Weltgrößter Agro-Konzern: Wird Monsanto von Bayer geschluckt?

Weltgrößter Agro-Konzern: Wird Monsanto von Bayer geschluckt?
Der deutsche Pharmazie-Riese Bayer hat offiziell bestätigt, dass es Verhandlungen zum Aufkauf des umstrittenen Agrochemie-Unternehmens Monsanto führt. Sollte Bayer den US-Saatgutriesen schlucken, könnte daraus der weltgrößte Landwirtschaftsversorger hervorgehen.

„Vertreter von Bayer haben vor kurzem Mitglieder der Geschäftsführung von Monsanto getroffen, um vertraulich über eine einvernehmliche Übernahme von Monsanto zu sprechen. Die vorgeschlagene Kombination würde Bayer als ein globales innovationsgetriebenes Life-Science-Unternehmen mit führenden Stellungen in ihren Kernsegmenten stärken und ein weltweit führendes Landwirtschaftsunternehmen schaffen“, räumte der deutsche Konzern Bayer in einer knappen Stellungnahme ein.

Der Zeichner Rick Friday hat aufgrund eines Cartoons über Monsanto und andere Agrarmultis veröffentlichte. Bildquelle: @wideopencountry

Bayer könnte von heute auf morgen zum Weltmarktführer in der Saatgut- und Pflanzenschutzbranche aufsteigen. Allerdings werden sich die Leverkusener mit dem Gensaathersteller aus St. Louis auch zahlreiche Probleme einholen. Kaum ein anderer internationaler Konzern genießt einen schlechteren Ruf als Monsanto.

Eines der Hauptprodukte von Monsanto, das höchst umstrittene Pflanzengift Glyphosat, könnte schon bald in der Eurozone endgültig verboten werden. Zwar verschob die EU am Donnerstag die Entscheidung über die Neuzulassung des Herbizids, aber der Widerstand gegen das US-Produkt wird in Europa immer größer.

Dirk Zimmermann, Agrarexperte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace, beschrieb den US-amerikanischen Saatguthersteller wie folgt:

„Monsanto ist der Konzern, der für das personifizierte Übel der industrialisierten Landwirtschafts-, Agrar- und Chemieindustrie steht.“

Laut einem Bericht der „Welt“, die sich auf die sogenannte Sigwatch-Rangliste beruft, gehört Monsanto neben dem Ölkonzern Shell und der Weltbank zu den international am stärksten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) regelmäßig kritisierten Institutionen.

Ins Schussfeld gelangte das Unternehmen unter anderem wegen seines genmanipulierten Saatguts für Mais, das seit 2009 nicht mehr in Deutschland erlaubt ist. Dazu kommen „Round-up“ und Glyphosat, die weltweit trotz ihrer fraglichen Umweltverträglichkeit als Unkrautvernichter eingesetzt werden. Jüngst warnte die Weltgesundheitsorganisation, dass Glyphosat beim Menschen krebserregend sei.

Offenbar steht die Weltgesundheitsorganisation jedoch in einem Interessenskonflikt. Erst am Montag erklärte die Arbeitsgruppe der Food and Agriculture Organization (FAO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Pestiziden, dass Glyphosat unbedenklich sei. Recherchen der britischen Tageszeitung Guardian ergaben, dass die Umweltorganisationen bei dieser Aussage nicht ganz unabhängig handelten. Alan Boobis ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe der Food and Agriculture Organization (FAO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er ist gleichzeitig Vizepräsident des International Life Science Institute (ILSI).

Besonders pikant: Dieses Institut erhielt 2012 eine Spendenzahlung von Monsanto in Höhe von 500.000 US-Dollar. Eine weitere Spende von 528.500 US Dollar ging über die Pestizidlobby Croplife International ein. Mitglied der Lobby sind unter anderem Monsanto, Dow und Syngenta.

Die NGO Campact schreibt, dass ein weiteres Mitglied der FAO/WHO-Arbeitsgruppe Vorstandsmitglied eines zu ILSI angehörigen Instituts wäre, Angelo Moretto. Moretto war Co-Vorsitzender der entscheidenden EU-Sitzung über Glyphosat.

Monsanto seinerseits gab an, dass es den Kauf-Vorschlag aus Deutschland noch prüfen wolle, vor allem wenn es um die Erteilung einer behördlichen Erlaubnis für die Übernahme geht. Der Deal wirft bei Behörden und Wettbewerbern Skepsis auf. Beide Unternehmen haben sich überschneidende Arbeitsfelder in den Bereichen des Soja-, Baumwolle- und Raps-Anbaus, führten Kartell-Experten im Interview mit Reuters an.

Der Aktienkurs von Bayer ist unter diesem Eindruck am Dienstag auf ein 2,5-Jahrestief gefallen. Zahlreiche Investoren seien von den anstehenden Fusionskosten abgeschreckt, heißt es aus Finanzkreisen.

Die Marktkapitalisierung von Monsanto beträgt derzeit 42 Milliarden US-Dollar. Der Deal mit Bayer könnte gar die Akquisition von Swiss Syngenta durch ChemChina für 43 Milliarden US-Dollar übersteigen. Im vergangenen August war Monsanto selbst noch daran gescheitert, Syngenta für 46,3 Milliarden US-Dollar zu übernehmen.

Bevor die Unternehmen ihre Verhandlungen bekanntgaben, hat die Financial Times darüber berichtet, dass Monsanto informelle Gespräche mit Bayer und dem deutschen Chemiekonzern BASF über seine Zukunft abgehalten habe.