Ukraine macht Russland für 20-prozentigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich

Ukraine macht Russland für 20-prozentigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich
Nachdem Russland bereits für die ausufernde Inflation auf 80 Prozent in den letzten drei Jahren und den Verlust von 100 Milliarden US-Dollar im Handelssektor verantwortlich gemacht worden war, hat Kiew die Regierung in Moskau nun auch beschuldigt, hinter dem 20-prozentigen Einbruch des volkswirtschaftlichen Leistungsvermögens des Landes zu stehen.

„Die Ukraine hat mehr als 20 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts als Ergebnis der russischen Aggressionen verloren. Das geht mit dem effektiven Wirtschaftskrieg einher, den Russland gegen uns initiiert hat. Es blockiert unsere Produkte und deren Transit nach Zentralasien und China“, behauptete der stellvertretende ukrainische Premierminister, Wadim Pristaiko, bei einer Zusammenkunft im UN-Sicherheitsrat.

Pristaiko implizierte, dass Russland seiner Meinung nach das 1994 geschlossene Abkommen von Budapest gebrochen habe. Das Abkommen besagt, dass sich „die Unterzeichner verpflichten, keinen wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine auszuüben“.

Moskau seinerseits betrachtet die sich veränderten Handelsbeziehungen zu Kiew als Antwort auf vorausgegangene Wirtschaftsmaßnahmen durch die ukrainische Maidan-Regierung.

Russland setzte das Freihandelsabkommen mit der Ukraine Anfang 2016 aus. Dies tat die Föderation, um die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu währen, nachdem sich Kiew dafür entschieden hatte, seine Grenzen für Güter und Dienstleistungen aus der Eurozone zu öffnen.

Die russische Wirtschaft ist besorgt, dass die Ukraine ohne eine solche Entscheidung versucht sein könnte, illegalle Waren aus der EU nach Russland zu schmuggeln.

Checkpoint ukrainischer Aktivisten in Lemberg, die seit Wochen russische LKWs, die aus der EU kommen, in der Westukraine blockieren

Der Kreml verhängte auch ein Embargo über ukrainische Lebensmittelimporte in Reaktion auf anti-russische Sanktionen, denen sich die Regierung, die im Zuge des Maidan-Putsches 2014 die Macht ergriffen hatte, aufseiten des Westens angeschlossen hatte.

Ukrainische Unternehmen, die dennoch ihre Güter über Russland transportieren wollen, müssen sich auf neue Transportbestimmungen gefasst machen. Waren aus der Ukraine müssen fortan über Weißrussland in versiegelten Behältern ausgeführt werden, um weiter nach Russland gelangen zu können. Zudem muss die Fracht mit dem russischen GLONASS-Navigationssystem ausgestattet werden.

Der erste stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Igor Schuwalow, kommentierte, dass solche Beschränkungen eingeführt worden seien, damit ukrainische Waren, die für den Transit gedacht sind, nicht in russischen Supermärkten landen.

Gegenwärtig arbeitet die Ukraine an einer alternativen Transit-Route nach China über Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan. Über das Schwarze und Kaspische Meer sollen eigens aufgestellte Fähren die Güter aus der Ukraine ans Festland bringen.