"Turkish Stream" - EU macht sich Sorgen über türkisch-russische Verhandlungen

"Turkish Stream" - EU macht sich Sorgen über türkisch-russische Verhandlungen
Moskaus und Ankaras Gespräche über die mögliche Wiederbelebung des Gaspipelineprojekts „Turkish Stream“ haben die EU beunruhigt. Brüssel befürchtet, dass dadurch die Ukraine als Haupttransitland für russisches Gas abgelöst wird. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf diplomatische Quellen.

In Brüssel glaubt man, die neue Pipeline würde Russlands Position stärken. Die europäischen Diplomaten sind der Meinung, die Ukraine werde nach dem Start von „Turkish Stream“ ihren Status als Haupttransitland für russisches Gas in Europa verlieren, die EU-Abhängigkeit von „Gazprom“ werde demnach steigen, und alternative Gaslieferungen aus dem Kaspischen Raum würden gestoppt.

„Die neue Freundschaft zwischen der Türkei und Russland kann ein Problem werden, wenn Russland versucht, die Ukraine gegen die Türkei auszutauschen,“ kommentierte ein hochrangiger EU-Diplomat.

Seinen Worten zufolge sei Ankara an billigem Gas aus Russland interessiert und könne problematische Forderungen an die EU stellen.

Die EU werde das bevorstehende Treffen des russischen Präsidenten und seines türkischen Amtskollegen, bei dem sie sich über das Geschäft abstimmen können, aufmerksam verfolgen, so Reuters.

Beim Projekt „Turkish Stream“ soll die Pipeline von Russland aus in die Türkei auf dem Boden des Schwarzen Meeres und dann auf türkischem Boden bis zur griechischen Grenze verlegt werden. Das Gas-Pipelineprojekt wurde nach dem Abschuss des russischen Kampfjets Su-24 aufs Eis gelegt. Nachdem sich die türkische Seite offiziell für den Vorfall entschuldigt hatte, wurden die Verhandlungen über den Bau „Turkish Stream“ wieder aufgenommen.

 „Die Türkei ist daran interessiert, Gas direkt zu beziehen – ohne Umweg durch andere Transitländer. Dafür ist ein Strang allein für die türkischen Verbraucher vorgesehen. Seine Durchlassfähigkeit macht 15,7 Milliarden Kubikmeter aus. Wir verhandeln also derzeit über den Bau von zwei Strängen. Der zweite ist für die europäischen Verbraucher, für die Verbraucher aus Südwesteuropa bestimmt. Er kann auch auf dem Boden des Schwarzen Meeres und durch die Türkei verlegt werden,“ wird der russische Energieminister Alexander Nowak von RIA Novosti zitiert.

Nach einem Interfax-Bericht habe die russische Seite alles für die praktische Umsetzung des Gaspipelineprojekts vorbereitet. In der Russischen Föderation ist die Infrastruktur für die Lieferungen in die Schwarzmeer-Gasleitung bereit, die Rohre für den Offshore-Teil sind gekauft und die dafür notwendigen Verträge sind abgeschlossen worden.

Nach den Worten von Alexander Medwedew, dem Vorstands-Vizechef des russischen Konzerns Gazprom, werden die weiteren Geschäftstermine nach dem 9. August vereinbart. An diesem Tag sollen die Gespräche zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan stattfinden.