US-Fracking-Industrie: Die Großen übernehmen

Abgeerntete Sonnenblumen über einem Fracking-Feld in Dickinson, North Dakota im Januar 2016.
Abgeerntete Sonnenblumen über einem Fracking-Feld in Dickinson, North Dakota im Januar 2016.
Seit dem Preissturz bei Erdöl müssen die amerikanischen Fracking-Unternehmen sich in einem schwierigeren Umfeld behaupten. In der Boom-Phase bestimmten mittlere Unternehmen das Feld. Nun übernehmen die finanzstarken Multis. Derweil hält sich die Förderung auf hohem Niveau und auch die Investitionen nehmen wieder zu.

In dem Jahrzehnt der ständig steigenden Preise für Rohöl, von 2004 bis 2014, entstand in den USA eine neue Industrie. Mithilfe des Horizontal Drilling konnten Energieunternehmen Felder ausbeuten, die bis dahin nicht rentabel zu erschließen waren.

Zwar führte der Preissturz nicht dazu, dass die Ölförderung in den USA in relevantem Umfang zurückging. Die kleinen und mittleren Unternehmen, welche als Pioniere die neue Industrie aufgebaut hatten, gerieten jedoch vielfach in Zahlungsschwierigkeiten. 

In den USA stammen 13 Prozent des riskanten Hochzinsmarktes von Ölförderern. Die Ratingagentur Standard & Poor’s schätzt, dass die Ausfallrate innerhalb der nächsten Monate weiter steigt, wobei vor allem Anleihen aus der Energiebranche zahlungsunfähig werden. In diesem Jahr lag die Ausfallrate der Energiefirmen bereits bei hohen 15,8 Prozent – und damit sieben Mal so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Bekannte Öl- beziehungsweise Gasförderer, die ihre Anleihen nicht bedienen konnten sind die Frackinn-Pioniere Chesapeake und Sandridge.

Diese Probleme auf der betrieblichen Ebene tangieren die amerikanische Volkswirtschaft jedoch bisher nicht. Im August wird die US-Förderung im Inland, also ohne Offshore-Bohrungen und Importe aus Alaska, bei 8,5 Millionen Barrel am Tag liegen. Das bedeutet zwar einen Rückgang um eine Million Barrel gegenüber dem historischen Spitzenwert im Sommer 2014. Aber langfristig hat sich die amerikanische Ölförderung, verglichen mit der Zeit vor dem Fracking, gut verdoppelt. Im September 2008 lag sie laut EIA bei 4,2 Millionen Fässern täglich.

Nachdem viele Fracker in den letzten zwei Jahren deutlich sparen mussten, stabilisieren sich gegenwärtig die Investitionen in die extrem umweltschädliche neue Technologie. Der Preis für West-Texas-Öl hat sich in den vergangenen Monaten bei etwa 45 Dollar eingependelt. Ab diesem Niveau beginnen die Investitionen, und damit die Zahl der möglichen Bohrungen, wieder zu steigen. Trotzdem schlagen die neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten auf betrieblicher Ebene deutlich durch. 

Wie das Wall Street Journal berichtet, steigen nun die großen Erdölmultis von BP bis Exxon stärker in das Fracking-Geschäft ein. Zum einen setzen sie auf ihre Skale-Vorteile und ihre bessere Kapitalausstattung. Zum anderen geht etwa BP davon aus, dass sich die Technologie weiter optimieren lässt, so dass die Kosten für das umstrittene Förderverfahren weiter sinken.

So experimentieren BP in Texas Panhandle gegenwärtig mit einem neuen Verfahren, bei dem zukünftig drei, statt wie bisher nur eine horizontale Bohrung vorgenommen werden kann. Die großen Ölmultis bewegen sich damit von den Multi-Milliarden-Dollar-Projekten weg. BP, Exxon und andere übernehmen stattdessen die kleinen und mittleren Firmen der Fracking-Industrie, um die Produktion stärker rentabel zu machen.

Langsam zeichnet sich die „zweite Welle der Fracking-Revolution“ ab: Weg von vielen Bohrungen, hin zu finanziell nachhaltigeren Projekten. Bisher handelte es sich bei dem größten Teil der Bohrungen um so genannte Erschließungsbohrungen, mit denen erst das Potential des Untergrundes getestet wurde. Mit neuen Sondierungsverfahren soll auch dieses Verhältnis besser werden. 

Bisher hatten ausgerechnet die großen Ölgesellschaften eine schlechte Bilanz beim Fracking. Ihre Bohrlöcher förderten nicht annähernd so viel wie die von führenden Unternehmen der Branche. In den Jahren 2014 und 2015 waren die Bohrlöcher von BP, Shell PLC, Exxon und Chevron um ein Drittel weniger produktiv als der Durchschnitt bei den Top-10-Frackern.

Seitdem hat sich die Ausbeute jedoch jedes Jahr verbessert. Laut Wall Street Journal geht etwa BP davon aus, dass alleine das britische Unternehmen in den USA wirtschaftlich bis zu 7,5 Milliarden Barrel fördern kann. Demnach würde man noch in den kommenden 30 Jahren genug Bohrstellen haben.

Zudem setzen die Multis darauf, dass die technologischen Fortschritte ihnen nicht nur in den USA Vorteile verschaffen sondern auf der ganzen Welt. Bisher gab etwa BP bei seinen Prognosen an, dass man das größte Wachstum mit konventionellen Verfahren in Ländern wie Aserbaidschan, Oman und Ägypten erzielt. Bisher macht das amerikanische Fracking-Geschäft nur 13 Prozent  der BP-Produktion aus.

Aber nach Meinung von Bernard Looney, BP-Chef für Exploration und Produktion, hat Fracking das Potential „eine Quelle des Wachstums zu werden“. Laut BP habe man in den wichtigsten amerikanischen Fördergebieten, in Oklahoma und Texas, die Kosten um fast zwei Drittel gesenkt. Inzwischen fördern die Bohrlöcher der Multis mehr pro Bohrung als die Pioniere der Branche. Exxon, Chevron, Statoil, ConocoPhillips und Occidental haben sich laut NavPort unter die Top-20-Fracker vorgearbeitet.