Frankreich diskutiert Verbot von Fracking-Gas-Importen aus USA und Kanada

Frankreich diskutiert Verbot von Fracking-Gas-Importen aus USA und Kanada
Die französische Energieministerin Segolène Royal hat bekanntgegeben, dass Paris überlegt, die Einfuhr von Schiefergas aus den Vereinigten Staaten zu verbieten. Schiefergas wird im Wesentlichen die extrem umweltschädliche Methode Fracking gewonnen. Eine entsprechende Entscheidung wäre das Aus für die aus Brüssel lancierte European Energy Union. Sie basiert auf Flüssiggasimporten aus den USA und Kanada.

Laut Medienberichten teilte die französische Energieministerin den Parlamentariern in der Nationalversammlung mit, dass Frankreich die Einfuhr von Flüssiggas einstellen will. Diese Initiative sei auf die problematischen Auswirkungen von Fracking zurückzuführen, welches in Frankreich verboten ist.

Royal informierte, das Problem sei aufgetreten, weil die französischen Gasversorger Engie und der Energieversorger EDF Verträge über die Einfuhr von verflüssigtem Erdgas aus den Vereinigten Staaten unterzeichnet hatten. In den USA werden 40 Prozent des geförderten Erdgases über die Fracking-Methode gewonnen.

„Ich habe die beiden Unternehmen gefragt, warum sie nicht wachsam genug waren. Ich habe aus diesem Grund eine Prüfung rechtlicher Mittel veranlasst, um den Import von Schiefergas künftig zu verbieten“, sagte Royal.

Sie fügte hinzu, sie werde insbesondere die beiden französischen Unternehmen auffordern, die Einfuhr einzustellen. Die französische Regierung kam jüngst unter Druck durch Umweltschützer, welche die Fracking-Politik von Paris scharf kritisieren.

„Es ist die totale Heuchelei“, sagte Paul Reynard, der Pressesprecher der Initiative Stop-Schiefergas, gegenüber Reportern. „Fracking ist in Frankreich verboten, damit Verschmutzungen vermieden werden, aber wir kaufen Schiefergas von anderswo.“

„Wir denken nicht an Andere. Wir wollen zwar nicht unseren eigenen Garten verschmutzen, stattdessen aber gefährden wir den Garten von Fremden“, fügte Reynard hinzu.

Einige Energie-Experten vermuten hingegen, dass Paris der Preis für US-amerikanisches Erdgas zu teuer ist. Importe aus herkömmlicher Quelle, etwa aus dem geografisch näher gelegenen Russland, scheinen profitabler zu sein.

Trotz westlicher Sanktionen ist Frankreich der fünftgrößte Importeur von russischem Erdgas in Europa. Im vergangenen Jahr kaufte Paris in Moskau rund 9,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas ein.

„Ich glaube nicht, dass wir es hier mit einem Geschenk an Russland vonseiten Frankreichs zu tun haben“, kommentierte der Vorsitzende des russischen Energie-Sicherheitsfonds, Konstantin Simonow, in einem Artikel des renommierten Nachrichtenportals Gazeta.ru.

Laut Simonow habe die Entscheidung des französischen Energieministeriums hauptsächlich mit den teuren Importpreisen aus den fernen USA zu tun. Demnach sei russisches Erdgas signifikant günstiger.

Unterdessen hat der russische Energieriese Gazrprom seinen Marktteil im Nachbarland Deutschland wieder ausbauen können. Das Unternehmen lieferte in den ersten vier Monaten dieses Jahres 19 Prozent mehr Erdgas als noch vor einem Jahr.

Sollte Paris entscheiden, kein weiteres Fracking-Gas aus Übersee zu importieren, käme die aktuelle Energiestrategie der Europäischen Union in Gefahr. Energiekommissar Canete hatte im Februar ein Konzept vorgestellt, dass in wesentlichen Teilen darauf ausgelegt ist, Importe aus Russland durch Flüssiggasimporte zu ersetzen. Dabei geht es vor allem um Schiefergas aus den USA, Kanada und Australien, das mit der Fracking-Methode gefördert wird.