Russischer Google-Konkurrent Yandex baut an selbstfahrendem Auto

Der Kleinbus ist auf der Moskauer Automesse vorgestellt worden.
Der Kleinbus ist auf der Moskauer Automesse vorgestellt worden.
Der niederländisch-russische Suchmaschinenbetreiber Yandex baut an einem selbstfahrenden Kleinbus. Einen Prototyp des Fahrzeugs stellten die Kooperationspartner kürzlich bei dem Moskauer Autosalon vor. Yandex will mit der Entwicklung offenbar seinem größten Rivalen Google Konkurrenz machen.

Bei dem Shuttle handelt es sich um einen Minibus mit zwölf Plätzen, angetrieben von einem Elektromotor. Yandex arbeitet bei dem Projekt mit dem Automobil-Institut NAMI und dem russischen Autohersteller KAMAZ zusammen, an dem auch Daimler Anteile hält. Yandex hat die Software für die Navigation und die Umgebungserfassung geliefert.

Der NAMI-Ingenieur Dmitri Shishkov sagt:

"Der fahrerlose Bus ist dafür geschaffen, den öffentlichen Nahverkehr schrittweise zu ersetzen, und in mancher Hinsicht auch Taxis und Pkws. Bisher fährt der öffentliche Verkehr auf festgelegten Routen. Unseren Bus kann man rufen mittels einer App auf dem Smartphone."

In der App sollen sich auch die Zahl der Reisenden und das Ziel angeben lassen. Das Fahrzeug holt die Fahrgäste dann von ihrem Standort ab und sammelt unterwegs weitere Personen mit einer ähnlichen Route ein.

Das Yandex-Fahrzeug fährt 25 Kilometer pro Stunde und hat eine Reichweite von 200 Kilometern. Es soll dem Hersteller KAMAZ zufolge ab dem Jahr 2018 zunächst in Messezentren, Museen und Flughäfen zum Einsatz kommen.

Weitere technische Details über den angeblich autonomen Bus sind bisher noch nicht bekannt. Entwickler autonomer Fahrzeuge kämpfen mit einer Vielzahl von Problemen. Bisher werden Hindernisse auf der Strecke nicht immer zuverlässig erkannt. Unklar ist auch, wie sich die Maschinen in moralischen Dilemma-Situationen entscheiden sollen, wenn sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lässt. Sollen sie die Insassen schützen oder unbeteiligte Passanten?

Die Google-Dachfirma Alphabet testet bereits seit Jahren selbstfahrende Autos. Die insgesamt 20 Prototypen fahren im Testbetrieb bereits auf öffentlichen Straßen in Kalifornien. Insgesamt legten die Fahrzeuge mehr als 2,4 Millionen Kilometer zurück. Sie haben eine Höchstgeschwindigkeit von derzeit 40 Kilometern pro Stunde. 

Am 29. Februar 2016 wurde bekannt, dass ein Google-Auto bereits zwei Wochen zuvor einen Unfall verursacht hatte. Im kalifornischen Mountain View kollidierte das Fahrzeug, während es sich im autonomen Modus befand, seitlich mit einem Bus. Es gab keine Verletzten.

Yandex ist insbesondere in Russland der größte Konkurrent der Suchmaschine Google. Laut seiner Homepage hat Yandex in Russland einen Anteil von fast 59 Prozent am Suchmaschinen-Traffic und liegt damit eindeutig vor Google (33 Prozent). Die Firma hat auch in Berlin ein Büro. Hierzulande bewegt sich der Marktanteil des Angebots allerdings im kaum messbaren Bereich, unterhalb eines Promilles. Google dominiert das Geschäft in Deutschland mit knapp 95 Prozent de facto als Monopolist.