Trotz Sanktionen: Siemens will an Bau der Hochgeschwindigkeitsverbindung Moskau-Kasan mitwirken

Trotz Sanktionen: Siemens will an Bau der Hochgeschwindigkeitsverbindung Moskau-Kasan mitwirken
Deutschlands Technologiekonzern Siemens hat ungeachtet bestehender Sanktionen des Westens seine Bereitschaft ausgedrückt, mit Russland und China beim Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke für Eisenbahnen von Moskau nach Kasan zu kooperieren.

„Wir können eine trilaterale Partnerschaft in Betracht ziehen. Wir besitzen ein Gemeinschaftsunternehmen mit der russischen Sinara-Gruppe und pflegen ausgezeichnete Beziehungen mit China im Bereich der Bahnproduktion. Wir haben beiden Ländern unsere Velaro-Technologie [eine Familie von Hochgeschwindigkeitszügen] zur Verfügung gestellt“, kommentierte der Siemens-Chef für Russland und Zentralasien, Dietrich Möller, im Interview mit der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Laut Möller diskutieren alle drei beteiligten Seiten derweil ihre potenzielle Zusammenarbeit, obwohl bislang keine konkreten Konsultationen stattfanden.

Das deutsche Unternehmen sei bereit, eine modernisierte Version des Sapsan-Hochgeschwindigkeits-Elektrotriebwagens mit zu errichten. Sapsan ist Teil der Velaro-Baureihe, die bereits zwischen Sankt Petersburg und der russischen Hauptstadt Moskau pendelt.

„Die zweite Generation des Sapsan-Zugs ist ein völlig neues Modell, das 2016 herausgebracht wurde“, sagte Möller. Er erklärte, dass die Unterschiede zwischen den Modellen vergleichbar seien mit dem Entwicklungsgrad der Handys der 2000er Jahre verglichen mit den neuesten Smartphones.

Im vergangenen Dezember sagte der Vizepräsident der russischen Eisenbahngesellschaft (RZD), Alexander Mischarin, dass Deutschlands Initiativ-Gruppe seinerzeit signalisierte, den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Kasan mit zwei Milliarden Euro finanzieren zu wollen.

Die neue Verbindung ist als Teil eines Netzes von Hochgeschwindigkeitsstrecken für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft im Land 2018 gedacht.

Ein Arbeiter untersucht die Pipeline auf einem sibirischen Ölfeld

Auch Peking hat sein Interesse an der Finanzierung der Eisenbahnstrecke zwischen Moskau und der tatarischen Hauptstadt Kasan kundgetan. China will das Projekt mit sechs Milliarden US-Dollar unterstützen. China betrachtet das Infrastrukturprojekt zwischen Moskau und Kasan nicht nur als profitable Finanzinvestition, sondern auch als Chance, um Gespräche, aber auch den Handel zwischen Russland und Europa wieder in Schwung zu bringen, heißt es.

Russland und China arbeiten ohnehin schon eng miteinander im Eisenbahnsektor zusammen. Die bilateralen Beziehungen in diesem Bereich bringen bislang ein Gesamtauftragsvolumen von 15 Milliarden US-Dollar hervor.

Die gesamten Kosten für die 770 Kilometer lange Strecke, die sich über sieben Regionen Russlands erstreckt, werden auf 21,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die gegenwärtige Reisezeit zwischen Moskau und Kasan beträgt 12 Stunden. Mit der Fertigstellung einer Hochgeschwindigkeitsbahn wird sie sich auf 3,5 Stunden reduziert. Die von Siemens hergestellten Züge können eine Geschwindigkeit von 400 Kilometer in der Stunde erreichen.

Siemens ist einer der größten Technologiekonzerne Europas. Seine vier Hauptgeschäftsfelder sind Energie, Medizintechnik, Industrie und Infrastruktur.