Durchwachsene Quartalsbilanz europäischer Volkswirtschaften und Angst vor Brexit

Durchwachsene Quartalsbilanz europäischer Volkswirtschaften und Angst vor Brexit
Besorgnis über eine weiterhin anhaltende globale Konjunkturflaute, Ängste, dass Großbritannien schon bald aus der Europäischen Union aussteigen könnte sowie die Ergebnisse mehrerer wichtiger Unternehmensumfragen und Wirtschaftsindikatoren ziehen Warnungen hinsichtlich schlechter Leistungen und Daten europäischer Volkswirtschaften im ersten Quartal dieses Jahres nach sich.

Obwohl das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) knapp bei unter zwei Prozent liegt, herrschte in Frankfurt vergangene Woche Enttäuschung, als man veröffentlichen musste, dass die Inflationsrate im März bei – 0,1 Prozent kursierte.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel

 „Ohne den Stimulus von der EZB vermute ich, dass die Dinge noch viel schlimmer gewesen wären, als sie es immer noch sind. Die Eurozone würde noch immer in einem deflationären Umfeld verharren“, kommentierte Jennifer McKeown, Volkswirtin bei Capital Economics, auf Anfrage von Reuters. Sie wies darauf hin, dass die europäischen Haushalte noch immer dazu geneigt sein könnten, Ausgaben aufzuschieben, was die Nachfrage auf dem Binnenmarkt weiter schwächen würde.

Der Einkaufsmanagerindex – der wichtigste und verlässlichste Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität eines Wirtschaftsraumes – konnte sich nach seinem 13-Monats-Tief im Februar kaum erholen. Nach schwachen 53,0 Punkten kletterte der Wert nun dem Finanzexpertendienst Markit Economics zufolge auf 53,1 Punkte.

Frankreichs Einkaufsmanagerindex fiel unterdessen von 51,2 Punkten auf 49,9. In Deutschland stagnierte der Wert nach 54,1 Punkten bei 54. Italiens Index gab ebenso von 53,9 Punkten auf 51,2 Punkte nach.

In Großbritannien wies die erste vierteljährliche Wachstumsrate dieses Jahres einen Rückgang von 0,4 Prozent aus, nachdem die Wirtschaft im vierten Quartal des Vorjahres bereits um 0,6 Prozent nachgegeben hatte.

Nicht zuletzt setzen Unternehmen wegen der politischen Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen EU-Austritts Großbritanniens in der Regel konjunkturbeflügelnde Investitionen aus. Die globale Wirtschaft sieht ähnlich besorgniserregend aus, da die Wirtschaft Chinas nur langsam wieder auf Kurs kommen will. „Investitionen nehmen derweil eine Atempause, während jeder das Referendum erwartet“, sagte Alan Clarke von der Scotiabank mit Blick auf den drohenden Brexit im Interview mit Reuters.

Die Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat unlängst die europäische Politik dazu aufgefordert, sich wieder auf die Beschleunigung des Wachstums zu konzentrieren. Sie wies darauf hin, dass Abwärtsrisiken steigen würden, wenn nicht entschlossen gehandelt werde.