FES-Studie: Russische Mittelschicht spürt Krise nicht und unterstützt mehrheitlich Regierungskurs

FES-Studie: Russische Mittelschicht spürt Krise nicht und unterstützt mehrheitlich Regierungskurs
Die russische Mittelschicht bleibt trotz Wirtschaftskrise stabil. Politisch dominiert die Vorstellung eines „besonderen Weges“ für Russland und eine starke Unterstützung des Regierungskurses. Dies sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.

Rauchende Köpfe im Wirtschaftskabinett, von links nach rechts: : Vize-Premierminister Olga Golodets, Finanzminister Anton Siluanow, Minister für Wirtschaftsentwicklung Aklexej Uljukaew, Chef der Steuerbehörde Michail Mischustin und Chef des Rentenfonds Anton Drozdow, Februar 2016.

Die russische Mittelschicht hält sich, ganz im Gegensatz zu der Krise zwischen 2008 und 2009, stabil. Bis Ende 2015 wurde ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung auf 44 Prozent geschätzt, was ein Wachstum von zwei Prozent zum Vorjahr bedeutet.

Die unter dem Titel „Die russische Mittelschicht unter den Bedingungen der Stabilität und Krisen“ erschienene Studie beinhaltet Stichprobenbefragungen von 1.900 Personen für die Jahre 1999, 2003, 2014 und 2015. Dabei wurde festgehalten, dass 60 Prozent der Mittelschicht keine Veränderung ihrer Situation zwischen 2014 und 2015 bemerkten. Bei anderen Bevölkerungsschichten lag der Prozentsatz hingegen bei 40 Prozent. Besonders betroffen sind staatliche Angestellte und Mitarbeiter des Informationssektors.

Zu den wichtigsten negativen Folgen der Krise gehören vor allem sinkende Sozialleistungen, steigende Preise, Kürzungen von bezahlten sozialen Dienstleistungen durch den Staat, steigende Notwendigkeit eines Zweitjobs und mangelnde Freizeit. Nichts desto trotz glaubt die Mehrheit der Mittelschicht daran, dass sich ihre Situation kaum bis gar nicht verschlechtert hat und ist bereit, auftretende Probleme selber zu lösen oder sich zu adaptieren.

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Im Fazit der Studie wird auch erwähnt, dass die außenpolitische Situation bei der Mittelschicht zu einer veränderten Wahrnehmung des „westlichen Weges“ geführt hat. Im Gegensatz zu den letzten 10 Jahren ist die Zustimmung hierfür um 6 Prozent auf 27 Prozent gesunken, wohingegen bei anderen Bevölkerungsschichten sich die Einstellung kaum geändert hat.

Somit stellt die Studie fest, dass in der russischen Bevölkerung momentan eine eher negative Stimmung gegenüber einer sich nach westlichen Maßstäben vollziehenden Entwicklung Russlands herrscht. Hingegen dominiert die Vorstellung eines „besonderen Weges“ für Russland und eine starke Unterstützung des Regierungskurses, unabhängig davon, dass innenpolitische Fragen kritischer wahrgenommen werden.