Dividenden steigen auf Rekordniveau, Vermögen zunehmend ungleich verteilt

Dividenden steigen auf Rekordniveau, Vermögen zunehmend ungleich verteilt
Schon das zweite Jahr in Folge übertreffen die Ausschüttungen von Dividenden alle Erwartungen: 24 von 30 Konzernen erhöhen ihre Ausschüttungen. Damit sind Dividenden in Höhe von bis zu 40 Milliarden Euro vorgesehen, so das Handelsblatt. Ganz vorn stehen Allianz, Siemens und Daimler. Parallel veröffentlicht die Bundesbank eine Studie heraus, die zeigt, dass die Vermögen in Deutschland weiterhin ungleich verteilt sind.

Von 30 großen Unternehmen wollen 24 ihren Aktionären eine höhere Dividende auszahlen. Allen voran Daimler, das seine Gewinnbeteiligung auf 3,25 Euro je Aktie erhöht und damit eine Ausschüttung von insgesamt knapp 3,5 Milliarden Euro anstrebt. Dies ist die höchste Auszahlung in einem Jahr. Allianz und Siemens belegen überraschenderweise Platz zwei und drei. Ausnahmen bilden die Deutsche Bank und RWE. Sie streichen ihre Dividenden ganz.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, gab als Grund für den zweijährigen Dividendenstopp einen Umbau des Konzerns und „juristische Altlasten“ an. Es ist das erste Mal seit den 1950er Jahren, dass Dividenden nicht ausgezahlt werden. Selbst während der Wirtschaftskrise wurden Aktionäre großzügig entlohnt. Mit „juristischen Altlasten“ sind unter anderem Strafzahlungen wegen Manipulation wichtiger Referenzzinssätze, der Verstoß gegen Sanktionen, fragwürdige Hypothekengeschäften in den USA und der Verdacht auf Geldwäsche in Russland gemeint.

Auch RWE muss aufgrund seiner 170 Millionen Euro Verlust dieses Jahr auf Auszahlungen verzichten. Ein Viertel der Anteile halten Kommunen, die nun keine Dividenden erhalten, was sich auch auf die Haushaltsplanung auswirken dürfte.

Die Gewinner der hohen Dividenden sind vor allem Aktionäre von Versicherungsunternehmen. Diese besitzen zu viel Kapital. Hier gibt es neben Sonderdividenden auch Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe. Da in den letzten Jahren keinerlei großen Schäden entstanden sind, wissen die Unternehmen nicht wohin mit ihrem Vermögen.

Parallel zu dieser Nachricht brachte die Bundesbank in diesem Monat eine Studie zur wirtschaftlichen Lage privater Haushalte heraus. Demnach ist das Nettovermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt. So besitzen die Vermögendsten 10 Prozent insgesamt 60 Prozent des Nettovermögens, also Vermögen nach Abzug der Schulden. Damit weist Deutschland eines der größten sozialen Ungleichgewichte innerhalb der EU auf. 

Zahlreiche Voträge gab es auf dem Sozialforum in Wroclaw

Der Gini-Koeffizient ist noch einmal um 0,2 Prozentpunkte auf 76 Prozent gestiegen. Er misst die Gerechtigkeit der Verteilung: Je höher der Prozentwert, desto ungleicher die Vermögen. In der Eurozone lag der Gini-Koeffizient 2014 bei 69 Prozent. Selbst in den von starker Ungleichheit geprägten USA lag er bei rund 80 Prozent. Deutschland liegt bei der Vermögensungleichheit also näher an den Zuständen in den USA als an der EU.

Die Grenze zwischen den Reichsten 10 Prozent und dem Rest der Haushalte verläuft bei 468.000 Euro. Die Studie geht aber auch davon aus, dass die Vermögensverteilung zwischen 2010 und 2014 stabil war und „die Haushalte in ihrem Anlageverhalten bisher kaum auf sich verändernde Vermögenspreise und Nominalzinsen reagiert haben.“

Als Maßeinheit wird der sogenannten Median zugrundegelegt. Er zeigt das Vermögen deutscher Haushalte an. Dieses Jahr liegt der Median bei 60.400 Euro Nettovermögen. Die Hälfte des Landes, die mehr besitzt, gilt als reich, die andere Hälfte als arm.

Die Studie zeigt auch, wie sich das Vermögen in Deutschland zusammensetzt. So ist für Deutsche Sachvermögen viel bedeutender als Finanzvermögen. Laut der Studie besitzen 80 Prozent der Deutschen Sachvermögen. Den größten Anteil stellen Immobilien. Demgegenüber ist das Finanzvermögen sehr viel geringer.

So ist der Anteil der Menschen, die Aktien oder Fonds besitzen von 17 auf 13 Prozent seit der letzten Studie 2010 zurückgegangen. Damit sinkt auch der Anteil derjenigen, die von den steigenden Dividendenausschüttungen profitieren.