US-Studie: Russland hat die weltweit höchste Frauenquote in Führungsetagen der Wirtschaft

Ekaterina Trofimova, Geschäftsführerin der Ratingagentur Analytical Credit Rating Agency (ACRA) im Januar 2016.
Ekaterina Trofimova, Geschäftsführerin der Ratingagentur Analytical Credit Rating Agency (ACRA) im Januar 2016.
Russland führt die Liste der Länder mit der höchsten Anzahl von weiblichen Vorstandsmitgliedern an, so ein neuer Bericht einer US-amerikanischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Während baltische Staaten ähnliche Werte aufweisen, haben in den G7-Ländern rund 40 Prozent der Unternehmen gar keine Frauen in Führungspositionen. Deutschland belegt mit 15 Prozent einer der letzten Plätze im globalen Vergleich.

Der Bericht mit dem Titel "Frauen in der Wirtschaft" wurde diese Woche von der US-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton veröffentlicht. Sie führten ihre Untersuchung bei 5.000 Unternehmen in 36 Ländern durch.

In Russland werden dem Bericht zufolge 45 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Japan erreicht den niedrigsten Wert mit sieben Prozent Frauen in leitenden Positionen von Unternehmen.

Frauen in Führungspositionen - Liste der obersten und untersten Zehn.
Frauen in Führungspositionen - Liste der obersten und untersten Zehn.

Auf globaler Ebene haben Frauen lediglich ein Viertel aller Führungspositionen inne.

Die Frage der männlichen Dominanz im höheren Management ist seit langem im Bewusstsein von Unternehmen.

"Unternehmen in entwickelten Ländern haben lange genug über Vielfalt in der Führungsebene gesprochen," sagt Francesca Lagerberg, ein weltweit führendes Unternehmen für Steuerberatung bei Grant Thornton International, in einer Erklärung.

"Es ist Zeit, ihre Versprechen in die Praxis umzusetzen und Ergebnisse zu vorzeigen", fügte sie hinzu.

In den USA und Großbritannien liegt der Anteil Frauen in leitenden Positionen bei 23 beziehungsweise 21 Prozent. In Deutschland ist der Frauenanteil sogar noch geringer mit nur 15 Prozent.

"Wo steht Ihr Land mit der Frauenquote in Chefetagen?"

"Diese schlechte Leistung scheint zumindest teilweise eine Folge der etablierten gesellschaftlichen Normen zu sein. Insbesondere in Großbritannien und den USA gibt es noch reichlich Beispiele für einen "Command and Control"-Ansatz in der Führungsetage, die für Frauen nicht unbedingt attraktiv ist," so Francesca Lagerberg weiter.

Der Anteil der Unternehmen, die gar keine Frauen im höheren Management haben, liegt heute bei 33 Prozent, im Vergleich zu 32 Prozent im Jahr 2015. Im Gegensatz zu osteuropäischen Ländern (z. B. Estland, Lettland und Polen), in denen mehr als ein Drittel aller Führungspositionen durch Frauen besetzt ist, hatten G7-Mitglieder (Kanada, Deutschland, Italien, Frankreich, Japan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten) in 39 Prozent der untersuchten Fälle keine Frauen in höheren Funktionen.

Die Tatsache, dass osteuropäische Länder oft höhere Zahlen an Frauen in leitenden Positionen haben, könnte dem "Erbe der kommunistischen Grundsätze bezüglich der Gleichheit der Geschlechter" zugeschrieben werden, argumentiert der Bericht.

Der Bericht besagt auch, dass Frauen tendenziell eher in unterstützenden als in führenden Positionen gefunden werden:

"Wenn wir das Problem der Frauen in der Unternehmensführung knacken wollen, müssen wir mehr Frauen in wirklich operativen Führungsfunktionen haben. Frauen sollten nicht nur in Unterstützungsrollen wie der Personalabteilung und Marketing sitzen, sondern über GuV-Linien verfügen und die Geschäfte führen."

Der Bericht bestätigt auch die Ergebnisse von zahlreichen früheren Studien, dass Unternehmen, die sowohl Frauen als auch Männer im höheren Management haben, diejenigen mit nur männlichen Vorständen übertreffen. Vielfalt ist bei der Entscheidungsfindung wichtig und hilft Unternehmen erfolgreich zu sein.