Global Justice Now: "Weltweit agierende Großkonzerne sind reicher und mächtiger als Staaten"

Die Vermögen vieler der größten global operierenden Unternehmen übersteigen mittlerweile die Etats großer Staaten. Aus Sicht der NGO "Global Justice Now" Grund genug, auch jene Macht zu kontrollieren, die mit deren wirtschaftlicher Stärke einhergeht.
Die Vermögen vieler der größten global operierenden Unternehmen übersteigen mittlerweile die Etats großer Staaten. Aus Sicht der NGO "Global Justice Now" Grund genug, auch jene Macht zu kontrollieren, die mit deren wirtschaftlicher Stärke einhergeht.
Das Vermögen der zehn größten Unternehmen der Welt, darunter Apple, Shell und Walmart, ist zusammen größer als jenes von 180 souveränen Staaten. Laut Global Justice Now sind 69 der 100 reichsten Wirtschaftssubjekte Unternehmen und nicht Staaten.

Global Justice Now veröffentlichte jüngst eine Liste, die aufzeigt, wie weltweit operierende Unternehmen ihre Vermögen vergrößern konnten. Einige davon sind sogar reicher als ganze Länder. So besitzen allein die Unternehmen Wal-Mart, Apple und Shell zusammen mehr Vermögen als Länder wie Russland, Belgien oder Schweden. 

Von den 100 stärksten Wirtschaftssubjekten der Welt sind heute 69 der Privatwirtschaft zuzurechnen. Noch im letzten Jahr waren es "nur" 63 Unternehmen gewesen, die sich unter den Top 100 der reichsten wirtschaftlichen Einheiten platzieren konnten. Erweitert man die Betrachtung auf die Top 200, dann ist die Diskrepanz sogar noch gravierender. Hier sind 153 der Wirtschaftssubjekte mit den größten Vermögen private Unternehmen. 

Zu den sechs führenden Wirtschaftseinheiten gehören auf staatlicher Ebene die USA, China, Deutschland, Japan, Frankreich und das Vereinigte Königreich, gefolgt von Italien, Brasilien und Kanada.

Das enorme Reichtum und die Macht der Konzerne sind das Herz so vieler Probleme dieser Welt - wie zum Beispiel Ungleichheit und Klimawandel", sagte Nick Dearden, Direktor des Global Justice Now. "Der Antrieb, kurzfristige Gewinne zu machen, scheint heutzutage wichtiger zu sein als die grundlegenden Menschenrechte für Millionen von Menschen auf dem Planeten. Diese Zahlen zeigen, dass das Problem immer schlimmer wird."

Die in London ansässige Vereinigung veröffentlichte die Zahlen im Bemühen, den Druck auf die britische Regierung zu erhöhen, bevor deren Arbeitsgruppe sich mit den Vereinten Nationen trifft.

Ecuador hatte die Initiative zu einem Treffen ergriffen, dessen Ziel es sein soll, einen verbindlichen Vertrag auszuarbeiten, der es gewährleisten soll, dass sich die "transnationalen Unternehmen an ihre Verantwortung hinsichtlich der Menschenrechte halten".

Dass "Menschenrechte" ihrer Konzeption nach klassische Abwehrrechte gegenüber staatlichen Hoheitsträgern darstellen, aber nicht gegenüber großen Wirtschaftsunternehmen greifen, da diese keine staatlichen Zwangsbefugnisse aufweisen, ist aus Sicht der Aktivisten ein Zustand, der abgeändert werden sollte. Nicht zuletzt, da sich nach Meinung der NGO staatliche Stellen vielfach selbst in den Dienst multinationaler Unternehmen stellen: 

Die britische Regierung hat diesen Machtanstieg der Unternehmen erleichtert - durch Steuerstrukturen, Handelsabkommen und auch Hilfsprogramme, die den großen Unternehmen helfen", sagte Dearden. "Die uneingeschränkte Unterstützung der Regierung für das US-EU-Handelsabkommen TTIP ist das jüngste Beispiel für ihre Unterstützung. Schändlich ist auch, wie sie routinemäßig gegen die Forderung der Entwicklungsländer eintritt, Unternehmen für die Folgen ihres die Menschenrechte verletzenden Gebarens vor der UN zur Rechenschaft zu ziehen."