Neue Forschungen relativieren "Dieselgate"-Skandal: VW stellt "sauberste" Autos in Europa her

VW geriet als Erster aufgrund fehlerhafter Angaben über Emissionswerte ins Visier von Ermittlungsbehörden. Die Kampagnengruppe für Verkehr und Umwelt (T&E) fand nun heraus, dass die Schadstoffbelastung anderer Marken zumeist wesentlich höher ist.
VW geriet als Erster aufgrund fehlerhafter Angaben über Emissionswerte ins Visier von Ermittlungsbehörden. Die Kampagnengruppe für Verkehr und Umwelt (T&E) fand nun heraus, dass die Schadstoffbelastung anderer Marken zumeist wesentlich höher ist.
Jüngste T&E-Forschungsergebnisse haben ergeben, dass alle großen Diesel-Autohersteller in Europa ernste Probleme bezüglich der Luft-Schadstoffgrenzwerte haben. VW soll sogar zu jenen Unternehmen gehören, die die "saubersten" Autos herstellen.

Laut dem Bericht der Kampagnengruppe für Verkehr und Umwelt (T&E), der unter dem Eindruck des unter dem Namen "Dieselgate" bekannt gewordenen Volkswagen-Skandals veröffentlicht wurde, fahren auf Europas Straßen rund 29 Millionen "Schmutz verursachende" Autos. Diese Zahl wachse kontinuierlich, heißt es. Der Report kategorisiert Automobile dann als "schmutzig", wenn ihre Emissionen von Stickoxiden die gesetzlichen Grenzwerte um mindestens das Dreifache übersteigen.

Ein Jahr, nachdem die USA den Emissionsbetrug bei Volkswagen entlarvt haben, ist klar, dass alle Automobilhersteller umweltbelastende Dieselfahrzeuge produzieren, die nicht mit den Vorgaben europäischer Regierungen konform gehen. Nur ein Rückruf aller schädlichen Dieselautos kann unsere Luft reinigen und die Glaubwürdigkeit in das europäische Rechtssystem wiederherstellen", sagte der Direkter von T&E, Greg Archer.

Die Forscher analysierten die Emissionstestdaten von rund 230 Diesel-Automobilen. Es ging aus ihrem Bericht hervor, dass etwa Fiat- und Suzuki-Modelle im Schnitt 15 Mal mehr an Emissionen ausstoßen als der gesetzliche Grenzwert für Stickoxide erlaubt. Fahrzeuge der Renault-Nissan-Allianz überschreiten den Grenzwert um das Vierzehnfache. Die Ausstoßwerte der General-Motors-Automarken, Opel und Vauxhall, liegen zehn Mal höher als der zulässige Wert.

Der Bericht offenbarte, dass im Rahmen der neuen europäischen Euro-6-Abgasnorm der deutsche Hersteller Volkswagen offenbar mitunter sogar die saubersten Dieselfahrzeuge verkaufe - was im krassen Kontrast zu Berichten im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in den USA steht. T&A betont, dass das bessere Abschneiden von Volkswagen nichts mit dem "Dieselgate"-Emissionsskandal zu tun habe. Vielmehr stehen die Ergebnisse im Zusammenhang mit Technologieentscheidungen, die bereits vor dem Skandal getroffen wurden, der Wolfsburg erschütterte.

Logo von Volkswagen an der VW-Fabrik in Wolfsburg.

Volkswagen ist definitiv nicht der Autohersteller mit den höchsten Stickstoffoxid-Emissionen in Europa. Das Versagen anderer Hersteller ist aber eine Schande für das europäische Regulierungssystem", bemerkte Greg Archer.

Die Euro-6-Abgasnorm legt die Obergrenze für Stickstoffoxid-Emissionen auf 0,08 Gramm pro Kilometer fest. Das entspricht einer maßgeblichen Reduktion des bisherigen Standards von Euro-5, also 0,18 Gramm pro Kilometer.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur ist die Verschmutzung durch Stickstoffoxide von Dieselmotoren eine ernste Gefahr für die Gesundheit. Sie soll allein im Jahr 2015 für 72.000 Todesfälle in Europa verantwortlich gewesen sein.

Im Rahmen der neuen Emissionsvorschriften der EU, die ab September 2017 in Kraft treten werden, wird der Verkauf von Autos untersagt, die im realen Fahrverhalten doppelt so viel an Schadstoffen emittieren wie bei ihren Zulassungstests.