EU will Einsatz des Herbizid Glyphosat verlängern - Neue Studie: „Vermutlich krebserregend"

Weltweite Demonstrationen gegen Monsanto, den weltgrößten Hersteller von Glyphosat, hier in Paris im Mai 2015. Menschen in 48 Ländern protestierten gegen Monsanto und sein Herbizid "Roundup".
Weltweite Demonstrationen gegen Monsanto, den weltgrößten Hersteller von Glyphosat, hier in Paris im Mai 2015. Menschen in 48 Ländern protestierten gegen Monsanto und sein Herbizid "Roundup".
In wenigen Tagen soll in Brüssel über eine erneute Zulassung von Glyphosat entschieden werden. Die EU-Kommission hatte sich für eine Verlängerung bis 2031 ausgesprochen. Gegen diese Entscheidung protestieren Bürger und Umweltverbände. Der Stoff wird zwar seit Jahrzehnten als Unkrautvernichter eingesetzt, jüngeren Erkenntnissen zufolge gilt er jedoch als potentiell krebserregend.

Dreiviertel der Bundesbürger sind deutlich mit Glyphosat belastet. Das ergab eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung, aus der Euractiv am Wochenende zitiert. Die Wissenschaftler suchten Rückstände des Stoffes im Urin. Dabei zeigte sich, dass die Belastung bei 75 Prozent der untersuchten Menschen um ein Fünffaches höher liegt, als es der Grenzwert für Trinkwasser zulässt. Ein Drittel der Bevölkerung hat demnach sogar eine zehnfache bis zu 42-fache Menge der für Trinkwasser zulässigen Grenzwerte im Urin.

Insgesamt ließen sich bei 99,6 Prozent von insgesamt 2009 Probanden eindeutig  Glyphosatrückstände nachweisen. Die höchsten Belastungen zeigten sich bei Kindern im Alter von 0 bis neun und Jugendlichen von zehn bis 19 Jahren, nach Berufsgruppen vor allem bei Landwirten. Studienteilnehmer, die Fleisch konsumieren, wiesen höhere Belastungen auf als Vegetarier und Veganer.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht trotzdem keine Gefahr für die Gesundheit der Bürger. Nachweise von Glyphosat im Urin seien in „geringen Konzentrationen“ zu erwarten. Angeblich wird der Stoff jedoch rasch wieder ausgeschieden und sei daher ungefährlich.

Wegen dieser Bewertung reichte die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 nun eine Klage gegen das Bundesinstitut ein. Laut einem Bericht der Tageszeitung Junge Welt klagt die Organisation außerdem gegen den europäischen Ableger des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto und die Agentur für Lebensmittelsicherheit der Europäischen Union (EFSA). Die Vorwürfe lauten auf einfachen, schweren sowie gewerbsmäßigen Betrug nach dem Strafgesetzbuch. Die EFSA und das BfR haben sich beide für eine Neuzulassung des Herbizids in Europa ausgesprochen.

Selbst von Hobbygärtnern wird Monsantos Roundup eingesetzt

Das Umweltbundesamt plädiert hingegen für weitere Forschungen. „Wahrscheinlich krebserregende“ Stoffe dürfen nach aktuellem EU-Recht nicht als „Pflanzenschutzmittel“ zugelassen werden. Die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, hatte Ergebnisse wie die der Heinrich-Böll-Stiftung erwartet. „Uns überraschen die Werte überhaupt nicht. Der Fund von Glyphosat im Urin ist angesichts der langjährigen und intensiven Ausbringung kaum verwunderlich.“

Im März 2015 wurde Glyphosat von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ beim Menschen eingestuft. Das BfR als offizielle EU-Prüfinstanz kam in der Folge zu einem gegenteiligen Ergebnis und sprach der EFSA die Empfehlung aus, dem Antrag der 22 Unternehmen stattzugeben, die Chemikalie für weitere 15 Jahre vertreiben zu dürfen.

Abstimmungsergebnis des Deutschen Bundestages zum Antrag "Neuzulassung von Glyphosat stoppen" am 25. Februar 2016, rot: Nein, grün: Ja, blau: Enthaltung.