DIHK: Exporteinbruch der deutschen Wirtschaft um 40 Prozent wegen Russland-Sanktionen

DIHK-Chef Schweitzer (r.) sieht infolge der Sanktionspolitik deutschen Unternehmen den russischen Markt wegbrechen. Dennoch will er sich dem "Primat der Politik" beugen.
DIHK-Chef Schweitzer (r.) sieht infolge der Sanktionspolitik deutschen Unternehmen den russischen Markt wegbrechen. Dennoch will er sich dem "Primat der Politik" beugen.
Die Deutsche Industrie-und Handelskammer (DIHK) konstatiert für den Zeitraum von 2013 bis 2015 einen Einbruch der Russland-Exporte um 40 Prozent. Dennoch zeigt der Präsident der DIHK, Eric Schweitzer, Verständnis für die Sanktionen. Einen Abbruch der TTIP-Verhandlungen hält er hingegen für falsch.

In einem Interview äußerte sich Eric Schweitzer gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zu Russland, zum G20-Gipfel, zu TTIP, zur Türkei und zur Integration. 

Für die Sorgen der Unternehmen, denen infolge der Sanktionspolitik zunehmend der russische Markt wegbricht, habe er Verständnis. Konsequenzen will er jedoch keine ziehen.

"So verständlich die Sorgen der betroffenen Unternehmen sind – die Exporte nach Russland sind von 2013 bis 2015 um 40 Prozent zurückgegangen –, aber bei Krieg und Frieden gilt das Primat der Politik." 

Schweitzer betonte aber auch, dass es wichtig sei, mit Russland im Gespräch zu bleiben. 

Vom G20-Gipfel erwartet er keine konkreten Ergebnisse. Aus seiner Sicht müssen der Abbau von Protektionismus und Handelshemmnissen sowie mehr und bessere Bildung zentrale Punkte des Treffens sein. Nur so könne man Wachstum sichern. 

Vor diesem Hintergrund warnte Schweizer davor, die Verhandlungen über das TTIP-Freihandelsabkommen der EU mit den USA abzubrechen. 

Die USA sind für Deutschland der wichtigste Exportpartner, also unser größter Kunde. Je mehr wir verkaufen, desto besser geht es den Menschen in unserem Land." 

Zuletzt hatten führende deutsche Politiker geäußert, dass sie nicht mit einem Zustandekommen von TTIP rechnen. Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte das geplante Abkommen jüngst sogar für "gescheitert" erklärt.

Zu den Beziehungen mit der Türkei äußerte Schweitzer sich verhalten. Auch wenn das Land eine Demokratie sei und rechtsstaatlichen Maßstäben unterliege, müssten Fehlentwicklungen angesprochen werden. Hier sieht er die Politik der Bundeskanzlerin Angela Merkel "auf dem richtigen Weg".

Auf die Kritik, deutsche Unternehmer würden trotz gegenteiliger Ankündigungen zu wenige Flüchtlinge einstellen, mahnte Schweizer zu Geduld und zu Realismus. 

Spracherwerb, Berufsvorbereitung, Qualifizierung – es braucht im Durchschnitt allein zwei Jahre, bis ein Flüchtling eine Ausbildung beginnt. Fünf bis zehn Jahre vergehen also in der Regel, bis ein Flüchtling in den Arbeitsmarkt integriert ist."

Schweizer unterstrich nochmal, dass die DIHK jährlich 20 Millionen Euro in die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt investiere.