderung im letzten Augenblick zu sabotieren. Erst im Juni war der Versuch von Russland und anderen großen Förderstaaten gescheitert, mit Saudi-Arabien einen ähnlichen Deal auszuhandeln.

Die OPEC-Staaten ergriffen erneut die Initiative, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin Anfang September erneut erklärte, dass Russland ein Abkommen mit der OPEC unterstützen würde, um die Ölproduktion zu bremsen. Am Rande des G20-Gipfels einigten sich Moskau und Riad im September auf eine schriftliche Erklärung, dass sie den „Ölmarkt stabilisieren“. Nach der Initiative äußerte der russische Energieminister Novak, dass man habe einen „Stopp der Ölproduktion“ für drei oder sechs Monate anvisiert.

Für die engen politischen Alliierten USA und Saudi-Arabien zählen jedoch auch die politischen Gewinne, die sie aus den Schäden ziehen, welche der niedrige Ölpreis den Volkswirtschaften im Iran, Russland, Venezuela und Brasilien bereitet. Zuletzt hatte Saudi-Arabien innerhalb der OPEC darauf bestanden, dass der Iran seine Förderung nicht höher als auf 3,6 Millionen Fässer am Tag ausweiten darf.

Insbesondere das Ansinnen des Iran, nach dem Auslaufen der im Jahr 2011 verhängten Sanktionen wieder auf das alte Förder- und Exportniveau zurück zu gelangen, musste bisher als Vorwand herhalten, dass Saudi-Arabien seine Förderung ebenfalls nicht drosselt. Im Zuge der westlichen Sanktionen büßte der Iran die Hälfte seiner Förderkapazität ein. Die iranischen Anteile am Ölmarkt wurden hauptsächlich von Saudi-Arabien und dem Irak übernommen.

Nach Informationen aus der OPEC scheint es nun so zu sein, dass Saudi-Arabien wesentliche Kürzungen vornehmen muss, während der Iran, wie gefordert, seine Förderung auf über 4 Millionen Barrel erhöhen kann.

Die Ölpreise stiegen seit gestern um rund fünf Prozent. Amerikanisches Rohöl kostet nun rund 46,80 Dollar je Barrel, die Nordseesorte Brent war für 48,30 Dollar je Fass zu haben. Der kurze Höhenflug zog an den amerikanischen Aktienmärkten Energietitel mit nach oben. Bereits seit dem Frühjahr nehmen in den USA die Investitionen in die Ölförderung wieder zu. Davon profitieren vor allem die Unternehmen, welche die umstrittene Fracking-Technologie betreiben.

Tatsächlich wird ein dauerhaft höherer Ölpreis dazu führen, dass die US-Fracker erneut ihre Produktion anwerfen und die Produktion wieder hochgefahren wird. Egal was die OPEC-Länder vereinbaren. Saudi-Arabien und die USA haben als die beiden mit Abstand größten Förderländer den Rohölpreis politisch in der Hand.

Damit hat der Erdölpreis eine „gläserne Decke“ von um die 50 Dollar für den WTI-Preis. Darüber fluten die US-Förderer den Binnenmarkt, die Einfuhren gehen zurück und der Weltmarkt wird erneut mit Ölüberschüssen geflutet. Solange bis der Preis wieder fällt.

Dieser Produktionsdruck entsteht auch daraus, dass die Fracking-Unternehmen auf dem freien Geldmarkt mit Liquidität versorgten. Laut Amerikanische Energieagentur haben sie mindestens 30 Milliarden Dollar an Hochzinsanleihen ausstehen. Zusammen mit klassischen Bankkrediten summieren sich die von den Banken und Versicherern gehaltenen Risiken auf erhebliche Summen.

So haben sich die meisten kleineren und mittleren Energieunternehmen bei Banken und Versicherern über Rohstoff-Derivate gegen sinkende Rohstoffpreise abgesichert. Damit sind die vor den Folgen starker Preiseinbrüche geschützt. Den außerbörslichen Derivate-Bestand in diesem Bereich bezifferte ein Experte gegenüber der FAZ auf Grundlage von Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf rund zwei Billionen Dollar.