Blackout im Ruhrpott: Stromproduzent Steag baut bis zu 1.000 Stellen ab

Die "Energiewende", ein politisch gegängelter Energiemarkt und niedrige Strompreise setzen deutsche Stromproduzenten immer stärker unter Druck. Dies resultiert, wie jetzt bei Steag, in einem Verlust von Arbeitsplätzen.
Die "Energiewende", ein politisch gegängelter Energiemarkt und niedrige Strompreise setzen deutsche Stromproduzenten immer stärker unter Druck. Dies resultiert, wie jetzt bei Steag, in einem Verlust von Arbeitsplätzen.
Der Stromproduzent Steag ist in eine tiefe Krise gerutscht. Als Reaktion werden nun Kraftwerke vom Netz genommen und Stellen abgebaut. In Deutschland betrift das 800 bis 1.000 Arbeitsplätze. Die "Energiewende" ist daran nicht unbeteiligt.

Steinkohle-Riese Steag betreibt in Deutschland acht Standorte mit zwölf Kraftwerksblöcken: fünf davon im Ruhrgebiet, drei im Saarland. 

Etwa die Hälfte dieser Blöcke werden wir wohl vom Netz nehmen", sagte der Geschäftsführer der Steag GmbH, Joachim Rumstadt, im Interview mit dem Handelsblatt.

Zahlreiche Verbände sehen in TTIP und CETA ein Trojanisches Pferd für Umwelt- und Verbraucherschutz.

Ursprünglich sollten die Anlagen altersbedingt langsam bis 2025 auslaufen. Wie es aussieht, werden die Anlagen jedoch schon zeitnah abgeschaltet. So bald wie möglich könnten, so heißt es aus dem Unternehmen, an den für die Schließung vorgesehenen Standorten die Lichter ausgehen.

Momentan wird geprüft, welche Kraftwerksstandorte stillgelegt oder in einen Auslaufbetrieb gebracht werden müssen. Anders als geplant soll es keine neuen Investitionen geben. Für die Belegschaft bedeutet das in jedem Fall einen Abbau von Stellen. 

Leider kommen wir auch um einen Abbau von Stellen nicht herum. In Deutschland werden wohl 800 bis 1.000 Stellen wegfallen", so Rumstadt.

Das betrifft bundesweit jeden Vierten der 3.500 Beschäftigten. Nach Angaben des Handelsblattes gibt es bisher noch keine Beschlüsse. Die Vertreter der Mitarbeiter und die Eigentümer seien aber schon eingebunden. 

Kohle- und Gaskraftwerke leiden unter der von Kritikern als ideologischer Schnellschuss betrachteten "Energiewende" und den stark gesunkenen Strompreisen. Nicht nur der Stromproduzent Steag spürt das, auch Eon und RWE stecken in einer Krise. Wind- und Solaranlagen verdrängen auf dem politisch gegängelten und stark regulierten Markt Kohle- und Gaskraftwerke. Parallel dazu sank der Strompreis von mehr als 50 auf 25 Euro. 

Es wird länger dauern, bis sich der Markt wieder erholt. Aktuell zeichnet sich erst für nach 2020 eine Besserung ab."

Nicht nur die Mitarbeiter des Unternehmens müssen sich um ihre Zukunft sorgen. Die Stadtwerke aus Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken hatten das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr (KSBG) gebildet und stiegen im Jahr 2010 bei dem Unternehmen ein. Sie wollten so von den Energieriesen Eon und RWE unabhängiger werden. Doch war das Projekt von Beginn an in den finanzschwachen Kommunen sehr stark umstritten. Inzwischen ist das KSBG Eigentümer der Steag. Die Stadtwerke müssen sie sich nun aber auf eine geringere Ausschüttung einstellen - so es denn überhaupt zu Ausschüttungen kommen sollte.

Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir in den nächsten Jahren keine Ausschüttung der Steag erhalten", sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke und Steag-Aufsichtsratschef. 

Doch gehen die Kommunen davon aus, dass sich ihre Investition langfristig wieder lohnen wird. Pehlke erwartet ab dem Jahr 2020 wieder Dividenden.