"Rekordernte und keiner kauft unsere Äpfel" - Polens Bauern wegen Russland-Sanktionen unter Druck

"Rekordernte und keiner kauft unsere Äpfel"  - Polens Bauern wegen Russland-Sanktionen unter Druck
„Die Situation auf dem polnischen Apfelmarkt ist eher schwierig. Polens Bauern wurden vom russischen Embargo am stärksten getroffen“, sagte Anna Staszewska, eine Export-Spezialistin bei EUROSAD, in einem Interview mit Financial Times.

Polen produziert mehr als 30 Prozent aller europäischen Äpfel. Das Land erwartet in diesem Sommer eine Ernte von 3,5 Millionen Tonnen. Aber die Rekordernte schadet dem Preis, der bei einem Zloty (0,23 Euro) für ein Kilogramm Tafeläpfel und 0,05 Euro für ein Kilogramm Industrieäpfel kursiert. Das entspricht, wie aus einer Hochrechnung der Financial Times hervorgeht, einem Einbruch von 20 Prozent seit 2011.

„Auf der einen Seite ist die höhere Ernte ein Erfolg. Aber zur gleichen Zeit stellt sie eine große Herausforderung für polnische Bauern dar. Profite kann man auf diesem Markt gegenwärtig nicht machen“, bemerkte der Analyst für Lebensmittel- und Agrarwirtschaft beim Bankhaus Zochodni WBK, Grzegorz Rykaczewski.

„Wir sind über die Situation besorgt. Wenn das so weitergeht, die Zahl der Äpfel steigt und der Preis fällt, dann, glaube ich, gehen Bauernhöfe bankrott“, so der Besitzer des Unternehmens Fresh Fruit Services, Marcin Hermanowicz.

Die EU verhängte über Russland im Jahr 2014 Wirtschaftssanktionen, nachdem Moskau die Krim, die in einer Volksabstimmung den Beitritt zur Russischen Föderation beschlossen hatte, in seinen Staatsverband aufnahm. Dem westlichen Narrativ zufolge habe dies eine „Annexion“ dargestellt. Außerdem warf man der Russischen Föderation vor, sich in den militärischen Konflikt in der Ost-Ukraine einzumischen. Der Kreml reagierte mit der Verhängung eines Lebensmittelembargos gegen Staaten, die sich der EU-Maßnahme anschlossen.

Nachdem Russland sein Embargo verhängt hatte, startete die polnische Regierung eine Kampagne, in der sie darum warb, Äpfel „gegen Putin“ zu essen. Dies sollte zur Erhöhung des inländischen Konsums führen und den heimischen Sektor stützen.