Vorsitzender des russischen Erdölunternehmens Rosneft: „OPEC ist de facto tot“

Vorsitzender des russischen Erdölunternehmens Rosneft: „OPEC ist de facto tot“
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat praktisch aufgehört, als einzelne Organisation zu existieren, die den internationalen Ölmarkt beeinflussen kann. Das hat der Vorsitzende des größten russischen Erdölunternehmens, Igor Setschin, im Interview mit Reuters erklärt.

„Die 1970er Jahre, als die größeren Produzenten des Nahen Ostens durch die Schaffung von Kartellstrukturen wie OPEC beherrschen konnten, sollten vergessen werden“, sagte Setschin.

Er fügte hinzu, dass Rosneft bezüglich der Chancen auf ein positives Ergebnis aus der letzten Sitzung der weltweitgrößten Erdölförderstaaten skeptisch sei. Diese hatte am 17. April in Doha stattgefunden. OPEC- und Nicht-OPEC-Mitglieder versuchten damals vergeblich, sich auf ein Einfrieren des monatlichen Erdöl-Outputs von Januar dieses Jahres zu einigen. Der Abschluss der Einigung scheiterte, weil sich Saudi-Arabien und andere Golfstaaten im letzten Moment dagegenstellten.

Die Begründung für den Entschluss war, dass die Golfstaaten nur dann einer Einigung zustimmen würden, wenn sich alle Nicht-OPEC-Mitglieder angeschlossen hätten. Riad versucht auf diesem Weg, seinen Erzfeind Iran unter Druck zu setzen. Seit der Aufhebung internationaler Sanktionen im letzten Jahr kurbelt Teheran seinen Energieexport scharf an. Die Regierung in Teheran kündigte an, dass sie den Output solange nicht drosseln werde, bis dieser eine tägliche Fördermenge von vier Millionen Barrel pro Tag erreicht habe.

„Im Moment schließen eine Reihe objektiver Faktoren die Möglichkeit aus, dass Kartelle dem Markt ihren Willen diktieren können. Die OPEC hat praktisch aufgehört, als eine vereinte Organisation zu existieren“, sagte Setschin. Der Rosneft-Vorsitzende, der weithin als scharfer Kritiker der OPEC gilt, forderte, dass Russland als ein führender Ölproduzent an seiner eigenen Strategie festhalten sollte, um Marktanteile zu schützen.

Laut Reuters hatte Setschin darauf insistiert, dass Russland als eine eigenständige Großmacht kein Teil einer Allianz der OPEC-Staaten werden sollte. Die OPEC hat es versäumt, die 2014 begonnene Talfahrt des internationalen Ölpreises über eine einheitliche Haltung in Sachen Ölförderrate aufzufangen. Während sich Staaten wie Venezuela, Algerien, Angola und Ecuador jüngst zugunsten einer Limitierung des Outputs aussprachen, wollen die Golfstaaten des Nahen Ostens, angeführt durch Saudi-Arabien, den jetzigen Kurs weiterführen.

Zuletzt einigte sich die OPEC im Juni 2015 bei einem Treffen in Wien über eine Produktionsquote. Seither scheiterte die Organisation daran, sich an die selbstgesetzten Förderquote von 30 Millionen Barrel pro Tag zu halten. Kritiker vermuten, dass sich hinter der Haltung Saudi-Arabiens ein geopolitisches Kalkül verstecke. Riad führt im Nahen Osten zahlreiche Stellvertreterkriege gegen seine politischen Widersacher, darunter Iran und Russland. Neben der Unterstützung von pro-saudischen Milizen scheint der Kampf um Ölfördermengen Teil eines Handelskrieges gegen Moskau und Teheran zu sein.