Dollar-Hegemonie bröselt: Russische Aktien beste Finanzanlage des Jahres

Dollar-Hegemonie bröselt: Russische Aktien beste Finanzanlage des Jahres
Der Leitindex an der Moskauer Börse notiert so hoch wie seit dem Jahr 2007 nicht mehr. Allem Anschein nach sind die Probleme in Russland bei weitem nicht so schlimm, wie Vertreter der westlichen Politik weismachen wollen. Gastautor Rainer Rupp analysiert die aktuelle Entwicklung im russischen Finanz- und Wirtschaftsbereich.

von Rainer Rupp

Eine geradezu sensationelle wirtschaftliche Entwicklung hat sich, von westlichen Mainstream-Medien so gut wie unbemerkt, in Russland vollzogen. Allerdings ist „unbemerkt“ sicherlich nicht das richtige Wort, sondern „absichtliches Wegsehen“ dürfte den Sachverhalt besser treffen. Denn die Tatsache, dass Anlagen in russischen Aktien in diesem Jahr zu den besten Finanzanlagen weltweit gehören, passt so gar nicht zu dem von westlichen Politikern vermitteltem Bild vom einem Land, das angeblich wegen westlicher Sanktionen stöhnend am Boden liegt.

Tatsächlich sind russische Aktien seit dem 18. März 2014 um 50 Prozent gestiegen. Ausgerechnet an dem Tag war der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, in die Rolle eines Finanzanlageberaters geschlüpft und hatte von Investitionen in Russland abgeraten. Um Russland von den westlichen Finanzmärkten abzuschneiden und in die Knie zu zwingen, hatte Carney die Geldhäuser der Welt gewarnt:

Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich gerade jetzt nicht in russische Aktien investieren.

Damals notiert der Micex, Leitindex in Moskau, knapp unter 1300 Punkten. Aktuell steht er nur noch wenige Punkte unter seinem Rekordhoch von knapp 1970 Punkten von Ende des Jahres 2007, also unmittelbar vor Beginn der weltweiten Finanzkrise.

Was ist in den letzten zwei Jahren passiert?

Allem Anschein nach sind die Probleme in Russland bei weitem nicht so schlimm, wie Vertreter der westlichen Politik weismachen wollen. Zugleich bedeutet das, dass den Vereinigten Staaten und ihrer Notenbank Federal Reserve (Fed), die seit Jahrzehnten die Geschicke der Welt auf den internationalen Finanzmärkten bestimmt haben, ein weiterer Teil ihrer hegemonialen Macht entglitten ist. Das bestätigen auch die Entwicklungen auf dem russischen Markt für Staatsanleihen.

Quelle: RT

Nachdem Russland sich, gemeinsam mit den Einwohnern der Krim, dem von Washington gesteuerten und von ukrainischen Faschisten durchgeführten, blutigen Putsch gegen die rechtmäßige Regierung in Kiew resolut entgegen gesetzt hatte, wurde das Land von den USA und den EU-Staaten im Juli 2014 mit weitreichenden Wirtschaftssanktionen „bestraft“.

In diesem Zusammenhang war es den Finanzmanipulatoren der Fed und ihren Handlangern an der Wall Street und in der Londoner City gelungen, die Renditen für russische Anleihen, also die Zinskosten, die der russische Staat oder russische Großunternehmen für aufgenommene Kredite zahlen müssen, von 9 auf über 14 Prozent in die Höhe zu treiben.

Zugleich hatte das US-Finanzministerium alle westlichen Geldgeber ermahnt, Russland und seinen Unternehmen möglichst keine neuen Kredite zu geben, und falls das dennoch geschah, sollten möglichst hohe Zinsen gefordert werden, um auf diese Weise die angeblichen „politischen und gesellschaftlichen Risiken“ der Anleihen zu kompensieren.

Dennoch sind in den letzten zwei Jahren die russischen Anleiherenditen wieder unter 9 Prozent gefallen, d.h. auf das Niveau der Zeit vor den US-EU-Strafmaßnahmen, und das trotz fortdauernder Sanktionen und trotz des Drucks durch die Ölpreise auf dem Weltmarkt.

Offensichtlich gehorchen die russischen Zins- und Finanzmärkte nicht länger der Stimme der US-Finanzindustrie. Selbst die weltweit anerkannte Finanzmarkt-Nachrichtenagentur Bloomberg hat Anfang Mai gemeldet, dass das politische Risiko, das wegen der anti-russischen Sanktionen westlicher Regierungen auf den russischer Anleihen gelastet habe, verschwunden ist. Damit dürfte die Ohnmacht der Fed und des US-Finanzministeriums für alle klar sichtbar geworden sein. Und das ist ein weiterer Sargnagel für die US-Dollar-Hegemonie.