Russland verteidigt Rang als weltweit größter Weizenproduzent

Russland verteidigt Rang als weltweit größter Weizenproduzent
Bereits zum zweiten Mal in Folge nimmt Russland den Spitzenplatz auf der Liste der weltgrößten Weizenproduzenten ein. Das Land wird im laufenden Jahr voraussichtlich 22,5 Millionen Tonnen Getreide exportieren. Das geht aus einem Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums hervor.

Russland schloss jüngst ein Abkommen über die Ausfuhr von 120.000 Tonnen Weizen nach Ägypten ab. Im Herbst wird das Land außerdem beginnen, Weizen an China auszuliefern, informierte die US-amerikanische Institution.

Die führende Position Russlands in diesem Marktsegment ist auf Moskaus Niedrigpreisstrategie zurückzuführen. Diese führte dazu, dass Russland seinen Marktanteil ausbauen konnte.

Der schwache Währungskurs, gute Witterungsbedingungen und mehr Investitionen stärkten den russischen Agrarsektor. Dieser Umstand führte dazu, dass russische Produzenten die USA als weltweit größten Exporteur für Getreide ablösten.

Die Weizenernte beginnt regional betrachtet regelmäßig am Schwarzen Meer, einschließlich der Ukraine und Rumäniens, diese beginnen als Erste zu exportieren. Frankreich schließt sich in der Regel einige Wochen später an.

Frankreich wird in diesem Jahr jedoch voraussichtlich nicht zu den internationalen Top-Weizenverkäufern aufschließen können. Schlammige Felder als Ergebnis von Überschwemmungen und erhöhten Sorgen über die Kornqualität trüben die Erwartungshaltung unter den Analysten ein.

Die aufgeweichten Felder reduzierten die Produktion von Weizen um 17 Prozent. In dieser Saison dürfte die Ernte 34 Millionen Tonnen nicht übersteigen, rechnet BayWa, ein Beratungsunternehmen mit Spezialisierung auf den Agrarsektor, hoch.

„Die Schwarzmeer-Region hat gegenwärtig viel zu verkaufen und die Qualität ist noch besser als erwartet“, sagte Matt Ammermann, Risikomanager beim US-Finanzdienstleister FCStone, gegenüber Bloomberg. Er fügte hinzu, dass Händler aufgrund der guten russischen Ernte nicht mehr auf die französische warten wollen.

Weizen wird seit vergangenem Freitag auf den Schwarzmeer-Häfen Russlands für 165 US-Dollar die Tonne verkauft. Das geht aus einem Bericht des Moskauer Instituts für Agrar-Marktstudien hervor. Damit seien russische Ausfuhren im Vergleich zu französischen um mindestens 15 US-Dollar günstiger.

Russlands Anteil auf dem globalen Agrarmarkt könnte dieses Jahr auf 16 Prozent anstiegen. Vergangenes Jahr hatte dieser noch bei 14,4 Prozent gelegen, konstatierte das in Kiew ansässige Unternehmen UkrAgroConsult. Frankreichs Marktstellung wird von 12,1 Prozent voraussichtlich auf 11 Prozent absacken.

„Russlands Position auf dem Weizenmarkt verändert sich, weil russische Bauern hohe Margen aus dem Verkauf ihrer Getreide-Ernten des vergangenen Jahres erzielen konnten. Sie haben diese verwendet, um in größere Landwirtschaftserträge und Technologien zu investieren“, zitierte Bloomberg Sergej Feofilow, Vorsitzender von UkrAgroConsult.

Experten betrachten die Aussichten hinsichtlich der russischen Weizenproduktion bis ins Jahr 2020 als positiv. In diesem Zeitraum soll vor allem ein schwacher Rubel die Nachfrage anheizen.

„Russland wird auf jeden Fall die besten Voraussetzungen aufweisen, um in Sachen Volumen und Preis mit Frankreich, Rumänien, aber auch der Ukraine zu konkurrieren“, meint Alexander Andrej, Analyst bei BMI Research, im Gespräch mit Bloomberg.