Steueramnestie bringt Kapital aus Steuerparadiesen zurück nach Russland

Steueramnestie bringt Kapital aus Steuerparadiesen zurück nach Russland
Die russische Politik der Amnestie für Anleger, die ihr Geld in Steuerparadiesen angelegt hatten, beginnt sich auszuzahlen. Laut Erhebungen der Zentralbank fließt Offshore angelegtes Geld seit 2015 massiv zurück nach Russland.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich ein Finanzzustrom aus Steuerparadiesen eingestellt. Allein im Jahr 2015 wurden 5,2 Milliarden US-Dollar aus den Bahamas und weitere 1,9 Milliarden aus dem britischen Überseegebiet im Atlantik, Bermuda, abgezogen, um diese wieder auf dem russischen Kapitalmarkt anzulegen. Unter Berufung auf Zentralbank-Erhebungen schrieb die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti, der Zufluss steigerte sich im Vergleich zu 2014 um 43 Prozent an Zuflüssen aus den Bahamas und neun Prozent für solche aus Bermuda.

Investitionen aus den britischen Virgin Islands verringerten sich zwar. Die Inseln nehmen dennoch den zweiten Platz unter jenen Ländern ein, die am stärksten mit Direktinvestitionen in Russland aufwarten können, fügte Wedomosti hinzu.

Positiv wirkt sich aus, dass immer mehr russische Unternehmer ihr Geld in Russland lassen und dieses in ihre Unternehmungen investieren. Im Dezember gab der Geschäftsmann Gennady Timtschenko beispielsweise an, dass er die Besitzverhältnisse seiner milliardenschweren Volga Group umstrukturiert habe. Mittlerweile hält der Unternehmer 99,9 Prozent der Anteile an der dazu gegründeten Beteiligungsgesellschaft. Künftig wird das Unternehmen seine Steuern in Russland entrichten. Zuvor gehörte das Unternehmen der auf Zypern ansässigen Volga Resources Ltd und luxemburgischen VRN Sarl.

2014 strukturierten der russisch-usbekische Oligarch Ali Scher Usmanow und seine Partner ihre Vermögenswerte auf den Virgin Islands unter dem Namen USM Holding um. Die Mehrheitsbeteiligungen Usmanows an dem Bergbau- und Metallkonzern Metalloinvest sowie an dem Mobilfunkbetreiber MegaFon wurden an russische Tochtergesellschaften übertragen.

Die russische Kapitalamnestie läuft am 1. Juli aus. Bis zu diesem Zeitpunkt können russische Unternehmer ihr ausländisches Vermögen und Bankkonten gegenüber den Behörden offenlegen, ohne Strafmaßnahmen vonseiten des Finanzministeriums fürchten zu müssen.

Im Mai unterzeichnete das russische Finanzministerium ein internationales Abkommen über den automatischen Austausch von Finanzinformationen. Dieses soll künftig ermöglichen, Daten über Finanzkonten von russischen Steuerzahlern in über 80 Ländern zu ermitteln. Darunter fallen auch zahlreiche Steuerparadiese in Übersee.