Saudi-Arabien: Dumpingpreispolitik auf dem Ölmarkt frisst eigene Währungsreserven auf

Saudi-Arabien: Dumpingpreispolitik auf dem Ölmarkt frisst eigene Währungsreserven auf
Riads Währungsreserven sind auf ein Volumen von 555 Milliarden US-Dollar gefallen. Allein im Juli büßte das Land sechs Milliarden US-Dollar ein. Geringe Einnahmen aus dem Ölgeschäft brauchen die Ersparnisse Saudi-Arabiens zunehmend auf.

Symbolbild

Auch die ausländischen Beteiligungen Saudi-Arabiens sind im Vorjahresvergleich um 16 Prozent eingebrochen und auf dem niedrigsten Stand seit 2012. Im August 2014 hatten die Bestände Riads im Ausland ihren absoluten Höhepunkt erreicht. Dieser lag bei 737 Milliarden US-Dollar.

Die Vermögenswerte setzen sich nach Einschätzung von Experten mehrheitlich aus US-Dollar-Reserven, Wertpapieren, US-Staatsanleihen und Einlagen bei diversen Großbanken zusammen. Die Einlagen sanken im Juli um acht Milliarden US-Dollar auf 125 Milliarden. Beteiligungen an ausländischen Wertpapieren wuchsen um zwei Milliarden US-Dollar auf 371 Milliarden US-Dollar an. Der Anteil saudischer Wertpapier-Beteiligungen legte damit erstmals seit zehn Monaten wieder zu.

In einem Versuch, die globalen Marktmechanismen auszuhebeln und die derzeit noch kostenintensive US-Konkurrenz der Frackingindustrie in die Schranken zu weisen, hatte Riad den weltweiten Markt mit Erdöl überschwemmt und führte Dumpingpreise ein. Seit Sommer 2014 fiel der internationale Preis für das Fass Erdöl rapide von 114 auf gegenwärtig weniger als 50 US-Dollar.

Im vergangenen Jahr erreichte das saudische Haushaltdefizit ein historisches Hoch von 98 Milliarden US-Dollar. Dieses Jahr hofft Riad, dass der Wert auf 87 Milliarden US-Dollar abflaut. Um einen Teil des Defizits aufzufangen, leiht sich die Monarchie Geld im In- und Ausland.

Trotz der schwächelnden Verfassung der finanziellen Rücklagen Saudi-Arabiens scheint das Land seinen Erdöl-Output, den es als politisches Mittel nutzt, nicht revidieren zu wollen. Im Juli schöpfte die Monarchie den Rekordwert von 10,67 Millionen Barrel Erdöl pro Tag aus seinen Quellen.

Unterdessen erwarten Finanzbeobachter, dass Saudi-Arabien im Oktober seine ersten eigenen internationalen Staatsanleihen ausgibt. Riad möchte auf diesem Weg mindestens zehn Milliarden US-Dollar in die Kassen spülen. Die Finanzhäuser Citigroup, HSBC und JPMorgan Chase wurden eigens als Koordinatoren für den Gang an die Finanzmärkte an Bord geholt, berichtete das Finanznachrichtenportal Bloomberg.