Attentate gegen Pipelines in Nigeria lassen internationalen Ölpreis steigen

Attentate gegen Pipelines in Nigeria lassen internationalen Ölpreis steigen
Das Fass Erdöl der Marke Brent wurde am Dienstag mit über 51 US-Dollar auf einem Siebenmonatshoch gehandelt. Auch WTI-Erdöl wurde deutlich über der 50-US-Dollar-Marke zum Verkauf angeboten. Grund dafür sind ein schwächelnder US-Dollar und ein fallender Output des Erdölriesen Nigeria aufgrund anhaltender Sicherheitsprobleme: Eine Gruppierung mit dem Namen „Rächer des Niger Deltas“ jagt seit Wochen regelmäßig Pipelines westlicher Ölgiganten in die Luft.

Seit Mitte Januar hat sich die Marke Brent damit um fast 70 Prozent verteuert. Der Preis für WTI-Öl stieg im gleichen Zeitraum um fast 60 Prozent. Im Januar dieses Jahres hatte der internationale Ölpreis noch sein 12-Jahrestief erreicht. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein Barrel Erdöl für 27 US-Dollar gehandelt.

Einen Grund für die Trendwende im Ölsektor vermuten Analysten in Westafrika: Nigerias Ölförderrate ist nach zahlreichen Angriffen gegen das heimische Pipelinenetzwerk auf 170.000 Barrel pro Tag abgesunken, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Eine Gruppe von Extremisten, die sich „Rächer des Niger Deltas“ nennen, drohten zuvor auf ihrem Twitter-Account, den Öl-Output des Landes mit terroristischen Mitteln auf null bringen zu wollen. Seitdem nimmt die Gruppe immer wieder das Pipelinenetz des ölreichen Staates ins Visier.

Erst am vergangenen Freitag, so berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf die nigerianische Marine, sprengten die „Rächer des Niger Deltas“ zwei Pipelines in die Luft. Beide Pipelines gehören europäischen Ölgiganten, Royal Dutch Shell sowie Italiens Eni SpA. Shell bestätigte den Zwischenfall. Das Unternehmen teilte mit, dass mögliche Schäden noch evaluiert werden müssen.

Der Hauptschwerpunkt wirtschaftlicher Tätigkeit Nigerias liegt in der Rohölförderung. Etwa 88 Prozent der Exporterlöse des Landes und 80 Prozent der Staatseinnahmen kommen aus der Erdölförderung. Nigeria ist der sechstgrößte Ölproduzent innerhalb der OPEC-Staaten. Der Ölsektor in Nigeria steht allerdings auch synonym für die grassierende Korruption und Armut des Landes.

Ein Dorfbewohner zeigt einen Eimer voll mit Rohöl verschmutzem Wasser aus dem Niger-Delta, verursacht durch ein jahrelanges Leck in einer  Shell-Pipeline, Oktober 2015.

Außerdem sollen die Lagerbestände der USA im Laufe der vergangenen Woche um 3,5 Millionen Barrel gefallen sein, wie eine repräsentative Medienumfrage ergab. Dies sei der dritte wöchentliche Rückgang in Folge.

Hinzu kommt, dass schwache Arbeitsmarktdaten in den Vereinigten Staaten den US-Dollar am Freitag auf Talfahrt schickten. Das führt zum Schluss, dass eine langerwartete Anhebung des US-amerikanischen Leitzinses auch weiterhin auf sich warten lassen wird.

Obwohl die OPEC in Wien keine Deckelung der Förderquoten beschloss, blieb ein Absturz des Ölmarktes aus. Das Portal Finanz und Wirtschaft argumentierte, dass Saudi-Arabien den internationalen Ölmarkt nicht mehr fluten wolle. Damit bleibe das Aufwärtsmomentum auf dem Ölmarkt bestehen. Konflikte in Nigeria und Streiks in Frankreich würden den Ölpreis weiter stützen.