Ölgeschäft: Saudi-Arabien verliert Marktanteile auf Top-Absatzmärkten

Ölgeschäft: Saudi-Arabien verliert Marktanteile auf Top-Absatzmärkten
Der weltgrößte Erdölexporteur, Saudi-Arabien, hat binnen drei Jahren seine Führungsposition in neun von 15 Top-Absatzmärkten verloren. Dies berichtete die britische Tageszeitung Financial Times unter Berufung auf Daten der Energieberatungsgruppe FGE.

Das Königreich verlor demnach zwischen den Jahren 2013 und 2015 vor allem in China, Südafrika und den USA an Boden. Der Abwärtstrend erfolgte ungeachtet saudischer Versuche, die Marktanteile auf Zielmärkten über eine Überschwemmungstaktik mittels günstigen Öls hochzuhalten, konstatierte die Consulting-Analyse.

„Saudi-Arabien hatte in seinem Umfeld eine sehr schwierige Zeit“, gab der Finanzanalyst des Kredithauses Citigroup, Ed Morse, gegenüber Financial Times an und betont: „Die Konkurrenz Saudi-Arabiens geht auf dem hart umkämpften Markt sehr aggressiv vor.“

Außerdem verlor Riad bedeutende Marktanteile in Süd-Korea, Thailand, Taiwan und einigen westlichen Staaten Europas, belegen die Erhebungen von FGE.

Alleine schon in China brach der Marktanteil der Saudis um fast fünf Prozent ein. 2013 lag Riads Marktanteil auf dem chinesischen Milliarden-Markt noch bei 19 Prozent, 2015 nur noch bei 15 Prozent, während insbesondere Russland gegenüber der saudischen Konkurrenz dort wieder an Boden gutmachen konnte.

Im Zuge der vergangenen fünf Jahre haben russische Energie-Exporte nach China ihren Anteil mehr als verdoppelt auf 550.000 Barrel Öl täglich. Moskau holte Riad schließlich auch 2015 als größten Erdölexporteur im Reich der Mitte ein.

Noch stärker brachen saudische Anteile in Südafrika ein. Binnen drei Jahren sackte Riads Monopolstellung von 53 Prozent auf 22 Prozent der gesamten südafrikanischen Erdölimporte ab. Stattdessen konnte jedoch die Marktstellung in Nigeria und Angola ausgeweitet werden.

Saudi-Arabien schwächelt ebenfalls mit Blick auf den Verbündeten USA, der 2013 noch 17 Prozent seines Erdöls aus der arabischen Monarchie einschiffen ließ. 2015 fragten die USA nur noch 14 Prozent ihres importierten Erdölverbrauchs in Riad nach.

Mitglieder der regulären saudischen Armee bei einer Militärparade anlässlich der jährlichen Haj-Pilgerzeit in Mekka, September 2015.

Während Saudi-Arabien, welches größtenteils von Erlösen aus dem Erdölgeschäft abhängig ist, in 15 größeren Volkswirtschaften Einbußen einstecken musste, verzeichnete die Golfmonarchie neue Gewinne auf den Absatzmärkten Brasilien, Indien und Japan. Dem Abwärtstrend konnte 2015 unter diesem Eindruck verhältnismäßig gegengesteuert werden.

Riad exportierte 2015 rund 8,1 Prozent der weltweiten Erdölnachfrage, der inländische Verbrauch blieb bei dieser Hochrechnung unberücksichtigt. 2014 erreichte das Land nur 7,9 Prozent, nachdem es 2013 noch auf 8,5 Prozent gekommen.