Trotz Sanktionen: Reiseveranstalter Thomas Cook will auf die Krim zurückkehren

Trotz Sanktionen: Reiseveranstalter Thomas Cook will auf die Krim zurückkehren
Der russische Reiseveranstalter Intourist, der zu 75 Prozent von der Thomas Cook Group gehalten wird, hat Vorauszahlungen an Hotels auf der Krim getätigt. Das Unternehmen möchte voraussichtlich über seine örtlichen Partner wieder in den Tourismus der Halbinsel einstiegen. Das könnte zu Problemen für den britischen Mutterkonzern führen, da diese Finanzierung offiziell gegen das westliche Sanktionsregime verstößt.

Touristen am Woronzow-Palast in Alupka

„Wir haben mit einem Programm für unsere Hotel-Partner gestartet. Wir helfen ihnen mit Geld vor Beginn der Saison, so dass sie ihre Leistung und Qualität steigern können. Solche Erfahrungen könnten überall auf der Krim Anwendung finden“, sagte der Geschäftsführer von Intourist, Tschawdar Stojanow, gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Die russische Tageszeitung Vedomosti berichtete, dass Thomas Cook 75 Prozent der Anteile an Intourist hält. Die restlichen 25 Prozent besitzt das russische Konglomerat Sistema. Als Minderheitsaktionär ist Sistema nicht in die Betriebsführung des Reiseveranstalters involviert.

Die Krim steht nach ihrer Abspaltung von der Ukraine und ihrer Beitrittserklärung zur Russischen Föderation unter Sanktionen der USA und der Europäischen Union. 2014 entschloss sich die Bevölkerung der Halbinsel in einem vom Westen nicht anerkannten Referendum mehrheitlich, in den Staatenbund Russlands einzugehen, nachdem in Kiew der gewählte Präsident Viktor Janukowytsch gewaltsam aus seinem Amt vertrieben wurde. Aus diesem Grund könnte eine ansonsten harmlose wirtschaftliche Erwägung nun zu erheblichen Konsequenzen für Thomas Cook führen.

Laut dem Rechtsanwalt der Kanzlei Nevsky IP, Nikolaj Zajtschenko, sind Vorauszahlungen für Hotelräume im eigentlichen Sinne keine Akquisitionen von Eigentumsrechte. Stattdessen fallen sie unter die Kategorie der Finanzdienstleistungen, die westlichen Unternehmen seit Dezember 2014 auf der Krim untersagt sind.

Er fügte hinzu, dass die Vorauszahlungen und die besonderen Bedingungen für die Aktivitäten von Intourist jedoch als gewerbliches Darlehen angesehen werden können. Auf dem Papier kauft Intourist Dienstleistungen auf der Krim ein, die nicht verboten sind. Westliche Behörden könnten jedoch daran Anstoß nehmen, dass Intourist seine Zimmer über eine auf der Krim registrierte Firma namens Ethno-Tour vorbestellt. Intourist ist damit zumindest indirekt an Transaktionen auf der Krim beteiligt.

Unterdessen wächst der Druck auf die EU und USA vonseiten der Tourismusbranche. Zahlreichen Tourismus-Unternehmen brechen klassische Tourismusziele wie Ägypten, die Levante oder Türkei wegen politischen Krisen und militärischen Auseinandersetzungen weg. Verstärkt suchen sie nach Alternativen. Die Urlaubssaison auf der Krim startete am 1. Mai. Ende April prognostizierte der Vorsitzende der Föderalen Tourismusagentur, Oleg Safonow, dass rund 5,5 Millionen Menschen die Krim-Halbinsel im laufenden Jahr besuchen werden. Im Vorjahresvergleich wäre das ein Wachstum des Tourismussektors um zehn Prozent.