Russland entthront USA als weltgrößten Weizen-Exporteur

Russland entthront USA als weltgrößten Weizen-Exporteur
Die USA haben ihre Position als Weltmarktführer im internationalen Weizen-Export an Russland und Kanada eingebüßt. Grund dafür sind ein zu starker US-Dollar, stagnierende Erträge, der Klimawandel und eine anziehende Konkurrenz.

Ein Arbeiter untersucht die Pipeline auf einem sibirischen Ölfeld

Analysten prognostizieren, dass der Weizen-Export der USA um 9,3 Prozent auf 21,1 Millionen metrische Tonnen gegen Ende der Saison am 31. Mai sinken könnte. Das wäre der geringste Wert seit 1972.

In diesem Zusammenhang räumte Alan Tracy, ein Vertreter der US-Weizen-Vereinigung, im Gespräch mit dem Finanznachrichtenportal Bloomberg ein:

„Wir werden den Sektor nicht mehr jedes Jahr vom Volumen her anführen.“

Er fügte hinzu, dass allein eine Steigerung der Anteile der USA im globalen Weizenhandel neue Hoffnung schenken könnte, sollte Washington den Abwärtstrend auffangen wollen.

Fast vierzig Prozent der Getreide-Ernte in den Vereinigten Staaten wird ins Ausland verschifft. Das geht aus einer Erhebung des US-Agrarministeriums hervor. Hinzu kommt, dass die Anbauflächen für Winterweizen dieses Jahr in den USA auf den zweitniedrigsten Wert seit 1913 fiel.

Da US-amerikanische Weizenprodukte auf dem Weltmarkt schwächeln, satteln Landwirte verstärkt auf Mais- und Sojabohnen-Produkte um, berichtete Bloomberg.

Inzwischen ist Russland jedoch zum weltmarktführenden Weizenexporteur aufgestiegen. Insbesondere die Märkte des Nahen Ostens, die einst geradezu exklusiv den USA vorbehalten waren, bedient mittlerweile die Russische Föderation.

Dieses Jahr werde Russland voraussichtlich auf ein Erntevolumen im Weizensektor von 62,5 Millionen Tonnen kommen. Das sei der höchste Wert seit acht Jahren, rechnete das in Moskau ansässige Institut für Agrarmarktstudien (IKAR) vor.

„Die Erntebedingungen sind derzeit gut, vor allem in den südlicheren Regionen Russlands“, kommentierte Olivier Bouillet von der Pariser Beratungsfirma Agritel.

Laut dem Moskauer Institut IKAR sind die Exporte in den Schwarzmeerregionen Russlands auf 185 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Das ist der höchste Preis seit Dezember. Genauer stiegen die Preise nach einem Fünf-Jahrestief im Februar und März um 3,9 Prozent an.

Die reicheren Ernteerträge aus Russland könnten den Ausfall der bürgerkriegsgeschüttelten Ukraine wieder ausgleichen, ein Land mit besonders fruchtbaren Erden im europäischen Vergleich. Der Output könnte rund 9 Prozent auf 7,2 Millionen Tonnen einbrechen.